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Nigeria

Sorge um deutsche Geisel

Boko Haram droht, einen in Nigeria entführten deutschen Entwicklungshelfer zu töten. Einstige Kollegen sind schockiert. Einige hoffen auf unkonventionelle Hilfe, erfuhr DW-Korrespondent Jan-Philipp Scholz.

"Wir halten Euren Deutschen gefangen", mit diesen Worten sprach Abubakar Shekau, Anführer der nigerianischen Terrorgruppe Boko Haram, in seiner neuesten Videobotschaft das aus, was viele bereits befürchtet hatten. Am 16. Juli war der deutsche Lehrer Eberhard N. von Unbekannten vor seinem Haus in der Kleinstadt Gombi im Nordosten Nigerias entführt worden. Der Ort liegt nur eine knappe Autostunde von Mubi (Artikelbild) entfernt. Die rund 100.000 Einwohner zählende Universitätsstadt wurde vor wenigen Tagen von Boko Haram eingenommen. In seiner Videobotschaft geht der Anführer der Terrorgruppe noch weiter: Man könne den Deutschen "zerhacken, abschlachten oder erschießen", so Abubakar Shekau. Das Boko Haram solche Drohungen durchaus ernst meint, das hat die Terrorgruppe erst vor wenigen Wochen bewiesen, als sie ein Video veröffentlichten, das die Enthauptung eines angeblichen Piloten des nigerianischen Militärs zeigt.

Dubioser Anruf bereits vor Bekennervideo

Ehemalige Kollegen des Deutschen sind von den jüngsten Nachrichten schockiert. Eberhard N. arbeitete als Schulleiter für eine Ausbildungsinitiative des nigerianischen Bundesstaates Adamawa, bei der auch mehrere andere Deutsche angestellt waren. Sie verließen allerdings kurz nach Bekanntwerden der Entführung das Land. Ein Nigerianer aus dem Umfeld des Entführten, der anonym bleiben möchte, sagte in einem Interview mit der Deutschen Welle, dass bereits vor der Veröffentlichung des Bekennervideos vieles auf eine Entführung durch Boko Haram hindeutete.

"Vor einigen Wochen haben wir einen Anruf mit kameruner Vorwahl bekommen. Ein Mann behauptete, er sei Boko Haram-Mitglied und die Gruppe habe den Deutschen in ihrer Gewalt." Seit längerem ist bekannt, dass sich Boko Haram-Kämpfer nach Angriffen in Nigeria immer wieder über die Grenze ins nahe gelegene Kamerun zurückziehen. Nachdem man allerdings ein Lebenszeichen des Deutschen verlangt habe, habe sich der Anrufer nicht wieder gemeldet, so der DW-Informant weiter. Seitdem seien auch keine weiteren Forderungen bekannt geworden.

Anwohner wollen selbst nach Deutschem suchen

Verwunderung äußert der Nigerianer mit Blick auf das Vorgehen der nigerianischen Sicherheitskräfte. Zwar sei er an der Deutschen Botschaft in der Hauptstadt Abuja kurz der Entführung zu den Vorfällen befragt wurden, darüber hinaus seien er und ehemalige Kollegen der Geisel aber weder von deutscher noch von nigerianischer Seite über weitere Ermittlungsfortschritte informiert worden. Er habe in den vergangenen Wochen nicht den Eindruck bekommen, dass die nigerianischen Behörden "mit allem Nachdruck" an der Suche nach dem Deutschen arbeiteten. Ein Polizist, der für den Schutz des Deutschen in Gombi die Verantwortung trug, war gerade am Morgen der Entführung nicht zum Dienst erschienen, bestätigt auch ein ehemaliger deutscher Kollege des Entführten. Die nigerianische Regierung stand für eine Stellungnahme bisher nicht zur Verfügung. Bei seinem Nigeria-Besuch vor einer Woche sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier auf Nachfrage der Deutschen Welle, dass es über den Fall bisher keine neuen Informationen gebe.

Die Menschen aus der Region wollen bei der Suche nach dem Vermissten unterdessen unkonventionelle Wege gehen, statt sich auf die Arbeit der nigerianischen Polizei und Armee zu verlassen. So hat bereits kurz nach der Entführung eine lokale Vereinigung von Jägern beschlossen, sich selbst auf die Suche nach dem Deutschen zu begeben. "Sie kennen die Region besser als jeder andere - auch als die Sicherheitskräfte", so der DW-Informant. Vor allem der berüchtigte Sambisa-Wald im Nordosten Nigerias nahe der Grenze zu Kamerun ist als Rückzugsort von Boko Haram berüchtigt. "Herr N. hat hier sehr viel Gutes getan - die Bewohner von Gombi und der umliegenden Orte haben ihn wirklich sehr gemocht." Deshalb seien viele Menschen in der Region bereit, sich an den Suchaktionen zu beteiligen - trotz aller Risiken.

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