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Bücher

Soziologe Zygmunt Bauman gestorben

Der Sozialwissenschaftler galt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Denker Europas und Stimme der Armen in einer globalisierten Welt. Zygmunt Bauman starb im Alter von 91 Jahren in seiner britischen Wahlheimat.

 Der 1925 in Posen, dem heutigen Pozan, geborene Soziologe Zygmunt Bauman sah sich als moralische Stimme der Abgehängten, die in der Postmoderne keinen Platz mehr finden. Am Montag (09.01.) starb der scharfsichtige Denker in seinem Haus in Leeds. 

Bauman sprach von der Gegenwart als einer "flüchtigen Moderne". So heißt auch sein Hauptwerk "Liquid Modernity", das 2003 auf Deutsch erschien. Darin analysierte er den Kapitalismus und die Globalisierung der Märkte als eine Welt der Übergangs von einer "festen" in eine "flüssige Moderne" und beschrieb die Schattenseiten der postmodernen Gesellschaft. Unsicherheit und Ungewissheit sind für Bauman die prägenden Momente, wenn langfristige Lebensperspektiven abhanden kommen. "Fortschritt" war für Bauman nur etwas für Menschen, die es sich leisten konnten. 

Holocaust als Konsequenz einer fortschrittsgläubigen Moderne

Ob Bauman über die ökonomischen Auswüchse schrieb oder über den Holocaust: Sein Fokus war es zu erforschen, wie Menschen auch in extremen Situationen ein würdevolles Leben führen können. Der Soziologe verfasste mehr als 50 Bücher. Ein herausragendes Werk war "Dialektik der Ordnung. Die Moderne und der Holocaust", das bei seinem Erscheinen 1989 für großes Aufsehen sorgte. Darin beschreibt er die Massenmorde des Holocaust als Ausdruck der Moderne. Der Holocaust, so die These Baumans, sei das Produkt einer Moderne, die alles Uneindeutige und Andersartige ausschließen musste. Eine Logik, die dem Fortschrittsdenken zugrunde liege und nicht, wie oft beschrieben, einen Rückfall in die Barbarei darstelle.

Zahlreiche Auszeichnungen für den hellsichtigen Intellektuellen

Zygmunt Bauman lehrte an der Universität Warschau und an der Universität Tel Aviv, bis er 1971 einen Lehrstuhl in England erhielt. Dort unterrichtete er bis zu seiner Emeritierung 1991 an der Universität in Leeds. 1998 wurde der Soziologe mit dem Theodor W. Adorno-Preis der Stadt Frankfurt und 2010 mit dem Prinz-von-Asturien Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie ehrte Zygmunt Bauman im Oktober 2014 für sein hervorragendes wissenschaftliches Lebenswerk.

so/suc (AP)