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Deutschlehrer-Info

Soziale Schere reloaded

Computer und Internet werden für die Zukunft des Lernens immer wichtiger. Doch E-Learning-Experten warnen vor "digitaler Exklusion" – dem Risiko, dass Menschen von den Entwicklungen neuer Medien ausgeschlossen werden.

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Moderne Ressourcen – nicht für jeden Geldbeutel

Vorbei sind die Zeiten, in denen digitale Medien nur etwas für Informatiker und Webdesigner waren. Auch Wissensvermittlung und Wissensaustausch werden in Zukunft und immer öfter per Computer und Internet stattfinden. Darin sind sich die meisten Experten einig.

Doch einen Computer zu haben ist das eine, das Know-how, ihn auch wirklich zu nutzen, etwas ganz anderes: "Es gibt ein Problem der digitalen Ausschließung. Und es gibt ein Problem des digitalen Analphabetentums, das immer wichtiger wird", so der britische E-Learning-Experte Graham Attwell. Für diese Problematik gelte es Lösungen zu finden, mahnt der Bildungsfachmann, der derzeit Gastdozent an der Universität Bremen ist.

Öffnung statt Abschottung

Eine Möglichkeit dafür sieht er in kostengünstigeren mobilen Geräten. Die Bereitstellung schneller, kostenloser WLAN-Netze durch Bildungseinrichtungen und Stadtverwaltungen seien eine weitere Möglichkeit, lebenslanges Lernen zu fördern. Attwells Devise: Zugänge öffnen statt abschotten. Ängste vor den neuen Technologien hält er für unbegründet: Computer und Internet seien lediglich eine Ergänzung klassischer Lernformen, nicht aber ein Ersatz.

Ähnlich beurteilt das die britische E-Learning-Professorin Gilly Salmon. Die Spezialistin für "Learning Technologies" sieht die Zukunft sogar überwiegend im digitalen Bereich, weil die Jugend von heute ganz selbstverständlich mit Computern aufwächst. An ihrer Hochschule, der Universität von Leicester, werden schon seit langem und mit Erfolg berufsbegleitende Fernstudiengänge angeboten.

Teamwork in virtuellen Welten

Salmon sieht hier Möglichkeiten, die das klassische Studium nicht bietet. Vor allem in den berufsbegleitenden Studiengängen arbeiten die Studierenden ihrer Universität international in virtuellen Lernumgebungen zusammen – egal ob sie dabei im Nahen Osten, den USA oder in der Karibik sitzen: "Unsere Archäologie-Studenten beispielsweise treffen sich in Second Life, wo wir frühere Gesellschaften für sie rekonstruieren", so die Professorin.

Hi-Tech für alle, immer und überall?

Benachteiligt beim Lernen mit Computer und Internet sind jedoch diejenigen, denen die technischen Voraussetzungen wie Hardware, Software, Stromversorgung fehlen: Das trifft vor allem auf ärmere Länder zu. Für Kritiker öffnet sich hier eine gefährliche soziale Schere zwischen denen, die sich diese Technik leisten können und denen, auf die das nicht zutrifft.

Diese Sorge teilt Gilly Salmon hingegen nicht: "Es gibt noch eine Menge andere Ressourcen außer Hi-Speed-Computer und Hi-Speed-Breitband." Es seien viele Varianten denkbar, für die man noch nicht mal eine kontinuierliche Stromversorgung brauche. Sie denkt dabei vor allem an Lernen mit mobilen Geräten, die den Studierenden gehören, etwa Mobiltelefone.

Gelassen in die virtuelle Zukunft

Jahrelange Erfahrung mit Lern-Netzwerken via Computer und Internet hat auch Michael Tighe, Dozent an der Fachhochschule Köln. Der Brite erlebt dort immer wieder mit Begeisterung, wie gelassen die Studierenden technischen Problemen begegnen – sei es, dass ein Laptop streikt oder dass in China eine Internetplattform gesperrt wird. Die Studierenden aus der "facebook-Generation" fänden sehr schnell Lösungen dafür, berichtet er.

Das E-Learning hat zwar noch nicht alle Ecken der Welt erreicht. Doch im digitalen Zeitalter ändern sich die Formen des Lernens unaufhörlich. Was gestern war, wird übermorgen nicht mehr gelten. Immer neue Chancen des Lernens und Lehrens bieten sich. Bildung wird durch E-Learning demokratischer und flexibler – wenn die Chancen genutzt werden.




Autorin: Daniela Siebert

Redaktion: Beatrice Warken/Raphaela Häuser

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