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Wirtschaft

Sorgenvolle Blicke nach Washington

Donald Trump ist Präsident der USA. Vertreter von Handel und Wirtschaft in Deutschland sehen seiner Präsidentschaft mit teilweise großer Sorge entgegen. Bundesfinanzminister Schäuble zeigt sich dagegen gelassen.

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Trumps Botschaft: America First

"Ich glaube nicht, dass morgen der große Handelskrieg ausbricht. Aber natürlich werden wir darauf pochen, dass Vereinbarungen eingehalten werden", sagt Wolfgang Schäuble in einem beim Weltwirtschaftsforum in Davos geführten Interview mit dem "Spiegel" und fügte hinzu: "Auch die USA haben internationale Abkommen unterzeichnet."

Deutschland Finanzminister Wolfgang Schäuble (Getty Images/AFP/G. Hochmuth)

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble

Schäuble riet, Trumps Ankündigungen über Twitter nicht zu wichtig zu nehmen. "Man darf Trumps Art der Kommunikation nicht mit Regierungserklärungen verwechseln. Darauf werden wir nicht einsteigen."

Zugleich kritisierte Schäuble Trumps Druck auf die Automobilindustrie: "Wenn Trump den Amerikanern wirklich vorschreiben will, welche Automarken sie kaufen sollen, wünsche ich ihm viel Glück", sagte der Minister. "Das ist nicht meine Vorstellung von Amerika. Ich glaube auch nicht, dass es seine ist."

Für Donald Trump hat die Schaffung von Jobs oberste Priorität. Im Vorfeld seiner Amtseinführung hatte er die Freihandelsverträge seines Landes kritisiert und Strafzölle sowie Steuererleichterungen für die heimische Wirtschaft  angekündigt.

Bernhard Mattes Chef Ford Deutschland (picture-alliance/ dpa)

Bernhard Mattes, AmCham Germany

Passt sich Trump der Realität an?

Die Amerikanische Handelskammer in Deutschland hat anlässlich der Amtseinführung Trumps vor einer wirtschaftlichen Abschottung des Landes gewarnt. "Protektionistische Maßnahmen wie Strafzölle oder die Aufkündigung internationaler Handelsverträge haben in einer globalisierten Welt keinen Platz", sagte Bernhard Mattes, Präsident der AmCham Germany, am Freitag in Frankfurt.

Amerikas Wohlstand beruhe ganz wesentlich auf der Offenheit seiner Wirtschaft. "Wir setzen deshalb darauf, dass der neue Präsident seine Wahlversprechen an die politische Realität anpasst", sagte Mattes.

Trumps "Spiel mit dem Feuer"

Deutschlands Maschinenbauer warnen eindringlich vor der Errichtung von Handelsschranken. Eine Abschottung der US-Wirtschaft werde weder den Vereinigten Staaten noch deren Handelspartnern neue Arbeitsplätze oder zusätzliches Wachstum bringen, mahnte Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VDMA.

"Insofern spielt Präsident Trump mit dem Feuer." Zwar stünden konkrete Maßnahmen noch nicht fest, aber allein die Äußerungen Trumps hätten zu Investitionszurückhaltung geführt. Die USA sind der größte Einzelmarkt für den Export von Maschinen "Made in Germany".

Erste Folgen seien bereits zu sehen: Die Maschinenexporte gingen von Januar bis Oktober um 3,4 Prozent zurück, von August bis Oktober sogar um 5,8 Prozent. Trump habe seit seiner Wahl für Unsicherheit gesorgt - und Unsicherheit führe zu Investitionszurückhaltung.

Symbolbild Flaggen USA und EU (Getty Images)

In den Handelsbeziehungen zwischen den USA und Europa wird ein neuer Wind wehen. Nur: Woher wird er kommen?

"Zölle sind schädlich für alle"

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin rechnet damit, dass die Zoll-Androhungen Trumps den USA mehr schaden als nützen. Viele Unternehmer würden in Zukunft gar nicht erst in den USA investieren, sondern lieber woanders bleiben, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher dem MDR.

Der Außenhandelsverband BGA forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, so bald wie möglich das direkte Gespräch mit Trump zu suchen, um ihn davon zu überzeugen, wie wichtig internationaler Freihandel und offene Märkte für den zukünftigen Erfolg beider Länder seien. Die Geschichte habe gezeigt, dass protektionistische Grabenkämpfe am Ende niemanden weiterbringen.

"Heute agiert keiner mehr vollkommen unabhängig, schon gar nicht die großen Wirtschaftsmächte. Zölle und Handelsbarrieren sind schädlich für alle", sagte Airbus-Chef Thomas Enders der "Bild"-Zeitung. Es sei daher für die Europäer wichtig, mit der neuen Trump-Administration schnell auf allen Ebenen den Dialog zu suchen. Der Vorstandschef der Deutschen Post DHL, Frank Appel, sagte dem Blatt, auch US-Unternehmen brauchten offene Märkte. Er zeigte sich optimistisch, dass Trump dies genauso sieht.

dk/tko (dpa/afp)

 

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