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Sprachbar

Sozusagen

Etwas durch Floskeln und Füllwörtern auszudrücken, ist nicht nur zeitgewinnend, sondern verschleiert auch die tatsächliche Aussage. Diese Taktik wird aber regelmäßig eingesetzt – das beste Beispiel ist die Politik.

Etwas so oder so oder auch ganz anders zu sagen, ist sozusagen jedem selbst überlassen, vorausgesetzt, man hat überhaupt etwas zu sagen. Oft wird das, worauf es ankommt, von Floskeln eingeleitet, überdeckt oder vermeintlich aufgewertet. Unvergessen jene Äußerung zur Einleitung eines Konferenzbeitrags: „Erstmal ins Unreine gesprochen, würde ich folgendes meinen wollen:“ Grammatikalisch gesehen ist diese Wortfolge zweifelsfrei ein korrekter Satz. Allerdings sollte man seinen Urheber nicht allzu ernst nehmen. Denn wer sich nicht traut, „ich meine“ oder „ich denke“ zu sagen, der hat oft gar nichts zu sagen und tut nur so.

Floskeln der Erklärung

Die deutsche Sprache – und nicht nur sie – hält ein ganzes Arsenal von Füllwörtern, Worthülsen und Floskeln parat, mit denen sich trefflich von dem ablenken lässt, worum es eigentlich geht. In der gesprochenen Sprache versteht sich. Beliebt sind zum Beispiel aberwitzige Konstruktionen aus Fremdwörtern, die Eindruck machen sollen und die sich niemand zu hinterfragen traut. Wer wüsste heutzutage nicht, dass wir ohne „kreative Kommunikationsstrukturen“ keinen Schritt weiterkommen.

Wir empfehlen allen Sprachbar-Freunden, den Finger zu heben und nachzufragen, wenn solche Sprüche geklopft werden. Es stellt sich zumeist das ein, was man Erklärungsnotstand nennt. Und: Es sind dann Floskeln zu hören wie: „Ich würde mal sagen“, oder „Ich für meinen Teil bin der Meinung“, oder „Man hat dabei von ganz unterschiedlichen Voraussetzungen auszugehen, bevor man überhaupt…“ Und so weiter.

Die Meinung in der Politik

Besonders Politiker scheinen den Drang zu spüren, stets zu betonen, dass sie eine Meinung haben. Denn wie oft hören wir: „Ich persönlich bin der Meinung…“ Ja, nach wessen Meinung sonst wird denn gefragt! Übertroffen wird diese Floskel noch von „Meiner ganz persönlichen Meinung nach…“. Schön ist auch: „Ich meine eigentlich schon, dass in gewisser Weise…“ und: „Wenn Sie mich fragen, ich würde schon sagen, dass…“.

Es ist offenkundig: Zeit soll gewonnen werden. Zeit für eine Antwort, die im Unverbindlichen bleibt; im Sprachdunst des Beliebigen. Ein hochrangiger Politiker pflegt seine Antworten fast immer mit der folgenden Floskel einzuleiten: „Also ich muss Ihnen dazu ganz ehrlich sagen…“. Wie ehrenhaft! Welch ein Beispiel von Selbstüberwindung in aller Öffentlichkeit!

In gewisser Weise praktisch

Sozusagen und gewissermaßen im Dreierpack tauchen nicht selten die Ausdrücke „im Grunde“, „in der Tat“ und „in gewisser Weise“ auf, die man sozusagen und gewissermaßen genauso gut weglassen könnte. Ein Beispiel: „Im Grunde genommen ist es in der Tat so, dass wir angesichts der Tatsachen gezwungen sind, in gewisser Weise diesen Herausforderungen Rechnung zu tragen.“ Ja. Dem ist wohl so...

Es hätte auch heißen können: „Unter solchen Umständen sollten wir uns natürlich ernsthaft Gedanken machen, wie wir dieses Problem gemeinsam angehen. Das ist ja gar keine Frage!“ Es kann also auch ohne geballten Wortschwulst und nichts sagendes Phrasendreschen gehen.

Praktischer Zusatz

Der Vollständigkeit halber seien aber noch die kleinen, harmlosen Sprachfüllsel erwähnt. Da hätten wir neben den „ähs“, „hms“ und „öhs“ das unzählige Sätze einleitende „also“, das „wie gesagt“, an das man sich so gut klammern kann und das unentbehrlich scheinende „praktisch.“ Mit dem hören wir auf. Es ist nämlich praktisch so, dass wir natürlich nicht alle Füllwörter und Floskeln in gewissermaßen angemessener Weise berücksichtigen können.

Fragen zum Text

Die Aussage „Ich würde mal sagen“ bezeichnet man als…

1. ein Kompliment.

2. eine Beschwerde.

3. eine Floskel.

Meistens wollen Politiker mit Floskeln…

1. eine Waschmaschine gewinnen.

2. Zeit gewinnen.

3. im Lotto gewinnen.

Was ist kein Sprachfüllsel?

1. äh

2. hm

3. au

Arbeitsauftrag

Schreiben Sie 10 Floskeln auf, die häufig in der deutschen Sprache verwendet werden.

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