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Sport

Spaß-WM mit Abstrichen

Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin boten großen Sport und große Geschichten und hätten eigentlich mehr Zuschauer verdient, findet Stefan Nestler.

Themenbild Kommentar . Grafik: DW

Alles in allem hat die WM wirklich Spaß gemacht. Zum einen dank Usain Bolt. Der Superstar des Sprints garantiert sportliche Extreme und Show-Einlagen, beste Unterhaltung eben. Zwei Fabelweltrekorde über 100 und 200 Meter hat der 23-jährige Jamaikaner aufgestellt. Ob das nun großer Sport oder nur großes Kino war, weiß niemand. Zweifel bleiben, doch auch für Bolt gilt die Unschuldsvermutung. Solange ihm niemand Doping nachweist, muss der Sprinter der anderen Dimension als sauber gelten. Und wie gesagt, seine Auftritte waren glanzvoll. Genauso wie die des Doppelweltmeisters Kenenisa Bekele aus Äthiopien über 5000 und 10000 Meter.

Deutsche Leichtathleten mischen wieder mit

Dass auch die deutschen Leichtathleten in Berlin für unvergessene Momente sorgen würden, war weniger selbstverständlich. Zweimal Gold, dreimal Silber und viermal Bronze hatten wohl selbst die kühnsten Optimisten dem deutschen Team nicht zugetraut. Und es waren Geschichten dabei, wie sie Drehbuch-Autoren nicht besser hätten schreiben können: Etwa die der Speerwerferin Steffi Nerius, die als 37-Jährige im letzten großen Wettkampf ihrer Karriere Weltmeisterin wurde. Oder die Geschichte des Diskuswerfers Robert Harting, der erst mit seinem losen Mundwerk alle gegen sich aufbrachte, um dann im Wettkampf mit seinem letzten Versuch zu triumphieren. Auch Hochspringerin Ariane Friedrich, die Gold wollte und Bronze holte, bot Spannung pur in ihrem Duell mit der Weltmeisterin Blanka Vlasic aus Kroatien. Und dann gab es auch einige junge Athleten, die bewiesen, dass die deutsche Leichtathletik die tiefe Talsohle hinter sich gelassen hat. Stellvertretend sei Raul Spang genannt, 21 Jahre alt, Überraschungs-Dritter im Hochsprung.

Karten viel zu teuer

Die Stimmung im Berliner Olympiastadion war insgesamt gut. Sie hätte noch besser sein können, wenn das Stadion an einigen Tagen nicht nur halbvoll, sondern ausverkauft gewesen wäre. Den Schuh müssen sich die WM-Organisatoren anziehen, die mit viel zu hohen Eintrittspreisen die Fans verprellten. Dem Weltverband sei geraten, bei künftigen WM-Gastgebern auf erschwingliche Karten zu drängen und das Programm auf weniger Tage zu verteilen. Dann machen Leichtathletik-Weltmeisterschaften bestimmt noch mehr Spaß als die in Berlin.

Autor: Stefan Nestler

Redaktion: Jens Krepela