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PISA-Studie der OECD

Sozial Schwache und Arme müssen nicht Verlierer im Bildungssystem sein

PISA zeigt, dass sozial benachteiligte Schüler bei Naturwissenschaften meist schlechter abschneiden. Das muss aber nicht sein. Einzelne Länder schaffen gute Leistungen trotz großer sozialer Unterschiede.

Die neue PISA-Bildungsstudie (Programme for International Student Assessment) zeigt, dass 15-jährige Schülerinnen und Schüler in den reicheren Staaten Nord- und Westeuropas sowie in Nordamerika, Australien, Neuseeland und Japan deutlich besser in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen abschneiden als etwa in Südamerika, dem Maghreb, Teilen Süd- und Südosteuropas und einigen Gebieten Südostasiens. 

Interessant dabei: Die 2015 durchgeführte Studie bescheinigt auch Schülern in einzelnen Ländern überdurchschnittliche bis sehr gute Leistungen, wo gleichzeitig mangelhafte soziale Chancengleichheit herrscht - etwa in China, aber auch in Frankreich und Deutschland

Auch die Gegenprobe fällt überraschend aus: So bescheinigt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Algerien und Tunesien eine hohe soziale Chancengleichheit. Bei den schulischen Leistungen in den drei Fächern fallen die Schulsysteme in den beiden Länder dennoch durch.

Schulen dürfen niemanden zurücklassen

Sowohl bei Chancengleichheit, als auch bei der Kompetenz der Schülerinnen und Schüler heben sich Kanada und Vietnam positiv ab; oder auch die skandinavischen Länder - hier gibt die PISA-Studie in beiden Bereichen gute Noten.

Dass soziale Chancengleichheit nicht immer auch Chancengleichheit unter Mädchen und Jungen bedeutet, zeigen hingegen Finnland, Algerien, Japan, Italien oder China. In all diesen Ländern ist die soziale Chancengleichheit zwar hoch, die geschlechtliche hingegen stark unter dem OECD-Durchschnitt.

Dennoch muss das nicht immer bedeuten, dass die schulischen Leistungen auch schwach sind.Viel hängt also vom Bildungssystem ab. Es muss so aufgestellt sein, dass niemand darin zurückbleibt.

"Die Schule muss hohe Erwartungen an alle Schülerinnen und Schüler stellen", sagt der Sprecher des OECD-Büros für Deutschland Matthias Rumpf im Interview mit der Deutschen Welle. "Nicht erfolgversprechend ist es, wenn die einen Schüler auf einer Bahn sind, wo viel von ihnen erwartet wird, und bei den anderen reicht es, wenn sie nur ein bisschen was leisten - das funktioniert nicht."

Für den Politologen ist klar: "Die politischen Initiativen müssen sich auf guten Unterricht konzentrieren. Bildungssysteme, die erfolgreich sind, konzentrieren ihre Ressourcen auf Schülerinnen und Schüler, die eher mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben."

Hat allerdings das Bildungssystem eines Landes im aktuellen PISA-Test nicht gut abgeschnitten, sollten die Schulbehörden sich zunächst genau überlegen, wie sie damit umgehen. "Länder sind dann erfolgreich, wenn sie eine stimmige und langfristige Strategie für die Bildungspolitik haben", mahnt Rumpf. "Kurzfristige Reformen und Übereifer führen in der Regel nicht zum Erfolg."

Lehrer, Eltern und Motivation sind entscheidend

Ein Bildungssystem umzubauen geht also nicht am grünen Tisch. Die Politik könne ein Bildungssystem auch nicht dadurch verbessern, dass sie einfach die Schulklassen verkleinere. Wichtiger seien da gute Lehrkräfte. "Eine gute Lehrkraft kann mit einer großen Klasse besser zurechtkommen, als eine weniger gute mit einer kleinen Klasse. Es kommt auf die Lehrkräfte an - das ist entscheidend", so Rumpf.

So gebe es Bildungssysteme, in denen die Lehrer sehr viel weniger Zeit im Klassenraum im Unterricht verbringen und dafür mehr Zeit für den direkten Kontakt zu Eltern und Schülern haben - etwa in Japan. "Das scheint auch ein sehr erfolgversprechendes Modell zu sein", sagt Rumpf. "Die Eltern werden stärker in das Lerngeschehen eingebunden." Dabei entstehe ein Netzwerk, indem das Lernen stattfinden könne.

Ganz wichtig bleibt: Die Motivation am Lernen. Die entstehe, "wenn Schüler von den Eltern und dem sozialen Umfeld vermittelt bekommen, dass naturwissenschaftliches Wissen und Verstehen sie später im Leben und Beruf tatsächlich weiterbringen kann", sagt Rumpf. "In dem Moment, wo ich Freude am Lernen habe, kann ich auch bessere Ergebnisse erzielen".

Bei den PISA-Tests ging es den Forschern nicht um die Abfrage von vorhandenem Wissen, sondern darum, ob die Schüler Bekanntes kreativ und kritisch auf unbekannte Probleme anwenden können. In den ausgewählten Ländern wurden neben den Schülern auch Lehrer und Eltern befragt.

72 Länder im Blick

Die von der OECD verfasste Studie wurde für den deutschsprachigen Raum am Dienstag (6.12.2016) in Berlin veröffentlicht. Sie umfasst Bildungssysteme in 72 Ländern der Welt. Eine halbe Million Schüler haben den zwei-stündigen Test gemacht. Sie stehen repräsentativ für 28 Millionen 15-Jährige.

Neben den Schwerpunkten Naturwissenschaften, Mathematik und Lesekompetenz wurden für die diesjährige PISA-Studie auch soziale Kompetenz erfasst, also die Fähigkeit der Schüler, Probleme gemeinsam zu lösen. Auch haben sich die Forscher dem Wohlbefinden der Schüler gewidmet. Die Ergebnisse zu diesen beiden Bereichen sollen Anfang 2017 veröffentlicht werden.

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