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Sprachbar

Sonne

Vor allem jetzt im beginnenden Frühjahr wird mit positiven Attributen für die Sonne nicht gegeizt: Sie ist wahlweise heiter, lachend oder lieb. In wenigen Monaten aber heißt es wohl wieder: Die Sonne brennt unerbittlich.

Die Sonne lacht, und schon ist die Idee geboren: "Sonne" heißt das Stichwort diese Woche. Wer hätte sich nicht nach diesen ersten wärmenden Strahlen gesehnt, dem Sonnenlicht, dem frühlingshaften Sonnenschein? Wir sagen: "die Sonne lacht", und nicht nur in diesem Ausdruck haben wir ein Beispiel für das, was man Personifizierung nennt.

Sonnenanbeter

Natürlich lacht die Sonne nicht, sie lächelt auch nicht, und dennoch versehen wir sie mit diesen nur Menschen und Göttern vorbehaltenen – sagen wir einmal – "Verhaltensweisen". Warum? Dass ohne die Sonne kein Leben auf der Erde möglich wäre, dass ohne ihre Kraft nichts gedeihen würde, es kein Klima, keine Jahreszeiten, keinen Wind und kein Wetter gäbe; das wissen wir alle.

Aber gerade weil das so ist, weil das an ein Wunder grenzt, haben die Menschen in allen Kulturen die Sonne immer mit der Aura des Göttlichen versehen oder als Gottheit verehrt. Ob bei den Inkas und Azteken oder in der griechisch-römischen Antike, die Sonne wurde als Gott, als Person betrachtet:

Im Osten geht die Sonne auf …

Helios, der Sonnengott der Griechen, der in seinem Sonnenwagen über das Firmament rollte, auf der Sonnenbahn. Sie erstreckt sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Entsprechend dem griechischen, lateinischen und italienischen Sprachgebrauch waren die Wörter für Sonnenauf- und Sonnenuntergang auch die für Himmelsrichtungen und wurden so mit Osten und Westen in eins gesetzt.

Der Lauf der Sonne und der je nach Jahreszeit unterschiedliche Sonnenstand waren stets auch Orientierung im Tagesablauf und fanden ihren Ausdruck in Bezeichnungen wie "Morgensonne", "Mittags-" und "Abendsonne". Die noch "wärmende Herbstsonne", die "heitere Frühjahrssonne", dies sind schon beinahe poetische Ausdrücke, die "liebe Sonne", die uns scheint und uns wärmt – in solchen Wendungen ist sie das gute Gestirn, das uns heiter und fröhlich stimmt. Die Sonne des Lebens.

Tag und Nacht und Nacht am Tag

Umgekehrt, wenn sie sich verfinstert, wenn eine Sonnenfinsternis zu erwarten ist, werden die Menschen bis zum heutigen Tage von einer seltsamen, oftmals nicht zugegebenen Unruhe und leiser Angst erfasst, denn der Volksglaube sitzt tief. Eine Sonnenfinsternis kündige den Weltuntergang oder zumindest große Katastrophen an, so hieß es in alter Zeit.

Aber wenden wir uns wieder dem Licht zu. Ein Tag voller Sonne ist ein "Sonnentag". In diesem Wort steckt eine alte Genitivform, nämlich "Sonnen-". Ein "Sonnentag" ist nicht ganz dasselbe wie ein "sonniger Tag". Ein "Sonnentag" ist in gewisser Weise die Steigerungsform eines "sonnigen Tages". Denn an einem Sonnentag scheint die Sonne den ganzen Tag über. Die Feriendomizile vor allem in südlichen Gefilden werben mit der Vielzahl ihrer Sonnentage.

Warum es auch an Sonntagen regnen kann

Nehmen wir aus "Sonnentag" den Genitiv heraus, so bekommen wir "Sonntag." Der Sonntag ist ein Wochentag, aber da es durchaus und nicht wenige verregnete oder trübe Sonntage gibt, darf man fragen, was oder wer ihm zu seinem Namen verholfen hat.

Griechen und Römer haben die Bezeichnung der Wochentage von der Kultur des Vorderen Orients übernommen. Die einzelnen Tage wurden nach den sieben Planetengöttern, zu denen auch Sonne und Mond zählten, benannt. So hieß der erste Tag der Woche im Lateinischen "dies solis", wörtlich übersetzt: "Tag der Sonne".

Der Tag des Herrn

Im Grunde genommen ist also das deutsche Wort "Sonntag" ein Lehnwort aus dem Lateinischen. Es muss sich in seiner Grundform vor der endgültigen Christianisierung, das heißt vor dem 4. Jahrhundert, im germanischen Sprachraum festgesetzt haben.

Denn in den romanischen Sprachen, so im Spanischen, Portugiesischen und im Französischen, ist der Sonntag der "Tag des Herrn", des christlichen Gottes. Lateinisch: "dies domini" oder "dominica". "Dimanche", "domingo", "domenica" heißt er heute im Französischen, Spanischen und Italienischen.

Die Sonne bringt's

Aber wenden wir uns noch einmal der Sonne zu. Seit der Entdeckung des Kopernikus, dass unsere Sonne keineswegs die einzige im Weltall ist, gibt es das Wort auch im Plural: die "Sonnen". "Die Sonne bringt es an den Tag", sagt der Volksmund, und das bedeutet, dass über kurz oder lang bei hellem Sonnenlicht die Wahrheit ans Tageslicht kommt, Verborgenes sichtbar wird.

Wie mit vielen anderen Wörtern ließe sich auch mit der "Sonne" fast das ganze Alphabet durchdeklinieren. Von "Sonnenanbetern", den Bräunungsbesessenen, die sich ununterbrochen sonnen, bis zur "Sonnenwende", dem Zeitpunkt, an dem die Sonne am längsten und am kürzesten Tag des Jahres ihren Lauf am Wendekreis ändert. Aber das ist noch eine Weile hin.

Fragen zum Text:

Wer rollte in einem Sonnenwagen über das Firmament?

1. Ikarus

2. Hermes

3. Helios

Der siebte Tag der Woche heißt Sonntag, weil …

1. Gott der Bibel zufolge am siebten Tag die Sonne erschaffen hat.

2. der Name auf den römischen Sonnengott zurückgeht.

3. die erste bekannte Sonnenfinsternis der Geschichte auf diesen Tag fiel.

Was bringt die Sonne an den Tag?

1. die Wahrheit

2. den Sonnenbrand

3. die Liebe

Arbeitsauftrag:

Mit "Sonne", so hieß es, ließe sich fast das ganze Alphabet durchdeklinieren. Probieren Sie es aus! Etwa fünfzehn Komposita aus "Sonne- " und einem Wort mit jeweils unterschiedlichem Anfangsbuchstaben sollten sich finden lassen.

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