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Aktuell Europa

Spanien nimmt mutmaßliche Dschihadisten fest

Rund zwei Wochen nach den islamistischen Anschlägen von Paris und Brüssel ist den spanischen Behörden ein Coup gegen mutmaßliche Islamisten gelungen. Der Zugriff erfolgte in der Enklave Ceuta in Marokko.

Vier mutmaßlich sehr gefährliche Terroristen seien gefasst worden, sagte Innenminister Jorge Fernández Díaz vor Journalisten in Madrid. Es handele sich um zwei "stark radikalisierte" Brüderpaare, die bereit gewesen seien, einen Terroranschlag zu verüben und dabei auch ums Leben zu kommen.

Nach Erkenntnissen der Polizei gebe es große Übereinstimmungen der in Ceuta (Artikelbild) ausgehobenen Zelle mit den Terroristen, die Anfang des Monats den Anschlag auf das Pariser Satiremagazin "Charlie Hebdo" verübt und zwölf Menschen getötet hätten, verriet der Minister am Rande eines Parteikongresses der regierenden Volkspartei. Die Festgenommenen - Spanier mit marokkanischen Wurzeln - seien alle "psychisch, körperlich sowie im Umgang mit Waffen sehr gut ausgebildet".

Falsch gepostet?

Bei dem Einsatz Ceutas Problemviertel Barrio del Príncipe wurden zwei Häuser durchsucht. Wie die staatliche Nachrichtenagentur efe unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtete, sollten die mutmaßlichen Terroristen noch am Samstag per Hubschrauber zum Nationalen Gerichtshof nach Madrid gebracht werden. Dort sollten sie von erfahrenen Terror-Ermittlern verhört werden.

Nach Erkenntnissen der spanischen Tageszeitung "El Pais", begannen die Ermittlungen vor zwei Wochen, als einer der vier ein Video auf seine Facebook-Seite postete. Darin bot er militärisches Training an und forderte andere Menschen auf, sich dem Dschihad anzuschließen.

Drogendealer-Bande zerschlagen

Wenige Stunden vor der Aktion in Ceuta hatten die Behörden in Spanien und Marokko die gemeinsame Zerschlagung eines Haschischhändlerrings bekanntgegeben, der den Erkenntnissen zufolge dschihadistische Gruppen finanzierte.Bei dieser Razzia in Ceuta und mehreren Städten Spaniens seien in den vergangenen Tagen 55 Menschen festgenommen sowie elf Tonnen Haschisch, Waffen und Bargeld im Wert von umgerechnet zwei Millionen Euro beschlagnahmt worden, teilte das Innenministerium in Madrid mit. Die Organisation habe tonnenweise Haschisch in ganz Europa vertrieben und jeden Monat mehrere Millionen Euro umgesetzt. Dem Zugriff der Behörden seien zweijährige Ermittlungen vorausgegangen.

Spanische Exklave Ceuta (Foto: Getty Images)

Ziel von Flüchtlingen und illegalen Einwanderern: Spaniens Enklave Ceuta in Marokko

Spanien verfügt an der nordafrikanischen Mittelmeerküste über zwei Exklaven, die beide von Marokko beansprucht werden: Ceuta an der Meerenge von Gibraltar und das 250 Kilometer weiter östlich gelegene Melilla. Die "Ciudad autónoma" (autonome Stadt) Ceuta liegt nur gut 20 Kilometer von der iberischen Halbinsel entfernt und hat rund 85.000 Einwohner. Etwa die Hälfte sind Muslime. Ceuta und Melilla sind auch Ziel vieler afrikanischer Flüchtlinge und illegaler Einwanderer. Wenn sie eine der beiden Enklaven erreichen, haben sie den Boden der Europäischen Union betreten.

Plan gegen Radikalisierung von Moslems

Im vergangenen Jahr hatte Spanien nach Regierungsangaben etwa 50 mutmaßliche Islamisten festgenommen, die sich den radikalen Islamistengruppen in Syrien und im Irak anschließen wollten oder als Anwerber für diese Gruppen auftraten. Allein im Dezember hatten Polizeikräfte aus Spanien und Marokko sieben Personen festgenommen, um die Rekrutierung junger Frauen für die Terrormiliz "Islamischer Staat" zu verhindern.

Die spanische Regierung hat angekündigt, auf ihrer wöchentlichen Kabinettssitzung einen Plan auf den Weg zu bringen, der der Radikalisierung unter Muslimen entgegenwirken soll.

gmf/cr (afp, ap, dpa, rtr)