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Deutschland

Soziales Engagement von Milliardären

Egal, ob Hochwasser, Brandkatastrophen oder Erdbeben, deutsche Hilfsorganisationen sind vor Ort und versuchen die Not zu lindern. Dabei könnten gespendente Milliarden der Superreichen helfen, aber diese sind skeptisch.

Ein Geldsack mit vielen Euro Geldscheinen (Foto:Bilderbox)

Sozialstaat mit dem Geld der Reichen?

Die Hamburger Unternehmerfamilie Otto ist zurückhaltend, wenn es darum geht, mit großzügigen Spenden nicht nur Gutes zu tun, sondern auch noch darüber zu reden. Deshalb lehnte sie – wie auch andere deutsche Superreiche – das Ansinnen von Bill Gates ab, die Hälfte ihres Vermögens, das auf knapp 14 Milliarden Euro geschätzt wird, für gute Zwecke zu verschenken.

Große Gewinne vorher abschöpfen

Hein Brötz, der Leiter der Lateinamerika-Abteilung des katholischen Hilfswerkes Misereor, sieht sein "Gerechtigkeitsempfinden" durch ein derart hohes Vermögen gestört: "So große Gewinne müssten schon früher von Staat und Gesellschaft abgeschöpft werden." Neben dieser grundsätzlichen Kritik argwöhnt er gegenüber dem katholischen Sender domradio.de aus Köln, dass die "Sponsoren darüber entscheiden, was opportun ist und was nicht." Für den Misereor-Mann steht damit die Unabhängigkeit seiner Organisation auf dem Spiel.

Der Investor Warren Buffett (r) bei einer Pressekonferenz in New York neben Bill und Melinda Gates (Foto:dpa)

Wollen mit ihrem Vermögen soziale Projekte unterstützten: Bill und Melinda Gates, Warren Buffett

Kritik kommt auch aus den Reihen der Reichen. Der Hamburger Multimillionär und Reeder Peter Krämer kritisiert die amerikanische Spendenaktion, weil in den USA die Spenden zum großen Teil absetzbar seien und die Spender also nur entscheiden, ob sie spenden oder Steuern zahlen. Schwerer aber wiegt für Peter Krämer die Gefahr, dass die Reichen und nicht der Staat entscheiden, was unterstützt wird. Das seien schlechte Transfers "von der Staatsgewalt zum Milliardärsgusto".

Staatsangelegenheit

Freiwillige Helfer des Deutschen Roten Kreuzes bringen auf Paletten mit Baby-Fertignahrung Aufkleber mit dem Logo der libanesischen Rotkreuz-Rothalbmond Gesellschaft an (Foto:AP)

Freiwillige Helfer des Deutschen Roten Kreuzes ettiketieren Babynahrung für den Libanon

Soziale Standards muss der Staat unabhängig von den Spenden der Superreichen garantieren, sagt Svenja Koch, Pressesprecherin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). "Der Sozialstaat muss langfristig gesichert werden und das geht nicht mit einer einmaligen Spende." Der Kampf gegen Kinderarmut oder der faire Zugang zu Bildung sind gesellschaftliche Aufgaben, um die sich alle und nicht nur die Reichen kümmern sollten. Das Deutsche Rote Kreuz hat in den vergangenen Jahren mit Großspendern gute Erfahrungen gemacht. Die "Bill und Melinda Gates"-Stiftung hat mit acht Millionen Euro die "Europäische Allianz gegen Malaria" unterstützt. In die Arbeit dieses Zusammenschlusses von "Nicht-Regierungsorganisationen" haben die beiden nicht hineingeredet. Das Geld kam ohne Bedingungen.

Gelder nicht an Bedingungen knüpfen

Spenden dürfen nicht an Bedingungen geknüpft werden – dieses Credo ist von allen Hilfsorganisationen zu hören. Hilfe muss nach Bedürftigkeit und nicht nach den Vorstellungen von Spendern ausgerichtet sein, sagt Svenja Koch vom DRK. Darin wird sie auch von Thomas Kurmann, dem Leiter der Spendenabteilung von "Ärzte ohne Grenzen" unterstützt. Natürlich sei es eine "tolle Sache, wenn der Spendenkuchen größer wird, sofern die Spenden nicht an Bedingungen geknüpft sind."

Das Logo von 'Ärzte ohne Grenzen' (Foto:dpa)

"Ärzte ohne Grenzen" arbeiten weltweit und sind auf kleine wie große Spenden angewiesen

Bei den meisten Hilfsorganisationen sind Kleinspenden die Basis der Finanzierung. Damit ist nicht nur eine weitgehende Unabhängigkeit gewährleistet, sondern auch ein relativ stabiles Spendenaufkommen. Bei kleinen wie großen Spenden kann man bei "Ärzte ohne Grenzen" einen Verwendungswunsch für die Spende angeben. Der aber ist nur insofern bindend, dass eine Spende beispielsweise für Pakistan auch tatsächlich dort ausgegeben wird. Für was im Einzelnen entscheidet das Team von "Ärzte ohne Grenzen".

Eine Milliarde – und dann?

Auf die Frage, was sie mit einer gespendeten Milliarde tun würden, verwieist Hein Brötz von Misereor auf die freie Verfügungsgewalt über das Geld und macht den potenziellen Spender darauf aufmerksam, dass "Entwicklungspolitik viel mit Konflikten zu tun hat. Man muss die Verhältnisse hinterfragen dürfen, diese Freiheit muss gegeben sein. Wenn er sich darauf einlassen könnte, dann gerne."

Ludger Pötter vom Missio-Spendeservice legt ebenfalls großen Wert darauf, über die Verwendung des Geldes selbst entscheiden zu können: "Wir haben große Verantwortung gegenüber Partnern."

Rainer Lang, Sprecher von "Brot für die Welt" sieht genügend Projekte, in die das Geld fließen könnte: "Aidsforschnung oder Projekte gegen den Klimawandel."

Svenja Koch vom Deutschen Roten Kreuz würde das Geld in die Trinkwasserversorgung investieren: "Man rechnet 500 Euro pro Kopf für den Zugang zu sauberem Wasser, also reicht eine Milliarde für rund zwei Millionen Menschen." Bei etwa drei Milliarden Menschen, die auf einen solchen Zugang warten, relativiert sich selbst eine Spende von einer Milliarde Euro.

Thomas Kurmann, der für "Ärzte ohne Grenzen" Spenden sammelt, würde eine Milliarde Euro nicht sofort ausgeben können, da es an Projekten und Personal mangelt: "Aber gut angelegt, reicht eine solche Summe sicher für die nächsten fünf Jahre."

Autor: Matthias von Hellfeld (mit epd)

Redaktion: Pia Gram

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