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Deutschland

Sozialistische Pilgerfahrt nach Berlin

Immer wieder am zweiten Sonntag im Januar: Zehntausende pilgern zum Friedhof im Berliner Ortsteil Friedrichsfelde. Hier ist unter anderem Walter Ulbricht beerdigt. Aber nicht seinetwegen kommen die Menschen.

Rote Nelkenauf Grabstein von Rosa Luxemburg (Foto: picture-alliance / dpa)

Rote Nelken zum Gedenken an Rosa Luxemburg

Rosa Luxemburg (Foto: dpa)

Rosa Luxemburg (1871-1919)

Sie kommen wegen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Die beiden ehemaligen Sozialdemokraten und Mitbegründer der Kommunistischen Partei Deutschlands wurden vor 90 Jahren, am 15. Januar 1919, bestialisch ermordet. Täter waren rechtsgerichtete Freikorpssoldaten, angeheuert von der SPD-geführten Reichsregierung, die den Militärs freie Hand ließ. Die Beerdigung Luxemburgs und Liebknechts mündete in eine Massendemonstration, zu der Sozialisten und Kommunisten aufgerufen hatten.

"Die Toten mahnen uns“, steht auf der etwa vier Meter hohen, rötlich schimmernden Stele aus Naturstein. Sie ist der zentrale Punkt in der Gedenkstätte der Sozialisten. Ein Meer von Kränzen und roten Nelken bedeckt die in einem Rondell angelegten Gedenkplatten. Darunter die für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Jahr für Jahr verneigt sich Lothar Bisky vor den ermordeten Revolutionären. Gemeinsam mit anderen bekannten Politikern der Linkspartei, deren Vorsitzender Bisky ist. Die Kapitalismus-Analysen der KPD-Mitbegründer Luxemburg und Liebknecht seien, obwohl sie vor 90 Jahren gemacht wurden, zum Teil "bestürzend aktuell“, meint Bisky angesichts der Finanzmarkt-Krise und ihrer Folgen.

Pflichtübung …

Karl Liebknecht (Foto: dpa)

Karl Liebknecht (1871-1919)

Zu DDR-Zeiten war das Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht eine von oben verordnete Pflichtübung. Eine Großveranstaltung, die nach dem Fall der Mauer 1989 freiwillig stattfindet. Dem Aufruf verschiedenster linker Gruppen und Parteien folgen weiterhin Zehntausende. Aus unterschiedlichsten Motiven.

Lothar Bisky kann sich besonders gut an das Jahr 1988 erinnern. Beim traditionellen Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht protestierten DDR-Bürgerrechtler. Ihr Motto: "Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden“. Ein berühmter Satz von Rosa Luxemburg. Mit den Oppositionellen am Rande des Luxemburg-Liebknecht-Gedenkens verfuhr die Staatsmacht damals unerbittlich. Viele wurden verhaftet und teils in den Westen abgeschoben.

… und Traditionsveranstaltung

Lothar Bisky (Foto: AP)

Lothar Bisky, Vorsitzender der Links-Partei (Archivbild)

Gut zwei Jahrzehnte nach diesem Ereignis versammeln sich noch immer die Massen in der Gedenkstätte der Sozialisten. Heute sind Männer wie der ehemalige SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine dabei, inzwischen Chef der Linken im Deutschen Bundestag. Mit Lothar Bisky teilt er sich den Parteivorsitz. Der ist zugleich Vorsitzender der Europäischen Linken, von denen Vertreter aus anderen europäischen Ländern am Gedenken für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht teilnehmen:

Rosa Luxemburg schrieb vor 90 Jahren nach der Niederschlagung der Revolution und kurz bevor sie ermordet wurde, die Ordnung ihrer Gegner sei "auf Sand gebaut“. Die Revolution werde sich morgen schon rasselnd wieder in die Höhe richten. Ein Irrtum. Ihre Ideen halten allerdings auch im 21. Jahrhundert noch viele für richtig. Dies zeigt nicht zuletzt die jährliche Gedenkveranstaltung in Berlin-Friedrichsfelde.

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