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Politik

Sowjet-Pass passé

Immer noch tragen viele Russen aus Nostalgie die Sowjetunion im Herzen und in ihren Pässen. Doch der alte sowjetische Inlandsausweis mit Hammer und Sichel auf rotem Grund hat ausgedient.

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Zum 1. Juli haben die alten Ausweispapiere ihre Gültigkeit verloren. Statt Hammer und Sichel ist nur noch der neue Pass mit dem russischen Doppeladler ein gültiges Ausweisdokument. Seit 1997 lief die Umtauschaktion. Nach Angaben des Innenministeriums besitzen jedoch auch heute noch über 200.000 Russen keine neuen Ausweise. Wer bislang den russischen Amtsschimmel scheute - die russischen Passämter sind gefürchtet für langsames Arbeiten - und noch immer den alten Pass trägt, dürfte bald auf Schwierigkeiten im Alltag stoßen.

Leute, geht tauschen!

Rentner, zum Beispiel, können sich ihre Rente nur gegen Vorlage des Ausweises am Bankschalter auszahlen lassen. Das Innenministerium kündigte bereits das Verhängen von Geldbußen an. 100 Rubel (ca. 2,80 EUR) "Strafe" droht künftig den Nostalgikern und ämterscheuen Bürgern. Ausnahmen gelten nur für begründete Fälle. Doch in der Praxis dürfte es schwierig sein, den notorisch korrupten und geldklammen Milizionären einen guten Grund darzulegen, warum man noch immer nicht im Besitz des neuen Ausweises ist. Zu den hartnäckigen Verweigerern des neuen Ausweispapieres zählte der stellvertretende Innenminister Aleksander Tschekalin kürzlich vor allem "Obdachlose, Drogenabhängige, Personen ohne ständigen Wohnsitz, chronische Alkoholiker und völlig verkommene Personen". Tatsächlich aber ist der für viele der Umtausch der Ausweisdokumente ein bürokratischer Hindernislauf.

Umweg übers Ausland ...

Vor allem Rentner, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in anderen ehemaligen Sowjetrepubliken lebten und erst später den Antrag auf einen russischen Pass stellten, haben ein Problem: Zwar hatte die russische Regierung versprochen, sie rasch und unbürokratisch zu vollwertigen Staatsbürgern zu machen, doch in der Praxis müssen viele zunächst den alten Sowjetpass gegen den neuen Pass ihres neuen Heimatlandes eintauschen. Erst dann können sie den Antrag auf russische Staatsbürgerschaft stellen. In den meisten ehemaligen Sowjetrepubliken ist aber der Umtausch der Ausweispapiere längst abgeschlossen.

Hü, Schimmel, hü!

Die russische Presse berichtete über den Fall einer Russin, die zur Passbeantragung nach Lettland reisen muss, aber nicht einreisen kann, weil sie eben außer dem Sowjetpass kein anderes Dokument besitzt und die lettischen Behörden ihr aus diesem Grund die Einreise verweigern. Das mag aus Sicht der Letten noch verständlich sein, unverständlich aber ist, warum russische Behörden von staatenlosen Russen überhaupt so ein umständliches Verfahren zur Erlangung von Pass und Staatsbürgerschaft verlangen. Offenbar sitzt hier der Amtsschimmel besonders hoch zu Ross.