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Europa

S&P stuft neun Euro-Länder herab

Schwerer Schlag für die Eurozone: Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Bonität von Frankreich und acht weiteren Euroländern herabgestuft. Damit wird auch der Euro-Rettungsschirm teurer.

Gleich neun Euroländern auf einmal sind in ihrer Kreditwürdigkeit herabgestuft worden. Die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) teilte mit, dass Frankreich sowie Österreich ihre Top-Bonität am Kapitalmarkt verlieren und nur noch die zweitbeste Bewertung AA+ bekommen. Ebenfalls um eine Stufe nach unten ging die Bewertung von Malta, der Slowakei und Slowenien. Gleich zwei Stufen büßten Italien, Spanien, Portugal und Zypern ein.

Die Herabstufung gilt als schwerer Schlag für die Eurozone. Denn unter den großen Euro-Staaten hat damit nur noch Deutschland die Top-Bonität. Als besonders vertrauenswürdig gelten zudem die Niederlande, Luxemburg und Finnland. Durch die Herabstufung wird es teurer, sich Geld am Kapitalmarkt zu leihen. Das dürfte Folgen für den Euro-Rettungsfonds EFSF haben, da Frankreich mit einem Anteil von 160 Milliarden Euro am Euro-Rettungsschirm neben Deutschland Haupt-Geldgeber ist.

Kritik der EU-Kommission

Eurogruppen-Präsident Jean-Claude Juncker sagte, nun müsse alles getan werden, damit der Europäische Rettungsschirm EFSF seine Top-Bonität behalte. EU-Währungskommissar Olli Rehn kritisierte die S&P-Entscheidung als nicht nachvollziehbar, weil doch gerade die Zinsen für Italien und Spanien gesunken seien und somit die Spannungen am Kapitalmarkt nachgelassen hätten.

Dagegen befand Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, die Entscheidung der Ratingagentur S&P sei nicht völlig überraschend gekommen. Sicher gebe es Verunsicherungen gegenüber der Euro-Zone, aber nun gelte es, schrittweise das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen. Wichtiger als "Tagesentscheidungen der Märkte" sei eine mittelfristige gemeinsame Politik, sagte Schäuble. Nun müsse die Eurozone durch einen Haushaltspakt stabilisiert werden, erklärte das Bundesfinanzministerium.

Sarkozys Kampf gegen Abwertung

Die Ratingagenturen hatten Frankreich in der Vergangenheit wegen seiner Staatsverschuldung kritisiert, obwohl die Regierung zwei harte Sparpakete mit einem Volumen von mehr als 70 Milliarden Euro aufgelegt hatte. Der französische Finanzminister François Baroin kündigte nun an, trotz Herabstufung werde es kein neues Sparprogramm geben. Das Land lasse sich nicht von den Ratingagenturen seine Politik diktieren. In Paris hatte Präsident Nicolas Sarkozy zuvor seinen Regierungschef François Fillon, Finanzminister Baroin sowie Haushaltsministerin Valérie Pécresse zu einem Krisentreffen zusammengerufen.

Sarkozy hatte den Erhalt der Triple-A-Wertung bislang immer zu einer nationalen Priorität erklärt. Insofern kommt die Herabstufung für ihn gar nicht gelegen, denn er will in hundert Tagen erneut zum Präsidenten gewählt werden. Die oppositionelle Sozialistische Partei ließ denn auch schon verlauten, Sarkozy werde als "Präsident von Frankreichs Degradierung" in Erinnerung bleiben.

US-Anleihen profitieren

Die Bewertungen von US-Agenturen wie S&P sind in Europa umstritten, weil ihre Unabhängigkeit bezweifelt wird. Tatsächlich hatte schon die Nachricht von der Herabstufung Frankreichs prompt Folgen an Märkten. Die Anleger flüchteten am Freitag in US-Staatsanleihen.

Autor: Dirk Eckert (afp, dpa, rtr)

Redaktion: Reinhard Kleber / Christian Walz

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