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Asien

Sorgen um Sicherheit in Nordafghanistan

Acht Soldaten der NATO-Truppen sind am Wochenende durch die Taliban ums Leben gekommen, darunter in der Provinz Baghlan ein Soldat der Bundeswehr. Diese setzt unterdessen ihren Abzug planmäßig fort.

Kontrollposten der Bundeswehr in Masar-i Scharif. (Foto: EPA/SAYED MUSTAFA)

Kontrollposten der Bundeswehr in Masar-i Scharif

Erstmals seit zwei Jahren ist ein deutscher Soldat durch die Taliban um Leben gekommen - ausgerechnet in der Provinz Baghlan, die in Kürze von der Bundeswehr an die afghanische Streitkräfte übergeben werden soll. Diese sollen dort zukünftig die Sicherheitsveranwortung übernehmen.

Helaluddin Helal, afghanischer Militärexperte und ehemaliger General, geht davon aus, dass von Juni an "eine Welle der Aktivitäten des Feindes im Norden beginnen wird, mit schlimmen Folgen für die Bewohner." Auch seien die Handelsrouten im Norden dadurch bedroht. Die afghanischen Sicherheitskräfte hätten "weder die Koordination noch die notwendige Ausbildung und Ausrüstung, um die Angriffe des Feindes abzuwehren", so die pessimistische Einschätzung des afghanischen Sicherheitsexperten.

"Afghanische Sicherheitskräfte machen gute Fortschritte"

Die Bundeswehr wird aber dennoch an ihren Abzugplänen festhalten. Im Stützpunkt Pol-Khumbri, der Hauptstadt von Baghlan, brechen die Deutschen seit März ihre Zelte ab. Die Soldaten werden bis zum Sommer das Lager verlassen und an die afghanischen Soldaten übergeben haben. Günther Katz, deutscher General und ISAF-Sprecher, bleibt optimistisch. Die afghanischen Sicherheitskräfte machten sehr gute Fortschritte, um die Sicherheitsverantwortung in Zukunft selber zu übernehmen.

Für die bergige Provinz heißt das jedoch nicht, dass überall Ruhe eingekehrt wäre.  Die Taliban seien für die Provinz weiterhin eine Bedrohung, sagt Ahmad Jawed Basharat, Sprecher des Polizeichefs. Allerdings sei die Sicherheitslage insgesamt "sehr gut" in Baghlan. Zurzeit gälten 14 der 15 Bezirke als sicher und in jeder seien ausreichend Sicherheitskräfte stationiert. "Lediglich in Baghlan-Mitte, wo die ISAF stationiert ist, und an der Grenze zur Provinz Kundus sind die Taliban aktiv, und hier gehen die Kämpfe weiter", berichtet der Sprecher gegenüber der Deutschen Welle.

Jawed Basharat räumt ein, dass eine Provinz wie Baghlan nur sehr schwer zu kontrollieren ist. "Um von einem Bezirk zum anderen zu gelangen, braucht man acht bis neun Stunden Autofahrt. Selbst wenn man in jedem Ortsteil einen Soldaten aufstellt, ist das nicht genug. Eigentlich haben wir keine Probleme, uns zu verteidigen, aber es sind die gebirgigen und abgelegen Orte und Wälder, wo die Taliban unterkriechen und uns angreifen und uns Sorgen machen."

Bundeswehrpatrouille in der Provinz Baghlan. (Foto: JOHANNES EISELE/AFP/Getty Images)

Bundeswehrpatrouille in der Provinz Baghlan

Ängste der Bewohner

Ähnliche Gedanken machen sich auch die Bewohner der Provinz Baghlan. Für sie sei die Räumung des deutschen Feldlagers kein Grund zur Freude, sagt der DW-Korrespondent Yama Sherzad. "Die Menschen hier sagen, falls die afghanischen Sicherheitskräfte nicht in der Lage sind, Schutz zu gewährleisten, wird Baghlan wieder in die Hände der Aufständischen fallen und die Zahl der Aufständischen steigen. Die Regierungsvertreter sagen natürlich, dass sie bereit sind, die Verantwortung zu übernehmen." Aber nicht die Einwohner, die seien nicht bereit, sagt Yama Sherzad über die Stimmung in Baghlan.

Bis Ende 2014 will die NATO ihren Kampfeinsatz am Hindukusch beenden. Ausländische Truppen sollen danach die afghanische Polizei und Armee ausbilden und beraten. Dafür bleibt die Bundeswehr mit bis zu 800 Soldaten im Land.

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