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Aktuell Europa

Spanien richtet Ebola-Krisenstab ein

Nach der Ansteckung einer Krankenschwester wächst in Spanien die Angst vor einer Ausbreitung des Ebola-Virus. Ministerpräsident Rajoy richtete einen Krisenstab ein und rief seine Landsleute zur Ruhe auf.

Den Vorwurf der "Tatenlosigkeit" wollte Mariano Rajoy nicht auf sich sitzen lassen. Nachdem am Montag in Madrid die erste Ebola-Infektion gemeldet wurde, kritisierten sowohl Medien als auch Gewerkschaften und Opposition die ihrer Ansicht nach ungenügende Informationspolitik der Behörden. Der spanische Premierminister reagierte auf die Kritik und richtete einen Krisenstab für den Kampf gegen das Virus ein. Dem ressortübergreifenden Komitee sollen Vertreter des Gesundheitsministeriums sowie der Ministerien für Äußeres, Inneres und Verteidigung angehören. Die Beratung wird von einem ebenfalls neu eingerichteten wissenschaftlichen Gremium übernommen.

Rajoy stattete inzwischen auch dem Madrider Krankenhaus Carlos III. einen Besuch ab. Dort hatte sich die Pflegerin Ende September infiziert, als sie einen aus Westafrika eingeflogenen Ebola-Kranken behandelte. Es war die erste Ebola-Infektion von Mensch zu Mensch in Europa. Der Premierminister erklärte nach dem Besuch, die Lage sei "komplex und schwierig". Er sei jedoch davon überzeugt, dass alles Notwendige getan werde, um die Krise zu überwinden. Rajoy verwies gleichzeitig auf die Weltgesundheitsorganisation WHO, die das Risiko einer Ausbreitung des Virus außerhalb Afrikas als sehr niedrig einstuft.

Neue Hoffnung durch "ZMapp"

Für die erkrankte Pflegerin, deren Zustand sich zuletzt deutlich verschlechtert hatte, gab es am Freitag aber neue Hoffnung. Die 44-Jährige wurde erstmals mit dem Medikament "ZMapp" behandelt. Das experimentelle Mittel, dessen Vorräte als weitgehend erschöpft galten, sei aus Belgien geliefert worden, berichtete der staatliche Fernsehsender RTVE. "ZMapp" wurde bereits bei dem 75-jährigen Missionar eingesetzt, der sich in Liberia infiziert hatte und anschließend nach Spanien geflogen wurde. Der Mann starb allerdings dennoch an den Folgen des Virus.

Unterdessen wurde in Brasilien der erste Ebola-Verdachtsfall gemeldet. Die Luftwaffe brachte den Patienten in ein Spezialkrankenhaus in Rio de Janeiro, wo er unter Quarantäne gestellt wurde. Das berichtet die Tageszeitung "O Globo". Der 44-jährige Mann kam vor drei Wochen aus Guinea in die Stadt Cascavel im Süden Brasiliens, wo er eine Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr erhielt. Am Donnerstag hatte er sich wegen hohen Fiebers in ärztliche Behandlung begeben.

Kritik an Rolle Deutschlands

In Liberia, Sierra Leone und Guinea wurden zuletzt mehr als 8.000 Ebola-Fälle gemeldet, von denen mehr als 4.000 tödlich verliefen, so die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Angesichts der weiteren Verbreitung des Virus forderte Bundesärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery die deutsche Bundesregierung zu mehr Engagement im Kamf gegen Ebola auf. 20 Millionen Euro, die Deutschland vor Ort investiere, seien besser angelegt als zwei Millionen Euro, die ein Rücktransport eines Ebola-Patienten samt Behandlung koste, sagte Montgomery in einem Interview mit der "Bild".

Im Sender "Phoenix" äußerte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit ähnliche Kritik. Zudem nahm er die internationale Staatengemeinschaft ins Visier. Diese habe im Frühsommer zu zögerlich reagiert: "Wir laufen dem Virus immer hinterher. Das hätte im Mai, Juni mit massiver Hilfe verhindert werden können."

djo/ml (afp, dpa, epd, kna)