1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Sonne und Schatten für Chinas Energie

Energie wird in China knapp, Pekings Regierung sucht nach Alternativen. Bundesaußenminister Joschka Fischer hat in China eines der größten deutsch-chinesischen Joint Ventures für Solarenergie eingeweiht.

default

Solarkollektoren wandeln Sonne in Wärme um

In der chinesischen Jinan gibt es jetzt die weltweit größte Anlage zur Produktion von Sonnenkollektoren. Die Betreiberfirma Shandong Linuo Paradigma Co. Ltd. gründete sich 2001 als deutsch-chinesisches Joint Venture. Der Röhrenkollektorhersteller Paradigma und der Glasröhrenproduzenten Linuo haben sich dafür zusammengetan.

Sonne statt Schokolade

Hauptgesellschafter der deutschen Firma Paradigma ist Alfred Ritter. Außer Ritter-Sport-Schokolade produziert der Fabrikant bereits seit langer Zeit Wärme aus Sonne. Ritter ist ein Fuchs, wenn es um die Produktion alternativer Energien geht. "Wir verfolgen mit dem Joint Venture die Strategie, dorthin zu gehen, wo die Märkte sind: In China produzieren wir für den asiatischen Markt, in Deutschland für den europäischen", sagt der Unternehmer.

Die deutsch-chinesische Firma stellt in der Vier-Millionen-Stadt Jinan 300 Kilometer südlich von Peking Kollektoren zur Warmwasserbereitung her. Das Riesenreich China ist der weltweit größte Solarmarkt. Gas ist wenig verfügbar und Öl wird fast ausschließlich für den Weltmarkt gefördert. Solare Heizsysteme stehen hoch im Kurs: Allein im Jahr 2003 wurden in China rund zehn Millionen Quadratmeter Kollektorfläche zur Warmwasserbereitung installiert, die Leistung eines halben Atomkraftwerkes. Bei Shandong Linuo Paradigma liefen die Geschäfte so gut, dass bereits im Jahr 2003 eine Exportabteilung eingerichtet wurde, die Solarsysteme in Länder wie Australien, Thailand oder Kanada verkauft. Das klingt zuversichtlich.

Finstere Aussichten für Chinas Energie

China Solarkocher Sonnenenergie Alternative Energiequelle Tibet

Solarkocher können die absehbare Energienot auf dem Lande lindern.

Bei allem Optimismus: Die absehbare Energienot im Fernen Osten ist nicht zu übersehen. China ist durch das eigene Wirtschaftswunder zu einem wahren Energiefresser geworden. In keinem Land der Erde wächst der Energieverbrauch rasanter. Mit seiner hohen Kohleverbrennung ist China nach den USA der zweitstärkste Verursacher des Treibhausgases Kohlendioxid. Die vorhandenen Kohlekraftwerke sind häufig veraltet und arbeiten ineffizent. "Die Kraftwerkskapazitäten in China arbeiten am Rande der Leistungsfähigkeit", sagt Jens Drillisch, Experte für erneuerbare Energien bei der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Noch immer leben rund 45 Millionen Chinesen in ländlichen Regionen ohne Zugang zu Elektrizität. Aber sie werden ihn in Zukunft einfordern. Die Sorge vor einem Notstand wächst.

Guter Wille ist erkennbar

Die chinesische Regierung hat das erkannt. Auf der bis dahin weltweit größten Konferenz für erneuerbare Energien, "Renewables 2004" in Bonn, verpflichtete sie sich, bis zum Jahr 2010 zehn Prozent der gesamten Stromerzeugeung aus erneuerbaren Energien bereitzustellen. Derzeit arbeitet man an einem Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien, unterstützt durch die GTZ. "Wir rechnen damit, dass das Gesetz Ende 2005 in Kraft treten kann", so Drillisch. Dabei wird es vorrangig um eine Vergütung netzgekoppelter Energieerzeugung wie Solar-, Wind- oder Wasserkraft gehen. "Es ist auch ein Fond geplant zur Unterstützung ländlicher Anlagen, die nicht an ein Stromnetz angeschlossen sind", sagt Drillisch. Besonders in entfernteren Regionen des Riesenlandes sind Sonne, Wasser oder Wind oft die einzige praktikable Möglichkeit für die Elektrizitätsgewinnung.

Die Folgen dieses Gesetzes sind erst in vielen Jahren absehbar. China wird trotz allen Fortschritts auch längerfristig noch von fossilen Energieträgern abhängig sein. Allein die Kohle - China ist weltweit der größte Kohleförderer - stellte nach Regierungsangaben 2003 rund 67 Prozent der Primärenergie. Die Hoffnung bleibt. Die Sorge auch.

Die Redaktion empfiehlt