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Fußball

Spaßvogel oder Quälgeist? Jedenfalls genial!

Franck Ribéry war die größte Entdeckung der Équipe Tricolore, der französischen Nationalmannschaft, bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Aus dem Nichts spielte er sich neben Zidane in die Stammelf.

Der französische Fußballnationalspieler und Spieler des FC Bayern München, Franck Ribéry vor einem Poster mit seinem Gesicht (Foto: dpa/Max Rosereau)

Genialer Dribbelkönig

"Das ist nicht nur eine Bereicherung für den FC Bayern, sondern auch für die gesamte Bundesliga." Ein Ritterschlag von Bayern-Ikone Franz Beckenbauer für Franck Ribéry. Und auch die Fans sind sofort begeistert, als der quirlige Mittelfeldstar 2007 vom französischen Erstligisten Olympique Marseille zum deutschen Rekordmeister wechselt – für die Rekordsumme von 25 Millionen Euro. Der 1,70 Meter kleine Dribbelkönig ist so ganz anders als die anderen Spieler – wild, artistisch und auf dem Platz immer unterwegs. Mit ihm kommt neue Frische ins Team, Spielfreude und Unberechenbarkeit. Der ungestüme Draufgänger, der am liebsten auf dem linken Flügel tanzt, ist der Albtraum jedes Gegenspielers. Bayern-Kapitän Mark van Bommel vermutet gar galaktische Fähigkeiten: "Seine fußballerischen Qualitäten sind nicht außerirdisch, aber fast."

Instinktfußballer contra Disziplinfanatiker

Der Münchener Franck Ribery bespringt nach seinem Treffer zum 3:1 Trainer Louis van Gaal. (Foto: dpa/Rolf Vennenbernd dpa/lnw)

Der Trainer und sein Star: Was lange währt, wird endlich gut

Er sei jemand, bei dem die anderen nicht wissen, was er mit dem Ball am Fuß mache, das sei seine Kunst, sagt Ribéry von sich selbst. Dieser Instinktfußball fasziniert viele, aber nicht alle. Als er bei einem Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart einen Elfmeter lässig in die Tormitte kickt und Jens Lehmann den Ball parieren kann, hagelt es harsche Worte von Manager Uli Hoeneß. Dennoch führt Ribéry 2008 die Bayern zum Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal und wird Deutschlands Fußballer des Jahres. "Er ist Weltklasse. Vor allem auch eine Persönlichkeit", schwärmt Verteidiger Philipp Lahm. "Er ist sehr offen. Er spricht die Sprache nicht, aber ist immer auf einen zugekommen. Das macht es für uns natürlich auch leichter, mit ihm in Kontakt zu kommen." Die fremde Sprache fällt ihm schwer, genauso wie die Eingewöhnungsphase mit Trainer Louis van Gaal. Der Niederländer schätzt Disziplin und Ordnung, Ribéry bleibt ein Freigeist, Hitzkopf und wird immer mehr zur Diva. Beleidigt stapft er von dannen, wenn er im Training gefoult und das Spiel daraufhin nicht unterbrochen wird, dickköpfig sagt er im Sommer 2009: "Ich will weg", als es mit van Gaal nicht zu klappen scheint. Der Höhepunkt dann im Wintertrainingslager in Dubai. Ribéry nimmt nicht am Mannschaftstraining teil – zuerst schmerzt eine Blase an der Ferse, dann zwei entzündete Zehen. Während auf dem Platz eine Mannschaft zusammenwächst, dreht Ribéry einsam in Turnschuhen seine Runden. Sehr zum Ärger van Gaals, der seinen Star kräftig die Meinung geigt: "Laufen ist für Tiere. Er ist nur gelaufen. Fußball ist aber mit Gehirn und mit einem Ball. Und mit Widerstand. Und das ist immer etwas anderes."

Von der Baustelle in die Équipe tricolore

Zinedine Zidane, (re), tätschelt Franck Ribery,den Kopf (Foto: AP Photo/Cristof Stache)

