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Fußball

Spanien ist Weltmeister

Dank eines Treffers von Andrés Iniesta gewinnen die Spanier das WM-Finale gegen die Niederlande mit 1:0 - allerdings erst nach Verlängerung und nach einem Platzverweis gegen das Oranje-Team.

Iniesta bejubelt seinen Siegtreffer. Foto: AP

Matchwinner Andrés Iniesta

Spanien ist zum ersten Mal Fußball-Weltmeister. Zwei Jahre nach ihrem Sieg bei der Europameisterschaft gewannen die Spanier das WM-Finale in Johannesburg gegen die Niederlande mit 1:0 nach Verlängerung und eroberten damit auch die Krone des Weltfußballs. Vor 84.490 Zuschauern im Soccer City Stadion erzielte Andrés Iniesta in der 116. Minute das entscheidende Tor für Spanien. Die Niederländer gingen auch in ihrem dritten Weltmeisterschafts-Endspiel nach 1974 und 1978 als Verlierer vom Platz.

Ruppige erste Halbzeit

De Jong foult Xavi Alonso. Foto: AP

Böses Foul von de Jong

Den besseren Start in das Finale hatten die Spanier erwischt. In der fünften Minute zwang Sergio Ramos mit einem Kopfball den niederländischen Torwart Maarten Stekelenburg zu einer Parade. Wenig später (11.) traf David Villa nur das Außennetz. Das Oranje-Team konzentrierte sich vor allem darauf, den gefürchteten Kombinationsfußball der Spanier zu stören, und das mit voller Härte. Die Partie wurde ruppiger. Fünfmal zog Schiedsrichter Howard Webb aus England die Gelbe Karte, zweimal gegen die Spanier, dreimal gegen die Niederländer. Nigel de Jong (30.) hätte sich nicht beschweren dürfen, wäre er nicht nur verwarnt, sondern vom Platz gestellt worden. In Kung-Fu-Manier war er mit gestrecktem Bein gegen die Brust von Xabi Alonso gesprungen. Ein Ziel erreichte das Oranje-Team mit seiner harten Gangart. Der spanische Offensivdrang erlahmte, brenzlige Situationen vor dem niederländischen Tor gab es kaum noch. Stattdessen hätte Arjen Robben bei einem der seltenen Vorstöße seiner Mannschaft in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit fast noch den Führungtreffer für die "Elftal" erzielt. Seinen Flachschuss von der Strafraumgrenze lenkte Spaniens Torwart Iker Casillas um den rechten Pfosten. Mit einem 0:0 ging es in die Pause.

Riesenchancen für Robben und Villa

Auch in der zweiten Halbzeit zunächst ein unverändertes Bild: Kaum ein Angriff konnte zu Ende gespielt werden. Immer wieder unterbrachen Fouls den Spielfluss.

Der Niederländer Robben scheitert an Spaniens Torwart Casillas. Foto: AP

Robbens große Chance, die Niederländer in Führung zu bringen, doch Cassilas klärt

Dann die Riesenchance für Bayern-Profi Robben, die Niederländer in Führung zu bringen: Mit einem Traumpass aus dem Mittelfeld hatte Wesley Sneijder den Stürmer freigespielt. Allein rannte Robben auf das Tor zu. Der spanische Keeper Casillas lief heraus und lenkte Robbens Schuss mit ausgestrecktem Bein gerade noch zur Ecke (62.) – eine Glanzparade.

Wieder Robben, wieder nichts

Robben scheitert an Casillas. Foto: AP

Wieder scheitert Robben an Casillas

Auf der Gegenseite verschätzte sich der niederländische Abwehrspieler John Heitinga. Spaniens Torjäger Villa kam fünf Meter vor dem Tor zum Schuss (69.), doch Heitinga machte seinen Fehler wieder gut und klärte zur Ecke. Der Druck der Spanier nahm zu. Sergio Ramos kam am Fünf-Meter-Raum frei zum Kopfball (77.), der Ball strich jedoch über das Tor. Kurz darauf (79.) profitierte Spaniens Andres Iniesta von der Großzügigkeit des Schiedsrichters. Howard Webb beließ es nach einem Revanchefoul an Mark van Bommel bei einer Ermahnung.

