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Wirtschaft

Spaß haben kostet

Karneval ist eine Macht - auch wirtschaftlich. Zumindest in den Karnevalshochburgen. Denn wer feiert, will versorgt werden: mit Kostümen, Hotelzimmern, Alkohol, Taxifahrten und, und, und.

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Egal, ob für 50 oder 1500 Euro: ein Kostüm muss sein

Der Bund Deutscher Karneval schätzt die Gesamtkaufkraft der Jecken allein für eine Stadt wie Köln auf über eine Milliarde Euro im Jahr. In Schlagworten liest sich das dann so: 3000 Arbeitsplätze sichert der Frohsinn in der Stadt, man kalkuliert mit 100.000 saisonbedingten Friseurbesuchen, 300.000 Kostümen und 450.000 Taxifahrten.

Das sind beeindruckende Zahlen, die die Stadt allerdings seit Jahren nicht mehr aktualisiert hat. Josef Sommer, Leiter von Köln-Touristik, weiß dennoch um die Bedeutung des Karnevals für seine Stadt: "Wir haben drei Millionen Besucher in der Stadt allein durch den Karneval, davon gut eine Million beim Rosenmontagszug. Da wird jede Menge umgesetzt."

Was kostet der Karneval?

Die Kölner Lebensweisheit "jeder Jeck es anders" gilt nicht unbedingt für die wirtschaftlichen Aspekte des Karnevals, denn die Bedürfnisse des Narren sind durchschaubar und werden entsprechend von den Karnevalsgesellschaften in feste Zahlen umgerechnet. So weiß man bei der "Großen Kölner 1882", dass der durchschnittliche Besucher einer Karnevalssitzung rund 160 Euro ausgibt - für Karten, Getränke, Speisen und ein Souvenir.

In der Summe sind das dann knapp 25,5 Millionen Euro, die sich auf die verschiedenen Sitzungen aller Gesellschaften in der Stadt verteilen. Das Geld gilt es wieder loszuwerden: Ein Büttenredner nimmt für 15 Minuten Auftritt schnell 1.300 Euro, eine populäre Musikgruppe kostet rund 2.200 Euro. Honorarsummen, über die man in der Stadt nicht gerne spricht, die aber jeder kennt.

Doch die Gesellschaften haben auch andere Kosten. Wenn beispielsweise die Altstädter an Weiberfastnacht ihre Staßensitzung auf dem Alter Markt veranstalten, dann haben sie bis dahin nicht nur 41.000 Euro für Karnevalsorden ausgegeben, sondern auch 21.000 Euro für Wachdienste, Rettungswagen, Toiletten, Müllentsorgung und städtische Genehmigungen. Ein Jahresetat von 500.000 Euro und mehr ist bei den größeren Karnevalsgesellschaft durchaus nichts Ungewöhnliches.

Immer gefragt: Kostüme

Rund 30 Millionen Euro geben die Narren für Kostüme aus. Hier wird nicht gespart. Frank Schröder ist Geschäftsführer beim Karnevalswierts, einem der größten Fachgeschäfte für Karnevalsartikel. Von einer wirtschaftlichen Flaute spürt er nichts. "Ich denke, dass es damit zu tun hat, dass die Leute gerade dann feiern wollen, wenn es einem wirtschaftlich nicht so gut geht", nennt er den Grund, warum das Geld in seine Kasse reichlich fließt. Das Unternehmen hat sich entgegen der allgemeinen Wirtschaftslage vergrößert. "Wir haben 500 Quadratmeter dazubekommen, und wir haben inzwischen zwölf Kassen."

Auch außerhalb der Session haben die 90 bis 100 Mitarbeiter ordentlich zu tun - denn kostümiert wird sich nicht nur an Karneval: "Da ist noch Christopher Street Day, die Loveparade und hinterher kommt dann Halloween. Und dann direkt der Übergang zum Karneval. Ab Ende September fängt auch schon das Karnevalsvolk an, über neue Kostüme nachzudenken", kennt Schröder seine Kunden aus dem Effeff. Das Schönste daran ist: Sie kommen garantiert jedes Jahr wieder.

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