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Wirtschaft

Sonne, Strand und neue Nase

Wer sparen will, vergleicht die Preise, sucht - und findet in Osteuropa oder Asien: Goldzähne aus Ungarn, die neue Hüfte aus Thailand. Der neue Boom 'Medizintourismus'?

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Wo gibt's die billigsten Zähne?

Die Zahnklinik mit dem klangvollen Namen "Diamant Dent" wirbt mit "Zahnwochen": Taxiservice, Unterbringung und Freizeitprogramm inklusive, bei denen zwischen Gulaschparty, Budapest-Ausflug und Plattensee mal eben die Installation der Goldkrone eingeschoben wird. Und das findige Komplett-Arrangement ist nicht das Einzige: rund 150 Zahnärzte tummeln sich in dem kleinen ungarischen Städtchen Mosonmagyarovar, 70 Kilometer von Wien entfernt - und sie alle buhlen um zahlungskräftige Patienten aus dem Ausland.

Auf Schnäppchensuche

Parlament und Donau Budapest Ungarn

Ungarn - das Zahnarztmekka

Immer öfter jetten Medizintouristen um den Globus auf der Suche nach der Schnäppchenbehandlung: Zähne aus Ungarn, neue Nasen und Brüste aus Tschechien, die kostengünstige Hüfte gibt es in Thailand und die Augen-OP in der Türkei. Allein die US-Bürger geben einer Studie des Hamburger Instituts für Internationale Wirtschaft zufolge rund sechs Milliarden Dollar für medizinische Behandlungen in Lateinamerika aus. Indien erwartet bis zum Jahr 2012 eine zusätzliche Milliarde Umsatz in diesem Bereich und bereits 2001 kamen mehr als 70.000 Privatpatienten zur Behandlung nach Malaysia. Der Medizintourismus boomt.

Das Geheimnis: niedrige Löhne

Das bestätigt auch "Diamant Dent"-Chefin Adrienne Roth. Von den rund 40 Patienten, die täglich in ihrem Behandlungsstuhl sitzen, seien 98 Prozent Westeuropäer. Das Geschäft brummt: "Wir sind zu 99 Prozent ausgelastet." Der Grund: "Wir sind billiger. Implantate kosten hier 620 Euro, in Deutschland gibt es die ab 1000 Euro aufwärts." Dabei sei die Qualität die gleiche, versichert sie. Die niedrigen Preise kämen aufgrund niedriger Löhne zustande: Ein Techniker in Ungarn verdiene etwa 300 Euro monatlich, in Deutschland hingegen das Fünffache.

Die Kasse zahlt - manchmal

Behandlungen in EU-Ländern zahlt die Krankenkasse, wie Barbara Mahnach vom AOK-Bundesverband erklärt: "So ein Trip kann lohnenswert sein, denn dann sinkt ja auch der Eigenanteil des Patienten." Jenseits der EU-Grenzen übernehmen die deutschen Krankenkassen hingegen keine Behandlungskosten.

Strand im Südwesten der Insel Mauritius

Badeurlaub - zwischendurch die OP einschieben

Darum kommen die Deutschen auch nicht in den Genuss bezahlter Fernostreisen, denn die asiatischen Gesundheitsdienstleister lassen Krankenhausaufenthalte immer öfter einem Luxusurlaub gleichen. Und längst bieten findige Reisebüros Pauschalreisen mit Badeurlaub und OP inklusive an. Ralf Krewer, Marketing-Chef des Bangkok-Hospital: "Für das Geld, das Leute in Europa hinblättern, können sie sich bei uns behandeln lassen und Familienurlaub machen." Die Qualität leide unter den Preisen nicht, die Pflege sei besser als in Deutschland. Angesichts dieser Angebote vergessen die Patienten schon mal schnell die Schwierigkeiten, thailändische Krankenhäuser bei etwaigen Kunstfehlern zu belangen: 650.000 Medizintouristen reisten im vergangenen Jahr ins südostasiatische Königreich.

Medizintouristen in Deutschland

Warten auf Weltbank Treffen in Dubai

Medizintouristen für Deutschland

Doch die Wanderbewegungen finden auch in umgekehrter Richtung statt. Briten und Norweger reisen nach Deutschland weil die Wartelisten zu Hause lang sind. Ingesamt sind dies nach Schätzungen von Peter Oberender, Gesundheitsökonom an der Universität Bayreuth, rund 10.000 Patienten jährlich. Hinzu kämen reiche Russen, angelockt vom guten Ruf der deutschen Medizin und Patienten aus dem arabischen Raum. "Diese zahlungskräftigen Patienten aus dem Ausland sind hochattraktiv, weil sie Einnahmen außerhalb Krankenkassen-Budgets darstellen und Zusatzgewinne versprechen", sagt Oberender.

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