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Wirtschaft

Sozialunternehmer treffen sich in Südafrika

Sozialunternehmer gründen und leiten innovative Unternehmen, die ärmeren Menschen zugute kommen. Mitglieder der Schwab Foundation for Social Entrepreneurship aus aller Welt treffen sich derzeit in Durban.

Südafrika Solutions Summit in Durban (World Economic Forum/Benedikt von Loebell)

Die Preisträger des Entrepreneurship Award auf dem Solution Summit in Durban

Sie tanzen, sie singen und haben einfach Spaß. Die Studenten der Umlazi High School aus Durban, Südafrika. Die Zuhörer hält nichts mehr auf den Sitzen. Sie feuern an, singen und klatschen mit.

Mittendrin Precious Moloi-Motsepe, eine der reichsten Frauen Südafrikas, die gemeinsam mit ihrem Mann die Motsepe Foundation gegründet hat und Sozialunternehmer fördert. Die Hälfte ihres Millionenvermögens haben die Motsepes als Stiftungsvermögen eingebracht. "Es ist wichtig, Unternehmertum in Afrika zu verankern", sagt Moloi-Motsepe.

Weniger Profit, mehr Wandel

Eine Idee, die auch die Schwab Foundation aus Genf verfolgt, deshalb arbeiten beide Stiftungen in Afrika zusammen. In Durban haben sie Sozialunternehmer zum "Solutions Summit" eingeladen, der vom 1. bis 3. Mai 2017 stattfindet. Es geht um soziale Innovationen und Unternehmensmodelle, die nicht rein profitorientiert sind, sondern auch gesellschaftlich wirken. Drei Tage lang wurden Projekte vorgestellt, Lösungen diskutiert und zugehört. "Wenn wir Bedingungen schaffen, unter denen alle prosperieren können, dann kann das 21. Jahrhundert wirklich das afrikanische Jahrhundert werden", sagt eine Teilnehmerin. Neun afrikanische Sozialunternehmer werden an diesem Abend für Ihre Arbeit ausgezeichnet. Sie sind die "Social Entrepreneurs of the year for 2017."

Südafrika Solutions Summit in Durban (World Economic Forum/Christoph von Toggenburg)

Teilnehmer des Solution Summit beim Erfahrungsaustausch

Ein globales Netzwerk für Sozialunternehmer

Über 300 Sozialunternehmer hat die Schwab Foundation, in deren Präsidium Hilde Schwab ebenso sitzt wie Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, in den letzten 10 Jahren weltweit benannt und ein globales Netzwerk aufgebaut. Ähnlich wie das viel größere Weltwirtschaftsforum aus Genf, das von Schwabs Ehemann Klaus Schwab gegründet wurde, geht es hier um Beratung und Ideenaustausch. Der Fokus liegt aber viel stärker auf dem gesellschaftlichen Wandel.

"Mein Traum ist, dass unsere Organisation überhaupt nicht mehr existieren muss, weil jeder ein Social Entrepreneur ist. Weil jeder begriffen hat, dass er für das Gute arbeiten muss und nicht nur für den Profit", sagt Hilde Schwab im Interview mit der DW.

Zugang für alle

Es sind Menschen wie Sonkita Conteh aus Sierra Leone. Als Teenager erlebte er die Gräuel des Bürgerkrieges in seinem Heimatland. Leise erzählt er davon: "Ich sah, wie Menschen vor meinen Augen getötet wurden, Menschen wurden verstümmelt, Häuser niedergebrannt, Besitz zerstört und es hat bei denjenigen von uns, die dort waren, einen bleibenden Eindruck hinterlassen und bei mir ganz besonders. Ich möchte derartige Schrecken nicht noch einmal erleben müssen. Deshalb denke ich, das Recht könnte ein Instrument dafür sein, um zu verhindern, dass Menschen zur Gewalt greifen, um ihre Probleme zu lösen."

Südafrika Solutions Summit in Durban (World Economic Forum/Benedikt von Loebell )

Sonkita Conteh aus Sierra Leone nimmt den Preis aus den Händen von Hilde Schwab entgegen

Sonkita Conteh wurde Anwalt und Mitbegründer von Namati, einer Organisation, die Menschen juristisch berät. Stolz erzählt er wie er einem Dorf im Kampf gegen einen Minenbetreiber half, der die Gewässer in der näheren Umgebung des Dorfes durch Fahrlässigkeit verseucht hatte. "Meine Vision für Sierra Leone ist, dass die Menschen Gerechtigkeit erfahren und dass es Mechanismen gibt, die Rechtsbeistand bieten, unabhängig vom sozialen Status der Person."

Gisele Yitamben aus Kamerun hat eine andere Mission. Sie will, dass Frauen Unternehmen gründen können und Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten haben und organisiert unter anderem Mikrokredite und Weiterbildungsmöglichkeiten. 20.000 Frauen hat sie mit ihrer Organisation ASAFE (Association to support Entrepreneurship among women) bereits geholfen. Staatliche Einrichtungen hätten das nicht erreicht, sagt sie selbstbewusst.

"Sozialunternehmertum ist sehr wichtig für Afrika, weil es so viele Dinge gibt, die gemacht werden müssten, die aber nicht gemacht werden. Es ist eine Chance genau aufzuzeigen was getan werden sollte."

Eine andere Art von Unternehmen

In Durban diskutierten die Sozialunternehmer auch, wie sie ihre Geschäftsmodelle nachhaltig machen können. Dazu gehört, dass die Finanzierung stimmt. Das Unternehmen muss sich wirtschaftlich tragen. Denn es geht nicht darum, Spenden zu verteilen. Ernest Darkoh, Sozialunternehmer aus Südafrika, bringt es auf den Punkt: "Man muss Unternehmertum ganz neu denken. Es geht nicht nur um Profit. Es geht um Profit, von dem Menschen profitieren. Es geht um Geschäftsmodelle, die echten Mehrwert für Menschen bieten. Dadurch, dass sie diese Dienstleistungen nachfragen, kann man diese Dienstleistungen erhalten und verbessern und mehr davon anbieten."

 

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