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Projekt Zukunft

Sonne und Klima - was lehrt die Vergangenheit?

Zur Diskussion über den Klimawandel und seine Ursachen mit Prof. Achim Brauer vom Helmholtz-Zentrum Potsdam / Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

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DW: Herr Brauer, Sie untersuchen, wie sich die Sonne auf unser Klima auswirkt, indem Sie Bodenproben aus einem See in der Eifel nehmen. Was konnten Sie da nachweisen?

Achim Brauer: Richtig. Wir haben in der Eifel einen See des Meerfelder Maar erbohrt und haben uns da die Sedimentschichten genau angesehen, um eben in Zeiten zurückgehen zu können, in denen der Mensch noch nicht Temperatur oder Niederschläge messen konnte. Das heißt, wir wollen da etwas erfahren über den Zusammenhang zwischen Sonne und Klima.

Warum kann man das dort so besonders gut sehen?

Es ist dort sehr günstig, weil es in diesem See Ablagerungen gibt, die ähnlich wie die Baumringe Jahresschichtungen aufweisen. Das heißt, wir können über einzelne Jahreszeiten in der Vergangenheit etwas aussagen.

Was haben Sie dort herrausgefunden?

Dort haben wir zunächst einmal diese Ablagerungen genau unter dem Mikroskop angeschaut. Diese Schichten sind weniger als ein Millimeter dick. Man muss also mit dem Mikroskop arbeiten. Und dabei haben wir festgestellt, dass es vor allen Dingen im Frühjahr zu einer Zeit vor 2800 Jahren zu einer Häufung von Stürmen und sehr windigem Wetter gekommen ist.

Regional?

Regional. Gültig für Westeuropa. Wir haben gleichzeitig an diesen Sedimenten mit neuen Isotopenuntersuchungen etwas über die Sonne selbst erfahren können. Und haben festgestellt, dass diese Phase, etwa 150 Jahre, eine besonders starke Schwächephase der Sonne gewesen ist. Ein sogenannten "großes Minimum".

Wie oft kommt es zu solchen Sonnenminima - also dass die Sonne etwas schwächelt?

Wir wissen, dass in den letzten 11.000 Jahren etwa 20 von solchen großen Minima vorgekommen sind. Wenn man die Dauer von allen zusammen zählt, sind es etwa 1900 Jahre, das heißt circa 17% der Zeit.

Aber was die Ursache dafür ist, das weiß man nicht genau?

Die Ursachen sind nicht genau bekannt. Da sind die Sonnenphysiker dran, das zu verstehen. Wir wissen noch nicht genau, ob sie regelmäßig kommen oder einfach nur zufällig.

Sie haben es nachweisen können, vor 2800 Jahren war es so. Die Sonne war besonders schwach und es hatte Auswirkungen auf das Klima in Europa. Jetzt ist die spannende Frage: Kann das noch einmal passieren?

Das ist in der Tat eine spannende Frage, die auch sehr intensiv diskutiert wird. Das Problem ist, dass wir die Mechanismen noch nicht wirklich kennen, mit denen das Sonnensignal sich auf das Klima tatsächlich überträgt. Und das ist eigentlich auch die Motivation für unsere Forschung, in dem Bereich zu arbeiten. Da gibt es eine Hypothese über die Kosmischen Strahlen. Es gibt eine zweite, dass die UV-Strahlung stärker schwankt als die Gesamtstrahlung und sich auf die obere Atmosphäre auswirkt und dort über Veränderungen der Windströmung sich durchpaust auf die Troposphäre - die untere Atmosphäre, auf der das Wettergeschehen stattfindet - und wir eine Veränderung der Windsysteme haben. Das ist das, was wir letztlich erstmals in der Eifel an diesem See durch diese Zunahme der Windaktivität bestätigen konnten.

Aber an dem Klimawandel, der uns bevorsteht und an dieser massiven Erderwärmung, die wir seit der Industrialisierung beobachten - darauf hat die Sonne dann doch wenig Einfluss?

Das sind zwei unterschiedliche Dinge. Was wir herausfinden wollen ist, wie sind die Mechanismen und welchen Einfluss hat die Sonne tatsächlich. Ich glaube nicht, dass wir das im Moment schon abschließend sagen können, wie groß dieser Einfluss wirklich ist.

Schauen wir noch einmal auf das aktuelle Geschehen. Derzeit findet die 18. Weltklimakonferenz in Doha statt. Im Vorfeld haben Experten davor gewarnt: Wir schaffen es nicht bis zum Ende des Jahrhunderts, dass sich die Erde nur um zwei Grad erwärmt. Das ist aber der Wert, bei dem wir die Folgen gerade noch kontrolieren können. Wie sehen Sie das - schaffen wir dieses Zwei-Grad-Ziel?

Es wäre zu wünschen, dass die CO2-Reduktion gelingt, allerdings als Mensch, der aus der Vergangenheit lernt, muss ich sagen, wenn man sich die letzten 15 Jahre seit Kyoto ansieht, ist es eher so, dass wir heute mehr CO2-Ausstoß haben als jemals zuvor. Ich hoffe trotzdem, dass uns das in den nächsten Schritten gelingen wird.

Aber Sie sind auch eher skeptisch. Dankschön für diese Informationen.

(Interview: Maria Grunwald)