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Wirtschaft

Sonnenfinsternis: Droht Deutschland ein Blackout?

Die Sonnenfinsternis an diesem Freitagvormittag ist ein Naturspektakel, dem viele Menschen mit Spannung entgegen sehen. Spannung herrscht auch bei den Betreibern der Stromnetze, denn sie haben ein Problem.

Am Freitagvormittag kommt es zu einer astronomische Sensation: Für rund zweieinhalb Stunden schiebt sich der Mond vor die Sonne. Während die Einwohner der Färöer-Inseln eine totale Sonnenfinsternis genießen können, wird die Sonne über Deutschland im Durchschnitt zu 77% verdeckt sein. Darauf freuen sich vor allem Astronomie-Begeisterte und Geschäftsleute, die im Internet spezielle Schutzbrille verkaufen.

Es gibt aber auch Menschen, denen das Himmelsspektakel Sorgen bereitet. "Das ist eine große Herausforderung für das Stromnetz, stabil zu bleiben," sagt Andreas Preuß, Pressesprecher des Stromnetzbetreibers Amprion. Denn während der Sonnenfinsternis sinke die Leistung von Photovoltaik-Anlagen, erklärt er im Gespräch mit der DW. "Vielleicht verschwinden am Freitag in sehr kurzer Zeit 12 Gigawatt Strom aus dem deutschen Energiemix, und nach der Finsternis fluten plötzlich wieder 19 Gigawatt das Netz. Das könnte problematisch sein."

Als würde das Licht plötzlich ausgeschaltet

Denn Stromversorgung und Energieverbrauch

müssen gut aufeinander abgestimmt sein

. Heftige Schwankungen können im schlimmsten Fall zu sogenannten Blackouts, also großflächigen Stromausfällen führen. Netzbetreiber haben immer im Blick, wie viel Strom gerade gebraucht wird, und lassen genau so viel Strom erzeugen. Bei Schwankungen müssen sie schnell gegenregulieren.

Das deutsche Stromnetz ist im Falle der Sonnenfinsternis besonders stark von solchen Schwankungen bedroht: Die Energiewende hat dazu geführt, dass

Solaranlagen

hierzulande mittlerweile 5,8 Prozent des Stroms produzieren - bei gutem Wetter noch deutlich mehr. Eine schnelle Regulierung bei der Sonnenfinsternis sei schwierig, denn "diese 19-Gigawatt-Flutung entspricht der Leistung von rund 19 konventionellen Kraftwerken", so Preuß. Zwar schwanke die Leistung von Solaranlagen auch an normalen Tagen, dies geschehe jedoch über einen deutlich längeren Zeitraum. "Bei Sonnenaufgang flutet nicht so viel Energie das Netz, wie nach der Sonnenfinsternis um 12 Uhr mittags. Das macht einen wesentlichen Unterschied."

Solaranlagen Foto: Oliver Berg/dpa

Solarstrom macht 5,8 Prozent des deutschen Strommixes aus

Auch Schwankungen durch Wetteränderungen seien nicht vergleichbar mit der durch die Sonnenfinsternis, ergänzt Renate Hagedorn vom Deutschen Wetterdienst. "Eine wetterbedingte Schwankung tritt normalerweise sehr lokal auf und beschränkt sich deshalb auf einzelne Anlagen." Die Sonnenfinsternis ziehe jedoch flächendeckend über Deutschland. "Es sieht so aus, als würde das Licht plötzlich ausgeschaltet."

Gemeinsam gegen Schwankungen

Seit einem Jahr beraten die europäischen Netzbertreiber darüber, wie das Stromnetz während der Sonnenfinsternis stabil gehalten werden kann. Sie wollen verhindern, dass sich Schwankungen über Ländergrenzen hinweg auswirken. In Deutschland arbeiten alle vier nationalen Netzbetreiber mit der Bundesnetzagentur zusammen. Sie wollen am Freitag die sogenannte Regelenergie, das heißt Energiereserven, die für den Fall von Schwankungen kurzfristig zur Verfügung gestellt werden können, von 3,5 Gigawatt auf 8,5 Gigawatt erhöhen. "So haben wir mehr Spielraum für die Stabilität", sagt Andreas Preuß vom Stromnetzbetreiber Amprion.

Außerdem stehen die Netzbetreiber im engen Dialog mit dem Deutschen Wetterdienst, um das Wetter während der Sonnenfinsternis möglichst genau vorhersagen zu können. "Wenn wir einen bewölkten Himmel haben, dann ist der Unterschied zwischen einem normalen Tag und der Verdunklung durch die Sonnenfinsternis sehr viel geringer", betont Meteorologin Hagedorn.

Das Wetter entscheidet

Nicht nur im seltenen Fall einer Sonnenfinsternis sind Netzbetreiber daran interessiert, frühzeitig über die Wetterlage informiert zu werden. Im Zuge der Energiewende spiele der Wetterdienst eine immer wichtigere Rolle, meint Hagedorn. "Unsere Vorhersage ist Grundlage für die Leistungsprognose der Stromnetzbetreiber. Schließlich bestimmt das Wetter, wie viel Energie zur Verfügung steht."

Windrad und Strommasten bei Hannover Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Netzbetreiber sind auf präzise Wettervorhersagen angewiesen

Andreas Preuß sagt: "Zeiten, in denen weder die Sonne scheint noch der Wind weht, kommen in Deutschland leider häufiger vor, als man denkt." Deswegen hält er konventionelle Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerke, die als Reserve dienen können, für unverzichtbar. "Langfristig ist das eine größere Herausforderung als die Sonnenfinsternis, die nur drei Stunden dauert."

Diesen Freitag rechnet Preuß jedoch nicht mit einem großflächigen Blackout. Die Netzbetreiber seien gut vorbereitet. "Aber ich wäre schon froh, wenn es nicht ganz so sonnig, sondern ein windiger, bedeckter Frühlingstag wird." Für all die Menschen, die sich das Himmelsspektakel anschauen wollen, wäre das zwar schade, aber: "Wenn wir vorher schon wissen können, dass gar keine Sonne scheint, dann können wir viel einfacher planen." Momentan sagt der Deutsche Wetterdienst eine Mischung aus Sonne und Wolken voraus.

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