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Aktuell Deutschland

Sozialdemokraten feiern 150. Geburtstag

150 Jahre deutsche Sozialdemokratie: Mit einem großen Festakt in Leipzig zelebrierte die SPD das Jubiläum. 1600 Gäste aus 80 Ländern reisten an. Frankreichs Präsident Hollande betonte den Schulterschluss mit Deutschland.

SPD-Chef Gabriel (l), Frankreichs Staatspräsident Hollande (M.) und Bundespräsident Gauck treffen zum Festakt ein (Foto: dpa)

3.05.2013

In seinem Grußwort zu Beginn des Festakts im Leipziger Gewandhaus hat Bundespräsident Joachim Gauck die SPD als treibende Kraft bei der Durchsetzung von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität gewürdigt. Der SPD "verdanken wir die ersten Arbeitsschutzgesetze und das Frauenwahlrecht", sagte Gauck.

"Auch die erste deutsche Demokratie, die Republik von Weimar, wäre wohl nicht zustande gekommen, wenn nicht Sozialdemokraten den Mut gehabt hätten, sich für die politische Zusammenarbeit mit den gemäßigten Kräften der bürgerlichen Mitte einzusetzen." Vor allem hätten die Sozialdemokraten diese Demokratie länger und tapferer verteidigt als die meisten anderen Demokraten, verwies Gauck auf den Widerstand gegen den Aufstieg der Nationalsozialisten.

Gauck und Hollande würdigen Reformpolitik

Indirekt lobte Gauck zudem die rot-grüne Reformpolitik der Agenda 2010: Gerade solche Entscheidungen, die kurzfristigen Parteiinteressen widersprechen, "waren oftmals verantwortungsbewusste Entscheidungen für das ganze Land".

Frankreichs Präsident Francois Hollande ging als Gastredner vor dem Plenum in Leipzig ebenfalls auf die Agenda 2010 des damaligen SPD-Kanzlers Gerhard Schröder ein. Der Fortschritt bestehe auch aus mutigen Entscheidungen. Diese erlaubten Deutschland, im Wettbewerb die Nase vorne zu haben. Mit einem Satz auf Deutsch verabschiedete sich Hollande: " Es lebe Deutschland, es lebe Frankreich, es lebe die deutsch-französische Freundschaft."

Frankreichs Präsident Hollande (Foto: Getty Images)

Frankreichs Präsident Hollande lobt die deutsch-französische Freundschaft

SPD-Chef Sigmar Gabriel hob die Verbundenheit seiner Partei mit den französischen Sozialisten hervor. Gemeinsam hätten sie einen Beitrag zur Integration Europas geleistet. Die SPD-Vizevorsitzende Hannelore Kraft warb dafür, weiter für die Ziele der Partei zu kämpfen. "Für uns bleibt noch viel zu tun", sagte die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin in Leipzig. Manche Errungenschaften müssten verteidigt, neue erkämpft werden. "Es geht darum, sich immer wieder neu zu erfinden."

Merkel: "Unbeugsame Stimme der Demokratie"

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ebenfalls an dem Festakt teilnahm, hatte zuvor in einem Gastbeitrag für die "Leipziger Volkszeitung" die Volkspartei als eine "streitbare und unbeugsame Stimme der Demokratie in Deutschland" gewürdigt. "Für diesen gar nicht hoch genug einzuschätzenden Dienst an unserem Land gebühren der SPD mein Respekt und meine Anerkennung", schrieb die Kanzlerin. Zu ihrem Jubiläum gratuliere sie der SPD "im Namen der CDU Deutschlands wie auch persönlich von Herzen".

Der Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten, Peer Steinbrück, hatte ebenso wie Merkel - seine Kontrahentin im Bundestagswahlkampf - nur eine Statistenrolle in Leipzig. Er würdigte vorab im RBB-Inforadio die historischen Verdienste seiner Partei. Die SPD stehe nach wie vor für Werte, die die Partei 150 Jahre lang begleitet haben. "Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit - das ist der Wertekanon, der auch in die Moderne, in die Zukunft übersetzt werden muss", sagte Steinbrück. Die Partei erhofft sich von den Feierlichkeiten Rückenwind für den Bundestagswahlkampf.

Graumann erinnert an Nazi-Zeit

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hob die historische Leistung der deutschen Sozialdemokratie hervor. "Die SPD hat eine großartige und singuläre Tradition und steht für mich immer in ganz besonderer Weise für Freiheit, Solidarität und Menschlichkeit", sagte dessen Präsident Dieter Graumann der "Passauer Neuen Presse".

Video ansehen 02:03

SPD feiert in Leipzig ihre Vergangenheit

Für ihn blieben der Mut und die Aufrichtigkeit der 94 SPD-Abgeordneten "herausragend", die am 23. März 1933 als einzige im Reichstag gegen das Ermächtigungsgesetz (von Adolf Hitler) gestimmt hatten. Für ihn persönlich sei auch der berühmte Kniefall von (Ex-Kanzler) Willy Brandt am Warschauer Ghetto-Mahnmal besonders berührend gewesen.

Auf der Gästeliste standen neben Hollande acht weitere Staats- und Regierungschefs aus Europa. Angereist waren zudem knapp 30 Vorsitzende sozialdemokratischer und sozialistischer Parteien sowie Vertreter der US-Demokraten. Parallel zu dem Festakt gab es auf dem Marktplatz in Leipzig ein großes Bürgerfest.

Die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) durch Ferdinand Lassalle am 23. Mai 1863 in Leipzig gilt als offizielle Geburtsstunde der deutschen Sozialdemokratie. 1869 gründete sich zudem die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands, die 1875 in Gotha mit dem ADAV zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) vereinigt wurde. 1890 benannte sie sich in Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) um.

se/GD/kis (ZDF, dpa, afp, rtr)

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