1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

"Sorry - ich bin noch nicht 21"

Wer in den USA einen Club besuchen will und noch nicht 21 Jahre alt ist, braucht Beziehungen - oder einen gefälschten Ausweis. Und wer sich das Rauchen nicht verkneifen kann, muss mitunter tief in die Tasche greifen.

default

Amerika - Land der ungeahnten Möglichkeiten. Ein Traum vieler junger Leute. Ein Jahr nach dem Abi in die USA. Als Au-pair oder zum Studieren. Nur denkt man bei der Planung an solch ein Abenteuer meist nicht daran, dass in den USA das Erwachsensein erst mit einundzwanzig beginnt. Seinen Führerschein kann man hier zwar ab dem zarten Alter von sechzehn machen und rauchen darf man ab achtzehn. Doch Ausgehen und dabei etwas trinken, da wird es dann schwierig. Das habe ich sehr schnell gelernt. Keine Spirituosen unter einundzwanzig. Und da hilft es auch nicht, den Kassierer noch so lieb anzulächeln.

In den USA klebt an jedem Kassierautomat ein Zettelchen mit dem Mindestalter. "Falls du nicht vor oder am heutigen Tag im Jahr 1986 geboren bist, darfst du keinen Alkohol kaufen." Zur Sicherheit wird hier jeder kontrolliert. Selbst mein Vater, der einen Bart trägt und nun wirklich nicht mehr wie zwanzig aussieht, muss beim Kauf von Alkohol einen Ausweis vorzeigen. In Deutschland ist es normal, dass sich Jugendliche nachmittags im Biergarten treffen und was wäre das Oktoberfest ohne ein gefülltes Mass? In den USA wäre das undenkbar. Alkohol darf nicht einmal im Auto transportiert werden, wenn die Insassen unter einundzwanzig sind. Das gilt sogar für ungeöffnete Flaschen.

Auf der Flucht

Hier ist Alkohol verrufen - zumindest nach Außen. Auch bei den Erwachsenen. Man trinkt nicht in der Öffentlichkeit. Das ist nämlich auch nicht erlaubt. Wird man betrunken von der Polizei auf der Straße aufgefunden, wacht man am nächsten Morgen möglicherweise im Gefängnis auf.

Ich erinnere mich noch gut an vorletztes Sylvester. Eine Riesenparty. Bestimmt 350 Jugendliche. Davon neunzig Prozent unter einundzwanzig und ein Großteil von ihnen schon lange nicht mehr fahrtüchtig. Gesänge und Gegröle. Dann rief der Nachbar die Polizei. Das erste Mal kam die Polizei um fünf vor zwölf. Als sich diese Neuigkeit herumsprach sah man wie plötzlich alle los rannten, über Zäune kletterten und ein Großteil der Leute in kürzester Zeit verschwunden war. Frohes neues Jahr! Noch zwei Mal kam die Polizei zurück - verhaftet wurde niemand. Denn zu viel Arbeit gleich am Anfang des neuen Jahres findet niemand gut.

Auswege?

In Washington gibt es etwa eine handvoll Clubs, die freitags und samstags für Leute ab achtzehn geöffnet werden. Das gilt allerdings nur für die Mädels. Die Jungs müssen zu Hause bleiben, denn für sie gilt weiterhin, dass sie erst ab einundzwanzig rein kommen.

Möchte man in einen Club, in den man eigentlich nicht darf, helfen nur Beziehungen oder ein falscher Ausweis. Denn verbotene Dinge sind schließlich immer am Spannendsten. Da reicht es schon vollkommen aus, jemandem nur dreißig Prozent ähnlich zu sehen. Die Türsteher sehen meistens eh etwas verschwommen und so fällt es gar nicht auf, wenn man auf "seinem" Ausweis plötzlich nicht mehr eins-fünfundsiebzig sondern nur noch eins-sechzig groß ist oder brünett statt blond ist. Das Zittern vorher ist natürlich immer groß, bloß nicht auffällig benehmen, nichts Dummes machen und dann endlich die Erlösung. Ich bin drin! Bis jetzt hat es immer geklappt.

Rauchen wird teuer

Ach ja, die schlechte Nachricht für alle Raucher: Seid Anfang Januar dürfen diese in den Clubs von D.C. ihrem Hobby auch nicht mehr nachgehen. Zieht man nur eine Zigarettenschachtel aus der Hosentasche, wird man freundlich daran erinnert, dass Rauchen doch jetzt verboten ist. Wer dennoch dem Drang nicht entfliehen kann und zum Rauchen nach Draußen geht, läuft Gefahr vom Türsteher nicht mehr erkannt zu werden. Die einzige Lösung bleibt dann, noch einmal zu bezahlen. Je nach Club kann so eine Zigarette dann ganz schön teuer werden.

Lösung?

So bleiben den Meisten nur noch die Privatpartys. Dort müssen sie sich einmal keine Sorgen machen, erwischt zu werden und können an Ort und Stelle ihren Rausch ausschlafen oder sogar zu Fuß ins eigene Bett gelangen. Falls dann doch einmal die Polizei auf Grund von Ruhestörung auftaucht, kann man sich zum Beispiel im Schrank verstecken. Sich so zu verhalten, als wenn man schon einundzwanzig wäre, hilft allerdings auch meistens. Und rauchen kann man dort auch ungestört.

Dreieinhalb Jahre habe ich insgesamt in den USA verbracht und werde hier meinen einundzwanzigsten Geburtstag und somit die große Freiheit um etwa drei Wochen verpassen. Die große Freiheit heißt für mich nicht etwa trinken bis zum Umfallen, so wie es die meisten hier an ihrem einundzwanzigsten zu pflegen tun, nein, das heißt nur endlich nicht mehr sagen zu müssen: "Sorry, aber da kann ich leider nicht mit - weißt doch bin keine einundzwanzig."