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Politik

Sorge um Pressefreiheit in Sri Lanka

Nach dem Mord an einem regierungskritischen Journalisten fordern Bürgerrechtler und Oppositionelle, die Presse in Sri Lanka besser zu schützen.

Weinende Frau, mehrere Männer mit Plakaten, die gegen die Ermordung des Sunday Leader-Chefredakteurs in Colombo protestieren (dpa)

Trauer während eines Protestzugs gegen die Ermordung des "Sunday Leader"-Chefredakteurs

Zahlreiche Journalisten, Bürgerrechtsorganisationen und Oppositionspolitiker der Vereinigten Nationalpartei (UNP) demonstrierten in der Hauptstadt Colombo gegen den Mord an einem prominenten Journalisten. Sie verlangen von der Regierung, den Mord zu untersuchen, und beschuldigen diese, hinter dem Attentat zu stecken.

Lasantha Wickrematunge, Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung "Sunday Leader", war am Donnerstag (08.09.2009) während der Hauptverkehrszeit zwölf Kilometer südlich der Hauptstadt Colombo auf dem Weg zur Arbeit in seinem Auto angeschossen worden. Er starb wenig später im Krankenhaus. Sein Bruder gab an, das Fenster des Autos sei eingeschlagen und gezielt auf ihn gefeuert worden.

Nicht der erste Angriff auf die Presse

Der tote Lasantha Wickramatunga (ap)

Lasantha Wickrematunge ist in einem Vorort Colombos aufgebahrt

Wickrematunge und der "Sunday Leader" hatten mehrfach die Regierungspolitik und die Korruption im Lande aufs Korn genommen; unter den Beschuldigten war auch der Bruder von Präsident Mahinda Rajapaksa, Verteidigungsminister Gotabaya Rajapaksa. Kritisiert wurde auch die Armee und deren Vorgehen gegen die Rebellen der "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE) im Norden des Inselstaats. Der 51-Jährige hatte mehrere Gerichtsprozesse wegen Verleumdung angestrengt.

Das Attentat war der zweite Angriff auf die Presse in Sri Lanka innerhalb von zwei Tagen. Am Dienstag hatten Unbekannte die Räume eines privaten Rundfunk- und Fernsehsenders gestürmt und diese verwüstet. Präsident Rajapaksa verurteilte die Übergriffe und kündigte eine Untersuchung an.

Heftige Kritik aus dem Ausland

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf der Regierung in Colombo vor, sie habe durch ihr Unvermögen, die Täter der Presseübergriffe dingfest zu machen, eine "Kultur der Straflosigkeit" geschaffen. Das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) forderte die Botschafter in Colombo auf, bei der Regierung vorstellig zu werden und ein Ende der Überfälle zu verlangen, die auf die Medien des Landes "hinabregnen". Die Brutalität der Übergriffe sei ein Zeichen dafür, dass der Krieg gegen die Medien das normale Maß von "Einschüchterungen, Drohungen, juristischer Schikane und sporadischer Gewalt" überschritten habe.

In die Kritik stimmten auch die USA, die EU, Indien und die Weltbank ein. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Robert Wood, sagte: "Diese bedauernswerten Aktionen sind ein weiterer Versuch, unabhängige Stimmen in Sri Lanka zum schweigen zu bringen. EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner äußerte Besorgnis über die Vorfälle. Sie rief die Regierung in Colombo auf, einen Schutzmechanismus für Pressevertreter in Kraft zu setzen. Sri Lanka gilt unter Presseorganisationen als eines der gefährlichsten Länder weltweit. (hy)