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Wirtschaft

Sony glaubt die Datendiebe zu kennen

Nach dem riesigen Diebstahl von Kundendaten lenkt Sony den Verdacht auf die Hacker-Gruppe Anonymous. Diese Gruppe hat schon öfter mit so genannten DDOS-Attacken Firmenserver in die Knie gezwungen.

Der Hauptsitz von Sony in Tokio (Foto: dpa)

Der Datendiebstahl bei Sony ist ein großer Imageschaden

Eine Hacker-Gruppe namens "Anonymous" hat nach Angaben von Sony etwa zeitgleich mit dem Diebstahl von Kundendaten die Server des japanischen Elektronik-Konzerns angegriffen. Die Hacker hätten eine Datei im Namen der Gruppe "Anonymous" auf dem Server des Online-Spielenetzwerks Sony Online Entertainment (SOE) hinterlassen, erklärte Kazuo Hirai von der Tochterfirma Sony Computer Entertainment in einem Brief an einen Ausschuss des US-Kongresses. Unklar sei aber, ob sie mit den Datendieben im Zusammenhang stünden.

Die Hacker-Gruppe "Anonymus" hatte bereits vor zehn Tagen eine Beteiligung an dem Einbruch zurückgewiesen. Sie schloss dabei jedoch nicht aus, dass einzelne Mitglieder der lose aufgebauten Vereinigung auf eigene Faust agiert haben könnten. Sony verwies in dem in der Nacht zum Donnerstag (05.05.2011) veröffentlichten Brief darauf, dass Anonymous schon vorher versucht habe, dem Konzern das Leben mit sogenannten DDOS-Attacken (Distributed Denial of Service) schwer zu machen. Bei diesen Angriffen werden Server mit einer Masse von Anfragen überflutet, bis sie in die Knie gehen. Die Anonymous-Gruppe war vor einigen Monaten mit DDOS-Attacken gegen große Unternehmen in die Schlagzeilen gekommen. Damals griffen die Online-Aktivisten Finanzfirmen und Internetdienstleister an, die ihre Geschäftsbeziehungen zur Enthüllungsplattform Wikileaks aufgekündigt hatten.

Auch Bankdaten gestohlen

Ein Mann schaut sich in Japan ein Play Station Konsole von Sony an (Foto: dpa)

Das PlayStation-Network von Sony ist nicht das einzige Opfer eines Hackerangriffs

Sony hatte in der vergangenen Woche bekanntgegeben, dass Hacker das Online-Netzwerk der Spielekonsole Playstation und des Musik- und Filmdienstes Qriocity geknackt und sensible Daten von 77 Millionen Kunden gestohlen hätten. Am Montagabend teilte Sony dann in den USA mit, dass auch 24,6 Millionen Kunden des Onlinespiele-Netzwerks Sony Online Entertainment (SOE) betroffen seien, von denen Angaben zu Namen, Adressen, E-Mail-Adressen, Geschlecht, Geburtsdaten, Telefonnummern, Logindaten und Passwörtern und teilweise auch Bankdaten gestohlen wurden.

Der gigantische Datendiebstahl schreckt deutsche Online-Nutzer allerdings kaum vom Einkauf im Internet ab. In einer Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa sagten nur vier Prozent der Befragten, sie würden als Konsequenz aus dem Vorfall gänzlich auf Einkäufe im Netz verzichten. 84 Prozent wollen im Internet einkaufen wie bisher. In der Pflicht, für mehr Sicherheit zu sorgen, sahen mehr als 94 Prozent der Befragten die Betreiber der Online-Dienste, 73 Prozent erwarten dies auch von der Regierung.

EU pocht auf Datenschutz

Die Europäische Kommission will IT-Unternehmen künftig stärker auf Datenschutz verpflichten. "Wenn neue Geräte, Programme und Anwendungen entwickelt werden, muss der Datenschutz Teil des Entwicklungsprozesses sein", sagte die Vizepräsidentin der Brüsseler Behörde, Viviane Reding, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Dies solle bei der aktuell laufenden Überarbeitung der Datenschutz-Richtlinie vorgeschrieben werden. Gewährleisten soll dies eine verbindliche Daten-Folgeabschätzung.

Die Hersteller von Hard- und Software hätten durch eine "transparente, datensparsame, kontrollierbare und damit Missbrauch vermeidende Technikgestaltung zur Risikobegrenzung beizutragen", sagte Reding. "Eine Daten-Sammelwut jedenfalls ist mit EU-Grundsätzen nicht vereinbar." Zuletzt hatte immer wieder mangelnder Datenschutz für Aufsehen gesorgt. Neben Sony steht auch der US-Konzern Apple in der Kritik, da sein Internethandy iPhone und sein Tablet-PC iPad den Standort seiner Nutzer protokolliert.

Autor: Rolf Wenkel (dpa, afp, rtrd)
Redaktion: Insa Wrede