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Afrika

Sorge um 'Perle der Wüste'

Die Oasenstadt Timbuktu am Rande der Sahara beherbergt viele kulturelle Schätze, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. In Mali herrschen jedoch Konflikte, die der "Perle der Wüste" schaden könnten.

Ein Tuareg steht in Timbuktu vor einer Moschee aus Lehm (Foto: Reuters)

Tuareg vor einer Moschee in Timbuktu

Drei Moscheen aus Lehm, hunderte Grabstätten und Mausoleen und etwa 200.000 Manuskripte zeugen in Timbuktu von der reichen islamischen und afrikanischen Kultur. Einheimische wie internationale Organisationen bemühen sich seit Jahrzehnten um den Erhalt der Jahrhunderte alten Kulturgüter der "Perle der Wüste" oder der "Stadt der 333 Heiligen", wie Timbuktu auch genannt wird.

Menschen vor der Djinger-ber-Moschee (Foto: picture-alliance/akg/Yvan Travert)

Die Djinger-ber-Moschee in Timbuktu

Sidi Mahmud Ben Amar ist einer der 333 Heiligen von Timbuktu. Sein Grab ist eine Pilgerstätte für gläubige Muslime und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Am vergangenen Freitag (04.05.2012) wurde die Grabstätte verwüstet. Radikalislamische Rebellen der Al-Kaida im Maghreb (AQIM) haben gemeinsam mit Anhängern der Gruppe Ansar Dine Teile des Heiligengrabs in Brand gesetzt und Gläubige vertrieben.

"Das war ein großer emotionaler Schock für die Bewohner von Timbuktu. Sie beschützen das Weltkulturerbe seit dem 14. Jahrhundert. Diese Menschen sind jetzt verunsichert und haben Angst, dass noch mehr Stätten zerstört werden könnten", sagte Lazare Eloundou, Leiter der Afrika-Abteilung des UNESCO-Weltkulturerbecenters. Zurzeit hat er täglich Kontakt zu den Menschen in Timbuktu. Auch nach dem Anschlag auf das Heiligengrab hat er mit ihnen telefoniert.

Rebellen nutzen Machtvakuum aus

Die fundamentalistische Gruppe Ansar Dine, die für die Verwüstung mitverantwortlich gemacht wird, hat im Norden Malis in mehreren Städten die Scharia eingeführt: Jungen und Mädchen dürfen in Teilen des Landes nur noch getrennt zur Schule gehen.

Vermummte Kämpfer der islamistischen Gruppe Ansar Dine sitzen auf einem Wagen (Foto: dapd)

Kämpfer der islamistischen Gruppe Ansar Dine

Manche befürchten, dass Zwangsehen eingeführt werden sollen. Die Gruppe Ansar Dine will ihre Auslegung der Scharia auch im Rest des Landes einführen. Dabei kommt ihr das derzeitige Machtvakuum im Land sehr entgegen.

Während in der Hauptstadt Putschisten und Anhänger des gestürzten Präsidenten im Konflikt stehen, beanspruchen Tuareg-Rebellen den Norden Malis für sich. Anfang April haben die Anhänger der Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA) die Unabhängigkeit des Nordens ausgerufen. Die MNLA akzeptiert immer wieder auch Unterstützung durch die Islamistengruppe Ansar Dine. 

Viele alte Manuskripte in Privatbesitz

Ein Ende der zahlreichen Konflikte ist nicht in Sicht. Viele Malier fliehen deshalb in benachbarte Länder oder in die Hauptstadt Bamako. Doch besonders Einheimische sind für das Weltkulturerbe Timbuktus wichtig. Zahlreiche Familien besitzen Privatbibliotheken mit arabischen Manuskripten, die teilweise aus dem 13. Jahrhundert stammen.

Abdelkader Haidara besitzt mit 9000 Handschriften die größte private Bibliothek in Timbuktu. "Wir haben alle Manuskripte, die im privaten Besitz sind, in der Innenstadt in Sicherheit gebracht. Auch die Manuskripte, die im Besitz des Staates sind, wurden vom staatlichen Institut Ahmed Baba in Sicherheit gebracht", sagte Haidara. In einem lokalen Radio verkündete ein Sprecher von Ansar Dine vergangene Woche, dass sie die Manuskripte nicht zerstören wollten. Haidara bestätigt, dass Ansar Dine die Manuskripte bis heute nicht angefasst habe. Er glaubt, dass die Gruppe versteht, wie wichtig und heilig diese Manuskripte sind. 

UNESCO besorgt um das Herz afrikanischer Identität

Eloundou von der UNESCO lässt sich von solchen Äußerungen nicht beschwichtigen und betont, dass man bei der aktuellen unsicheren Lage im Norden Malis nie wissen könne, was als nächstes passiert. Der UNESCO selbst sind die Hände gebunden: Die Sicherheitslage ist zu riskant, um ins Land zu gelangen.

Moschee von Sankore in Timbuktu mit UNESCO-Schild (Foto: picture-alliance/Désirée von Trotha )

Die Moschee von Sankore ist seit 1988 Weltkulturerbe

Annette Lohmann leitet in Bamako das Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung und hat die Konflikte in den vergangenen Jahren mitverfolgt. Auch für sie ist der Schutz von Kulturgütern sehr wichtig, doch angesichts der aktuellen Ereignisse müssten diese Sorgen eher hinten anstehen, meint sie: "Vor dem Hintergrund der humanitären Situation im Norden, der Flüchtlinge, der Binnenvertriebenen in Mali und der Menschenrechtsverletzungen, die im Norden stattfinden, sollte erst einmal die Sicherheit der Menschen im Vordergrund stehen", sagt Lohmann.

Wenn kulturelle Güter in Timbuktu jedoch weiter angegriffen werden, so Eloundou von der UNESCO, würden die Islamisten nicht nur einzelne Gegenstände, sondern das Herz der afrikanischen Identität zerstören.