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Deutschland

Spärliche Hilfe für Syrien-Füchtlinge

Der syrische Bürgerkrieg steht im Fokus der internationalen Politik. Doch die humanitäre Katastrophe werde unterschätzt, beklagen deutsche Hilfsorganisationen. In Deutschland wird nur wenig gespendet.

Als 2010 ein Erdbeben Haiti heimsuchte, spendeten Bundesbürger dem Aktions-Bündnis "Deutschland hilft" stolze 17 Millionen Euro aus ihren privaten Schatullen, die den Opfern in der Karibik zugute kamen. Für die Betroffenen der Atom-Katastrophe 2011 im hochentwickelten Japan sammelte die Kooperation der zehn Hilfs-Organisationen immerhin noch 11 Millionen Euro ein.

Die Spendenkampagne für die Flüchtlinge des syrischen Bürgerkrieges hat bisher dagegen erst 260.000 Euro eingebracht. "Die unübersichtliche Lage im Nahen Osten ist offensichtlich ein Hinderungsgrund für die traditionell spendenfreudigen Deutschen, sich zu engagieren", sagt Thomas Schwarz von der Hilfsorganisation CARE. Er könne zwar verstehen, dass die Spender zögerlich seien, wenn sie täglich im Fernsehen oder im Internet sehen könnten, wie gewalttätig die Konfliktparteien in Syrien aufeinander einschlügen. Doch wenn nicht mehr Geld fließe, drohe in der Region "ein humanitärer Kollaps".

Deutschland soll mehr tun

Kritisch sieht Schwarz auch die staatliche deutsche Hilfe. Die bisher von der Regierung zur Verfügung gestellten 11,5 Millionen Euro seien zu wenig. "Wir sollten nicht durch Politikerpräsenz den Eindruck erwecken, wir täten genug", sagte der Kommunikationsdirektor von CARE Deutschland-Luxemburg.

Zuletzt hatte Entwicklungsminister Dirk Niebel vor einer Woche beim Besuch eines Flüchtlingslagers in Jordanien weitere zehn Millionen Euro Hilfe zugesagt, die vor allem die Trinkwasserversorgung im Norden des Landes verbessern sollen. Jordanien ist eines der wasserärmsten Länder der Welt, seine Infrastruktur ist bisher bereits durch den Zustrom von 150.000 Syrern belastet. "Das Geld aus Deutschland reicht hinten und vorn nicht", klagt Thomas Schwarz, der soeben von einer Reise in syrische Flüchtlingslager zurückgekehrt ist. Nach seinen Beobachtungen an der Grenze zu Jordanien, im libanesischen Bekaa-Tal und in der Hafenstadt Sidon räumte er zwar ein, dass die humanitäre Lage der insgesamt etwa 170.000 aus Syrien geflohenen Menschen nicht mit dem Elend der Flüchtlinge in den Hungergebieten im Tschad oder im Sudan zu vergleichen sei.

Jordanien bald überfordert

"Manche der Flüchtlinge haben Verwandte in Jordanien oder sie haben einmal im Libanon gearbeitet und erhalten Hilfe von ihrem einstigen Chef oder den Kollegen" berichtete Schwarz. Auch sei Jordanien kein armes Land, die Behörden vor Ort unterstützten die Ankömmlinge "ganz gut", aber das Land werde an seine Kapazitätsgrenzen kommen. Er habe Flüchtlinge angetroffen, die im Dachboden eines Schlachtbetriebes unter miserablen hygienischen Bedingungen und unerträglicher Hitze kampierten.

Da die Flüchtlingszahlen in den vergangenen Tagen immer schneller zugenommen haben, warnen die deutschen Hilfsorganisationen vor einer langfristigen humanitären Notsituation und zunehmenden Spannungen unter den Flüchtlingen selbst, zumal sie von beiden Seiten des Bürgerkrieges kommen. Die Bundesregierung solle sich überlegen, "ob das, was sie in der Flüchtlingskrise im Nahen Osten tut, wirklich im Verhältnis zu dem steht, was sie in der Eurokrise für Griechenland und Spanien tut", fordert Schwarz: "Hilfe jetzt ist Krisen- und Konfliktprävention." Ähnlich wie Bundesentwicklungsminister Niebel sieht der CARE-Sprecher derzeit noch keine Notwendigkeit, syrische Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen. Allerdings könne der Tag kommen.