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Wirtschaft

Spanien ist bereit für den Euro

"Der Euro hilft der spanischen Wirtschaft in der Krise", so der spanische Notenbankchef Jaime Caruana im Exklusiv-Interview mit der Deutschen Welle.

Herr Caruana, wenn wir uns spanische Firmen wie die Kaufhauskette El Corte Inglés anschauen, könnte man leicht zu dem Eindruck kommen, dass die spanische Bevölkerung absolut uninteressiert an der Euro-Einführung ist. Besorgt Sie das?

Ich glaube nicht, dass dies der Fall ist. Ich glaube, die spanische Bevölkerung ist sehr interessiert und hat die neue Währung unterstützt. Ich glaube nicht, dass dies der Fall ist und ich glaube der Grad des Bewusstseins der spanischen Bevölkerung ist ähnlich zu dem in anderen Staaten.

Wir haben zum Beispiel in Frankreich die großen Kampagnen zur Euro-Vertrauensbildung gesehen. Hat die Spanische Notenbank an solchen großen Programmen teilgenommen?

Ja. Wir haben eine Kampagne durchgeführt und auch die Regierung hat eine Kampagne gemacht. Ich denke, dass die spanischen Bürger Bescheid wissen und sehr interessiert sind an dem, was bei der Euro-Einführung vorgeht.

Lassen Sie uns über das spanische Wirtschaftswachstum sprechen. Seit dem EU-Beitritt ist die Wirtschaft des Landes in beeindruckender Weise gewachsen. Obwohl die Prognosen für das Wachstum im nächsten Jahr nach unten korrigiert worden sind, liegt die spanische Wachstumsrate immer noch um einiges über den EU-Durchschnittserwartungen für 2002. Was steckt hinter diesem rasanten Wachstum?

Ich glaube wir haben hier Zahlen, welche mit rund zwei Prozent wichtige Zahlen sind und dies erlaubt uns zwei Dinge festzustellen: Das erste ist, dass wir im Konvergenzprozess zum Rest Europas aufholen, und außerdem beweist es, dass die spanische Wirtschaft sich nun anders verhält als in bisherigen Wirtschaftskrisen. Ich denke dass dies daher kommt, dass wir jetzt Teil der Euro-Zone sind. Ich denke, das ist ein sehr wichtiger Faktor.

Wird die Euro-Einführung - nach Ihrer Meinung - ein weiteres Wachstum in Spanien anregen?

Ich glaube, der Euro mag einen gewissen Effekt bezüglich des Vertrauens haben. Aber ich glaube der wichtigste Effekt kam bereits im Jahr 1999, als wir EWU, der Europäische Währungsunion, beitraten. Nun übernimmt ja Spanien die EU-Ratspräsidentschaft genau dann, wenn am ersten Januar der Euro eingeführt wird.

Sehen Sie das als eine hektische Zeit an, um die Ratspräsidentschaft zu übernehmen oder sind sie mit dem Zeitpunkt zufrieden?

Ich glaube das wird ein wichtiges Halbjahr; mehr für die Regierung als für die Notenbanken. In unsrem Fall denke ich, das wichtigste Element wird die Euro-Einführung sein. Und eine der Prioritäten der Ratspräsidentschaft wird es sein, diesen Prozess zu beobachten und darüber korrekt zu informieren, was bei der Einführung vor sich geht. Zudem wird es weitere grundsätzliche Reformziele geben.

Was sagen Sie zum Euro-Dollar-Wechselkurs im Moment. Er ist immer

noch relativ niedrig. Sind Sie mit diesem Wechselkurs zufrieden?

Ich glaube es ist schwierig, über Wechselkurse zu sprechen und Wechselkurse vorherzusagen. Aber ich würde sagen, dass grundsätzlich Forschung und Studien beweisen, dass in der derzeitigen Situation der Euro unterbewertet ist. Es wird darauf hinauslaufen, dass dies in der Zukunft korrigiert wird. Und ich glaube das wird gut sein für die Wirtschaft in der Euro-Zone.

Nun ein interessantes Phänomen: In Spanien gibt es eine Fülle von unversteuertem, oder sogenanntem "Schwarzgeld", das derzeit der Wirtschaft zufließt bevor es durch den Euro-Umtausch wertlos wird. Unternimmt die spanische Notenbank oder andere spanische Behörden irgend etwas, um diese illegalen Geldströme zu stoppen?

Nun. Was wir sehen ist etwas, das es nicht nur in Spanien gibt. Wir sehen Ähnliches in ganz Europa, in der Euro-Zone - es gibt eine geringere Nachfrage nach Geld bei den Zentralbanken. Das mag etwas mit Schattenwirtschaft zu tun haben. Es ist aber schwierig, abzuschätzen, wie viel. Ich glaube, die Steuerbehörden hier beobachten insbesondere Transaktionen in Bezug auf Autos und den Hausbau. Aber nochmals: Es ist schwierig, den Umfang abzuschätzen.

Aber irgendwie hilft es der Wirtschaft. Stimmt das?

Ich glaube nicht, das diese Art von Effekten große Auswirkungen auf die spanische Makroökonomie hat.

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  • Datum 13.12.2001
  • Autorin/Autor Das Interview führte Andrea Sanke
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/1Tew
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