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Veranstaltungen

Spagat zwischen Macht und Kommerz

Bonn – Russland stand im Blickpunkt des ersten Mediendialogs der Deutschen Welle. Thema der Veranstaltung am 21. April in Bonn: Medien zwischen Staatslenkung und Kommerzialisierung.

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Experten diskutierten im Funkhaus über Russlands Medienmarkt

Was hört man hierzulande über die russische Medienlandschaft? In der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen belegt das Land Platz 153. Journalistenmorde bleiben häufig unaufgeklärt, Machtinhaber bestellen Medieninhalte. Der Moskauer Focus-Korrespondent Boris Reitschuster stellte in Bonn seinen nicht einfachen Arbeitsalltag in Russland sehr anschaulich dar. Systematische Abhörung, Einmischung seitens der Polizei, direkte und indirekte Drohungen – all das sei Journalisten-Alltag in Russland, so Reitschuster.

Dennoch: Das Land und damit einhergehend auch die Bedingungen für die Arbeit von Journalisten hätten sich in den vergangenen 20 Jahren tiefgreifend verändert und zum Positiven entwickelt. Darauf wies der frühere WDR-Intendant Fritz Pleitgen hin, der in 1970-er Jahren als ARD-Korrespondent in Moskau tätig war. Pleitgen, heute Vorsitzender der Geschäftsführung RUHR.2010, betonte, zu Zeiten der Sowjetunion sei es undenkbar gewesen, sich als Auslandskorrespondent ohne Begleitung durch das Land zu bewegen. Und heute? „Die gefährdete Pressefreiheit Russlands muss international zur Sprache gebracht werden, insbesondere weil Russland als Partner auf Augenhöhe anerkannt werden will. Andererseits sollten wir uns hüten, vom hohen Ross Urteile zu fällen“, appellierte Pleitgen.

Meinungsfreiheit abhängig vom Medium

Im Laufe der Diskussionsrunde zum Thema „Medienarbeit: Freiheit in Abhängigkeit?“ wurde klar, dass es die Meinungsfreiheit in Russland nicht gibt, diese vielmehr jeweils stark vom Medium abhängt. Während das Fernsehen – das populärste Medium – praktisch vollständig der Staatskontrolle unterliegt, darf im Internet offenbar alles gesagt und geschrieben werden. Galina Timtschenko, Chefredakteurin des russischen Nachrichtenportals Lenta.ru, sieht dafür zwei Gründe: Erstens sei das Internet lange Zeit vom Staat nicht beachtet worden, zweitens sei der Kreml jetzt gegenüber der Entwicklung des Internets im Zuge der angekündigten Modernisierung aufgeschlossen. Die Probleme der russischen Netz-Medien seien anderer Natur: die Abhängigkeit von Werbeeinnahmen und das Desinteresse junger Menschen, der aktivsten User, an seriösen Themen.

Wollen die Russen tatsächlich von einer starken Hand geführt werden, wie es klischeehaft heißt? Auch diese Diskussion blieb auf dem Mediendialog der DW nicht aus. Das gehöre keineswegs zwingend zur russischen Kultur und Mentalität, meinte Ingo Mannteufel, Leiter der Russischen DW-Redaktion. Vielmehr sei dies „eine Frage der historischen Entwicklung“, die in jüngster Zeit wieder ungünstiger verlaufe. „Aber da muss man eher in Jahrzehnten als in Jahren denken“, so Mannteufel.

Wegen des Flugverbots aufgrund der Aschewolke war zunächst nicht klar, ob die Veranstaltung stattfinden kann. Am Ende stand der Premiere des Mediendialogs nichts mehr im Weg - auch wenn das Programm etwas reduziert werden musste.

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Martina Bertram

T +49.228.429-2055 martina.bertram@dw.com