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Nahost

Sorge um verschwundenen Blogger

Der Internet-Blogger Philip Rizk ist verschwunden. Der deutsch-äygptische Student wurde bei einer Demonstration für Gaza festgenommen und verschleppt. Seine Angehörigen und Freunde fürchten, dass er gefoltert wird.

Studenten in Kairo demonstrieren gegen die die Festnahme (Quelle: Flickr)

Studenten in Kairo demonstrieren gegen die die Festnahme (06.02.2009)

Ich habe Philip Rizk im Jahr 2006 in Gaza kennen gelernt. Er arbeitete damals für eine christliche Hilfsorganisation, die sich um einen friedlichen Ausgleich im Nahen Osten bemüht. Ein schlanker, hoch aufgeschossener junger Mann, halb deutsch und halb ägyptisch, der überall im Gazastreifen bekannt und beliebt war. Neben seinem Engagement für die Hilfsorganisation betrieb er seinen Internet-Blog Tabulagaza, in dem er aus seinem täglichen Leben im Gazastreifen berichtete. Nirgendwo sonst konnte man so direkt und anschaulich erfahren, wie die Einwohner des Gazastreifens mit den politischen Entwicklungen lebten, die damals geradewegs in einen blutigen Machtkampf zwischen Hamas und Fatah führten.

Die Polizei durchsuchte seine Wohnung

Zum letzten Mal traf ich Philip im Mai 2007 in Jerusalem, kurz vor dem Höhepunkt des blutigen Machtkampfs zwischen Hamas und Fatah im Gazastreifen. Er war bedrückt und verzweifelt über die Eskalation der Gewalt, die er hautnah miterlebt hatte. Nach der Machtübernahme der Hamas verließ er Gaza und ging nach Kairo, um dort an der Amerikanischen Universität zu studieren. Den Palästinensern im Westjordanland und im Gazastreifen blieb er aber verbunden. Im letzten Jahr drehte er einen Dokumentarfilm über das Leben unter der Besatzung.

Seit letzten Freitag (06.02.2009) sitzt Philip Rizk in Haft, vermutlich in einem Gefängnis des ägyptischen Geheimdienstes. Sein Vergehen: er hatte nördlich von Kairo mit anderen Friedensaktivisten einen Protestmarsch veranstaltet, um auf das Schicksal der Menschen im Gazastreifen aufmerksam zu machen. Dabei war erst die ganze Gruppe von etwa 15 Demonstranten zur Feststellung ihrer Personalien von der Polizei aufgehalten worden. Dann aber wurde Philip Rizk zur Befragung in die Polizeistation geholt und dort kurz darauf offenbar von Beamten des Inlandsgeheimdienstes in Gewahrsam genommen. In einem Kleinbus mit verhängten Nummernschildern wurde er weggebracht. Seither fehlt jede Spur von ihm. In der Nacht vom Sonntag auf Montag wurde seine Wohnung in Kairo, die er mit seiner Schwester teilt, durchsucht. Sein Laptop, sein Ipod, schriftliche Unterlagen, Fotos und Videos wurden beschlagnahmt. Auch das Haus der Eltern wurde durchsucht.

Misshandlungen sind an der Tagesordnung

Seine Freunde und Angehörigen, die im Internet über jede weitere Entwicklung berichten, fürchten, dass er im Gefängnis gefoltert wird, denn Menschenrechtsorganisationen berichten regelmäßig über schwere Misshandlungen in ägyptischen Gefängnissen. Vor allem Blogger werden verfolgt, die im Internet demokratische Freiheiten fordern. Auch der Einsatz für die Menschen im Gazastreifen wird von der ägyptischen Regierung nicht gern gesehen. In letzter Zeit wurden sogar internationale Menschenrechtsaktivisten, Ermittler für den Menschenrechtsgerichtshof in Den Haag und Spezialisten für Chemiewaffen an der ägyptischen Grenze zum Gazastreifen aufgehalten. Sie wollten sich ein Bild über die Lage nach der israelischen Invasion verschaffen und Beweise für mögliche Kriegsverbrechen sammeln. Auch Transporte mit Hilfsgütern und Baumaterialien für den Gazastreifen wurden abgewiesen.

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