Der Altmeister und der neue Hoffnungsträger

Auch wenn es immer wieder Wechselspekulationen gibt – mal lockt Real Madrid, mal streut der Manager Ribérys andere Gerüchte – bleibt Bayern die bislang längste Station des Nordfranzosen. Sein Karriereweg ist nicht gerade. Geboren in der Arbeiterstadt Boulogne-sur-Mer weiß er, wie es ist, ohne Geld zu leben. Er ist einer aus dem Volk, der immer kämpfen musste. Seine Zähne stehen schief, über sein Gesicht laufen zwei tiefe, auffallende Narben, die er sich als Kleinkind bei einem Autounfall zugezogen hat. Oft wird er deswegen verspottet und gehänselt. Er antwortet mit den Fäusten. Wegen Disziplinlosigkeit fliegt er vom Fußballinternat des OSC Lille – ohne Schulabschluss. Als ihn der Drittligist Olympique Alès nicht mehr bezahlen kann, hält er sich mit Arbeiten auf dem Bau über Wasser, das ist gerade einmal sechs Jahre her. Sein erster Spitzenklub ist 2004 der FC Metz, dort kündigt er, als er die versprochene Gehalteserhöhung wegen einer Schlägerei in einem Nachtclub nicht bekommt. Auch seine Station bei Galatasaray Istanbul dauert 2005 nur ein halbes Jahr. Er sei ein genialer Fußballer mit allzu leicht aufschäumendem Temperament, sagt José Pareira, einer seiner früheren Trainer: "Sogar eine Straßenlaterne hätte erkennen können, dass Franck ein ausgezeichneter Spieler war, aber man musste immer ein Auge auf ihn haben, wie auf einen Topf Milch auf der Herdplatte. Er war ein Junge der Straße." Erst bei Olympique Marseille schafft er endgültig den Durchbruch, wird Nationalspieler. Bei der WM 2006 läuft er zusammen mit seinem größten Idol auf: Zinédine Zidane. Ribéry überrascht und überzeugt. Ein Jahr später wird er Frankreichs Fußballer des Jahres.

Mit Robben die perfekte Flügelzange

Arjen Robben, (re), klatscht Franck Ribery ab (Foto: AP/Daniel Maurer)

Ribéry und Robben - oder einfach "Robbery"

Als Arjen Robben zu den Bayern wechselt, verliert Ribéry den Sonderstatus als Superstar. Zusammen wirbeln die beiden durch die Bundesliga, der torhungrige Robben rückt aber immer mehr in den Vordergrund. Ribéry links, Robben rechts – zusammen sind sie "Robbery" oder einfach nur die perfekte Flügelzange. Privat scheint Ribéry glücklich zu sein mit seiner Jugendliebe Wahiba Balhami aus Algerien, für die er zum Islam konvertiert und die er schließlich heiratet. Mit ihr hat er zwei Töchter (Hizya und Shaninez). Dann gibt es Ärger wegen des Sexskandals um eine minderjährige Prostituierte, in der mehrere französische Nationalspieler verstrickt sind. Und wieder muss der sensible Star zurück in die Spur finden. Wenn es privat nicht läuft, läuft es oft auch nicht auf dem Platz, dabei gilt Ribéry trotz aller Rückschläge als Frohnatur. "Franck atmet die Freude am Leben, und diese Spielfreude überträgt er auf das Spiel", sagt Zidane.

Für jeden Quatsch zu haben

Bayern-Spieler Franck Ribery rennt nach dem Sieg im DFB-Pokalfinale Borussia Dortmund gegen FC Bayern München mit dem Pokal über den Platz. Der FC Bayern München gewinnt zum 14. Mal den DFB-Pokal. Der deutsche Fußball-Rekordchampion setzt sich im Berliner Olympiastadion gegen Borussia Dortmund mit 2:1 nach Verlängerung durch. (Foto: dpa/Bernd Thissen)

Da ist das Ding! Geb ich nicht mehr her!

Manchmal hat Franck Ribéry noch etwas von einem kleinen Jungen. Dann treibt er auch außerhalb des Platzes den dollsten Schabernack, und das bekommen dann auch die Kollegen zu spüren: Vertauschtes Schuhwerk, Zahnpasta auf den Türklinken, Salz im Wasserglas. 2008 "klaut" er nach dem gewonnenen Finale den DFB-Pokal und sprintet durchs Stadion. Im Trainingslager schnappt er sich sogar den Mannschaftsbus und donnert bei dieser Spritztour gegen ein Straßenschild. Momente, an die sich sein Ex-Kollege Lukas Podolski gern erinnert. "Wir haben viel Spaß gemacht in der Kabine. Das gehört dazu." Freche Streiche, auf dem Platz und in der Kabine, eine große Portion Leidenschaft, dazu ein explosiver Antritt und im Sprint eine gemessene Maximalgeschwindigkeit von fast 40 Stundenkilometer – all das macht Franck Ribéry zu einem Weltklassespieler. "Ich gebe einfach immer nur Vollgas", sagt der Dauerläufer und grinst schief. Noch hat er keinen internationalen Titel geholt. Bei der Weltmeisterschaft wird er alles versuchen, das zu ändern.

Autorin: Olivia Fritz
Redaktion: Arnulf Boettcher

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