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Nahost

Sorge vor Ausweitung des Syrien-Konflikts

Die Geiselnahme von UN-Blauhelmen und ein Anschlag im Irak fachen die Sorge um eine Ausweitung des Syrien-Konflikts an. Die Nachbarländer spüren die Folgen des Bürgerkrieges schon lange.

Es sind Zahlen, die erschrecken: Mehr als eine Million Syrer befinden sich nach Angaben der Vereinten Nationen bereits auf der Flucht – und es werden immer mehr. Jeden Tag verlassen tausende Menschen das Land. Zuflucht finden sie in den Nachbarländern: vor allem in der Türkei, in Jordanien und im Libanon. Die Lager in der Türkei und in Jordanien platzen bereits aus allen Nähten – und das, obwohl viele Flüchtlinge außerhalb von Camps Unterschlupf gesucht haben, nicht von den Vereinten Nationen registriert wurden und für sich selber sorgen müssen. Die hohe Zahl der Flüchtlinge stellt die Türkei, Jordanien und den Libanon vor große Herausforderungen. Sie spüren die Folgen des syrischen Bürgerkrieges schon lange. Doch mittlerweile wirkt sich die Krise auch auf den Irak und auf Israel aus.

Anschlag auf syrische Soldaten

Bombenanschlag in Bagdad (Foto: Reuters)

Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten im Irak wird immer wieder durch Anschläge angefacht

Im Irak wurden in der vergangenen Woche mehr als 40 Soldaten der syrischen Armee getötet. Sie hatten auf irakischem Territorium Zuflucht vor Aufständischen gesucht. Auf dem Rückweg in ihr Heimatland wurden die Soldaten von einer bewaffneten Gruppe angegriffen. Wer die Täter sind, ist unklar – doch es war bereits das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass der Konflikt in Syrien irakisches Gebiet erfasste. Bereits einige Tage zuvor waren an einem Grenzposten ein irakischer Soldat getötet sowie drei weitere Menschen verletzt worden. Die Vorfälle nähren die Befürchtung, dass sich die Krise in Syrien auf das Nachbarland ausweiten könnte.

Im Gegensatz zur türkischen Regierung, die schon seit langem die Gegner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützt, hat die irakische Regierung zum Syrien-Konflikt weitgehend geschwiegen: Rücktrittsforderungen aus Bagdad an den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad blieben bisher aus. "Die irakische Regierung kann gegenwärtig nicht genau abschätzen, auf welche Seite sie setzen soll", sagt Henner Fürtig, Irak-Experte des GIGA Instituts für Nahost-Studien in Hamburg. "Deshalb ist sie daran interessiert, den Ball flach zu halten."

Sorge vor Extremisten

Bewaffneter Rebell auf den Golanhöhen (Foto: Reuters)

Eine Gruppe bewaffneter Rebellen hat UN-Blauhelmsoldaten auf den Golanhöhen entführt

Es ist nur wenige Jahre her, dass der Irak selbst bürgerkriegsähnliche Zustände erlebt hat: In den Jahren 2006 und 2007 schürte das sunnitische Terrornetzwerk Al-Kaida den Kampf zwischen sunnitischen und schiitischen Bevölkerungsgruppen. Henner Fürtig befürchtet, dass der Konflikt im Irak nun wieder aufbrechen könnte. "Die sunnitische arabische Minderheit im Irak schaut besonders aufmerksam auf die Entwicklung in Syrien", sagt der Nahost-Experte. "Es könnte durchaus sein, dass im Zuge von größeren Flüchtlingswellen auch die Frage der konfessionellen Widersprüche im Irak aufflammt und dass die irakischen Sunniten durch die Ereignisse in Syrien Aufwind verspüren und entsprechend handeln."

Doch nicht nur die arabischen Länder befürchten, dass sich der Syrien-Konflikt ausbreitet. Auch in Israel beobachtet man die Situation im Nachbarland mit Sorge. Mit der Entführung von 21 UN-Soldaten durch syrische Rebellen auf den von Israel besetzten Golanhöhen am Mittwoch (06.03.2013) hat der Konflikt eine neue Ebene erreicht. Auch wenn Israel und der Irak völlig unterschiedliche politische Interessen haben, teilen ihre Regierungen eine Befürchtung. "Die größte Sorge der Israelis ist, dass anstelle von Assad ein extremistisches, islamisches Regime etabliert wird, etwa unter der Führung von Al Kaida oder der Muslimbruderschaft", sagt Nahost-Experte Udo Steinbach. "Mit dem Regime von Assad haben die Israelis seit vielen Jahren kooperiert. Jetzt fürchten sie, dass die israelisch-syrischen Beziehungen in ein Stadium der Gewalt übergehen würden."

Skepsis in Israel

Einem Machtwechsel in Damaskus sehen die Israelis entsprechend skeptisch entgegen. Zwar haben Israel und Syrien – auch wegen der besetzten Golanhöhen – nie einen Friedensvertrag unterschrieben. Doch die beiden Länder hatten in den vergangenen Jahren einen Status Quo erreicht, der bewaffnete Konflikte oder Schusswechsel an den Grenzen ausschloss. Vorfälle wie die Geiselnahme der Blauhelmsoldaten lassen auf israelischer Seite die Sorge wachsen, dass diese Zeit nun vorbei sein könnte.

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