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Wirtschaft

Soziale Unternehmer: Die Welt retten

Probleme lösen, die die Welt ein wenig besser machen, das geht auch mit unternehmerischen Mitteln. Die sich darum kümmern, nennt man Social Entrepreneure. Manuela Kasper-Claridge hat einige in Davos getroffen.

Die Erkenntnis, dass Müll wertvoll ist, kam ihm während des Studiums. Tom Szaky studierte in New Jersey und ärgerte sich über die Verschwendung beim Abfall. Warum konnte man ihn nicht besser verwerten, fragte er sich. Elf Jahre später hat sein Unternehmen Terracycle 120 Mitarbeiter, arbeitet in vielen Ländern zusammen mit Partnern und zeigt, dass Müll nicht gleich Müll ist.

"Wissen Sie eigentlich, dass 95 Prozent des Mülls, der in Deutschland extra in den gelben Tonnen gesammelt wird, verbrannt wird? Das ist billiger als recyceln?" erzählt er und freut sich über den staunenden Blick der Journalistin.

Erfolgreicher Unternehmer

Das ließ ihm keine Ruhe: Heute sammelt Terracycle unter anderem in den Läden der deutschen Drogeriemarktkette DM Aerosolbehälter. Nach der Verwertung werden daraus Fahrräder. Finanziert wird das Recyceln durch Unternehmen, die ihre Umweltbilanz aufbessern wollen. Terracycle hat weltweit bereits 150 große Unternehmen als Partner.

Skazy ist ein Sozialunternehmer wie aus dem Lehrbuch. Er handelt unternehmerisch und verursacht dadurch gesellschaftlichen Wandel. In diesem Fall den Schutz von Ressourcen.

Die Welt verbessern

In diesen Tagen trifft der US-Amerikaner auf dem Weltwirtschaftsforum einige Dutzend weitere Sozialunternehmer, die sich unter die Mächtigen und Reichen mischen und auch unbequeme Fragen stellen. Eingeladen wurden sie von der Schwab Foundation, die einst von Hilde und Klaus Schwab gegründet wurde. Die "Schwab Stiftung für soziales Unternehmertum" hat seit 2000 aktiv ein Netzwerk aufgebaut, dass von den Kontakten des Weltwirtschaftsforums profitiert.

Schweiz Iran World Economic Forum 2014 Shirin Neshat und Hilde Schwab

Hilde Schwab (li.) gibt Sozialunternehmern eine Plattform in Davos

Eine Frau mit Mission

Hilde Schwab kümmert sich persönlich um die Belange der Sozialunternehmer. In Davos ist sie bei vielen Gesprächen und Treffen dabei. "Sozialunternehmer sind oft die, die keine Angst davor haben, die Probleme anzugehen, die andere zurückweisen oder nicht bemerken", sagt Hilde Schwab im DW-Interview. "Sie haben die Überzeugung, dass sie mit ihrem Handeln Situationen verändern oder verbessern können. Auch indem sie an die Wurzel eines Problems gehen und ganz neu denken." Sie seien, sagt Hilde Schwab weiter Vorbilder "und wir können unglaublich viel von ihnen lernen als Gesellschaft, als Wirtschaft und als Menschen."

Vorbilder mit enormer Wirkung

Immer wieder beeindrucke es sie, wie diese Unternehmer sich für eine Verbesserung gesellschaftlicher Verhältnisse einsetzen. Da sind Shannon May und Jay Kimmelman von Bridge International Academies aus Kenia. Sie setzen moderne Technologie ein, um schulische Inhalte auch zu den ärmsten Menschen zu bringen. 80.000 Schüler wurden bereits unterrichtet. Diese Ausbildung verändert ihr Leben.

Ein anderer ist Asher Hasan von Naya Jeevan aus Pakistan. Zusammen mit großen Versicherern hat er in seiner Heimat ein System aufgebaut, das Menschen mit niedrigen Einkommen eine Krankenversicherung ermöglicht. Der groß gewachsene Pakistaner nimmt ebenfalls am diesjährigen Weltwirtschaftsforum teil. Hasan will vor allem auf die Probleme in den Entwicklungsländern aufmerksam machen. Außerdem will er weitere Partner für sein Sozialunternehmen finden. Dafür ist Davos durchaus der richtige Platz, denn immer mehr Unternehmen engagieren sich gesellschaftlich. Das verlangen die Kunden, aber auch die Aktionäre.

Beziehungen nutzen

"Hier in Davos können wir Sozialunternehmer mit den mächtigsten und einflussreichsten Unternehmen zusammenbringen, auch mit Regierungen. Sie können voneinander lernen, Beziehungen aufbauen und gemeinsam Lösungen finden", betont Hilde Schwab. Der Vorstellung, dass die Sozialunternehmer vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern erfolgreich sein können, erteilt sie aber eine klare Absage.

"Es ist doch faszinierend, wenn man sieht, dass innovative Modelle, die in Entwicklungsländern erstmals probiert wurden, heute in die entwickelten Volkswirtschaften importiert werden. Jede Gesellschaft, egal wie gut sie entwickelt ist, kann von dieser Generation der Sozialunternehmer lernen."