Das Spiel stand nun auf Messers Schneide. Die Spanier stürmten, den Niederländern eröffneten sich Möglichkeiten zu kontern: Arjen Robben hatte erneut die Entscheidung auf dem Fuß (83.), als er allein auf das spanische Tor zulief. Casillas fischte ihm im letzten Augenblick den Ball vom Fuß. Es ging in die Verlängerung.

Iniestas Weltmeisterschuss

Jetzt drückten die Spanier aufs Tempo. Eine gute Chance jagte die andere. Doch Cesc Fabregas (95.), Iniesta (98.) und Jesus Navaz (101.) scheiterten. Trainer Vicente del Bosque reagierte, brachte Fernando Torres für den glücklosen Villa.

In der 109. Minute hatte das muntere Kartenzücken von Schiedsrichter Webb Folgen: Heitinga sah nach einem taktischen Foul Gelb-Rot. Die Niederländer mussten die letzten elf Minuten der Verlängerung zu zehnt überstehen. Das eröffnete den Spaniern natürlich Räume. Und die nutzte in der 116. Minute der beste Spanier in diesem Finale, Andres Iniesta: Von Fabregas angespielt, zog der 26-Jährige aus zehn Metern flach ab. Sein Schuss landete unhaltbar für Stekelenburg im linken unteren Eck des niederländischen Tors. 1:0 für Spanien. Das war die Entscheidung.

Iniesta schießt das entscheidende 1:0 gegn Spanien. Foto: AP

Iniesta trifft zum Weltmeistertitel für Spanien

"Unglaublich, unfassbar!"

Spanier mit WM-Pokal. Foto: AP

So jubeln Weltmeister

Überschwänglicher Jubel natürlich bei den Spaniern, Tränen bei den Niederländern. "Es war ein sehr schweres Spiel, ein hart umkämpfter Sieg", sagte Weltmeistertrainer Vicente del Bosque. "Wir hätten das eine oder andere Tor mehr schießen können. Aber der Sieg war hoch verdient. Für mich ist das ein sehr glücklicher Tag." Und auch Andres Iniesta, der Schütze des entscheidenden Tors konnte sein Glück kaum fassen: "Weltmeister! Das ist unglaublich, unfassbar." Zum ersten Mal in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften geht der Titel nach Spanien. Erstmals gelingt es auch einem europäischen Team, außerhalb Europas eine WM zu gewinnen.

Der niederländische Nationaltrainer Bert van Marwijk erwies sich als fairer Verlierer "Wir sind natürlich sehr traurig. Wir hätten fast mit zehn Mann das Elfmeterschießen erreicht. Die bessere Mannschaft hat aber gewonnen."

Stippvisite Mandelas

Nelson Mandela mit seiner Frau. Foto: AP

Nelson Mandela mit seiner Frau

Den ersten Höhepunkt des Finalabends hatte es schon vor dem Anpfiff gegeben: Südafrikas Volksheld Nelson Mandela wurde in einem Golfwagen über den Rasen des Soccer-City-Stadions von Johannesburg gefahren. Mit Pelzmütze, im Wintermantel winkte der fast 92-Jährige den jubelnden Fans zu. Es war allerdings nur eine Stippvisite. Zur erhofften Pokalübergabe durch Mandela kam es nicht. Das Finale verfolgte der gesundheitlich angeschlagene Ex-Präsident zu Hause. Ein Enkel Mandelas hatte dem Weltverband FIFA vorgeworfen, er habe Druck auf seinen Großvater ausgeübt, damit er bei der Feier erscheine.

Autor: Stefan Nestler
Redaktion: Andreas Ziemons

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