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Kultur

Sorglos in Bamberg

Nach dem Vorbild der "Villa Massimo" in Rom können auch im Künstlerhaus "Villa Concordia" in Bamberg Stipendiaten frei von finanziellen und räumlichen Sorgen arbeiten.

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Fast unverschämt idyllisch: Villa Concordia in Bamberg

Hier müsste man leben! Das mag sich der Besucher denken, wenn er im malerischen Bamberg in die Nähe der herrschaftlichen Villa Concordia gelangt. Direkt am Fluß Regnitz, mit Vorgarten und Treppchen ins Wasser erhebt sich ein barockes Prachtgebäude, wie es im Deutschland des 18. Jahrhunderts sonst nur für Prinzen oder steinreiche Klöster gebaut wurde. Einer der besten europäischen Barock-Architekten, Johann Dientzenhofer, schuf hier am Rande der Bamberger Altstadt ein Wasserschloss für einen wohlhabenden Kaufmann und Regierungsbeamten, auf das jeder Fürst neidisch werden konnte.

Idylle pur

Der Anblick von der gegenüberliegenden Flussseite ist fast schon unverschämt idyllisch: Vor der Kulisse der unversehrt erhaltenen Bamberger Bischofsstadt mit romanischen Domtürmen, Renaissance-Palais und barocken Bürgerhäuschen, schmiegt sich Dientzenhofers mächtiges Bauwerk elegant an den steil aufragenden Stephansberg. Nur eine enge, schiefe Sackgasse führt von der Innenstadt her – an einer bald 500 Jahre alten Brauerei vorbei – zum fast versteckten Eingang des internationalen Künstlerhauses Villa Concordia.

Ernennen, nicht wählen

Etwas vom absolutistischen Glanz der Architektur findet sich auch in der Gründungsakte und Geschichte dieser Stiftung des Freistaates Bayern wieder: Hier kann man sich nicht bewerben, hierhin wird man berufen, und zwar vom Herrn Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, derzeit Hans Zehetmair (CSU). Der hat die ganze Einrichtung auch per Erlass im Jahre 1997 ins Leben gerufen.

Finanziert wird alles durch die Zinsen auf die vom Freistaat angelegten Privatisierungserlöse der 1990er-Jahre. Ein Kuratorium ernennt jährlich wechselnde Sachverständige, die dann jeweils sechs deutsche und sechs ausländische Künstler aussuchen und dem Minister vorschlagen dürfen.

Ohne Sorgen des Alltags

Seit 1998 arbeitet die Stiftung bereits, allerdings in Ausweichquartieren und ohne eigene Veranstaltungsräume. Bisher haben schon über 50 Stipendiaten "sorgenfrei" und mit 1300 Euro im Monat ein Jahr lang im Fränkischen an ihrer Kunst gearbeitet. Ausdrücklich wird hier keine Nachwuchsförderung betrieben, sondern mehr oder weniger anerkannte bildende, schreibende oder komponierende Künstler sollen hier von den Geschäften und Geldsorgen des Alltags befreit ein größeres Projekt vorantreiben oder gar vollenden.

Verwaltung teurer als Kunst?

In dem nun generalsanierten und umgebauten barocken Gebäude mit angrenzender Orangerie und geschickt angepasstem Erweiterungsbau, wird es für die zwölf Stipendiaten kleine Wohnungen, Ateliers, Ausstellungs- und Veranstaltungsräume geben. Allerdings nicht für alle und das hat bereits einige Kritik heraufbeschworen: Warum ist die Verwaltung und sogar die Wohnung des Direktors im prachtvollen Hauptgebäude untergebracht, während drei der zwölf Stipendiaten auch weiterhin in einem eigentlich als Übergangslösung gedachten Gebäude in der Innenstadt verbleiben müssen? Und warum sind wieder einmal die Ausgaben für den Direktor und die Verwaltung pro Jahr höher als die an die eigentlichen Hauptpersonen, also die Künstler, ausgeschütteten Geldmittel? Trotzdem wird jetzt erst einmal gefeiert: Am 16. Juli soll das architektonische Juwel der Stiftung der Öffentlichkeit übergeben werden: Ein Festsaal für 200 Personen und ein kleiner Gartensaal stehen nun zur freien Verfügung. Direktor Bernd Goldmann verspricht mindestens jeden Dienstagabend eine Veranstaltung im neuen, eigenen Haus.

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