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Wirtschaft

Song Contest als Wirtschaftsfaktor

Was für ein Mega-Event: Wenn am 14. Mai Nachwuchs-Star Lena versucht, sich in die Herzen eines ganzen Kontinents zu singen, sind europaweit rund 120 Millionen Menschen via TV dabei. Doch vorher wurde kräftig investiert.

Logo Eurovision Song Contest DÜsseldorf ESC (Foto: ARD)

Top-Thema beim diesjährigen Rosenmontagszug in Düsseldorf: Oberbürgermeister Dirk Elbers, dargestellt auf einem Festwagen als streng gescheitelter Hund, hält stolz grinsend einen goldenen Knochen mit der Aufschrift Eurovision Song Contest (ESC) im Maul. Weggeschnappt hat er ihn dem geifernden Bluthund Klaus Wowereit, seines Zeichens Regierender Bürgermeister von Berlin. Die Botschaft ist klar: Die Stadt, die den Song Contest ausrichten darf, hat das große Los gezogen.

Vom Gewinner zum Veranstalter

Lena Meyer-Landrut gewinnt den Eurovision Song Contest 2010 in Oslo (Foto: dpa)

Sängerin Lena holte mit ihrem Sieg in Oslo den ESC nach Deutschland

Nachdem Sängerin Lena mit ihrem ESC-Sieg im vergangenen Jahr die Ausrichtung des Musikwettbewerbs nach Deutschland geholt hatte, konnte Düsseldorf die Mitbewerber Hannover, Hamburg und Berlin aus dem Rennen schlagen.

Denn die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt scheut weder Kosten noch Mühen und stellt ihr Fußballstadion als Veranstaltungsort zur Verfügung. Allerdings musste dieser Fußballtempel bereits sechs Wochen vor dem eigentlichen Event für die Aufbauarbeiten und Proben zum Mega-Event frei gehalten werden.

Fußballverein zieht um

Esprit Arena in Düsseldorf (Foto: Andreas Brenner)

Die Arena in Düsseldorf

Deshalb zog sogar der Fußballzweitligist Fortuna, der normalerweise seine Heimspiele in der Arena austrägt, in dieser Zeit um. In direkter Nachbarschaft wurde auf der grünen Wiese von einer Schweizer Spezialfirma ein Interims-Fußball-Stadion gebaut, das immerhin 20.000 Besuchern Platz bietet. Kostenpunkt: Rund 2,8 Millionen Euro.

Diese Investition ist nur ein Teil dessen, was Düsseldorf in den ESC investiert hat. "Für den Wettbewerb als solchen wurden im Haushalt der Stadt Düsseldorf 7,8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt", sagt der vom Oberbürgermeister eingesetzte ESC-Projektleiter Andre Boschem im Gespräch mit DW-WORLD.DE, "und diese Mittel setzen wir auch ein."

Oslo als Vorbild

Als feststand, dass der ESC in ihre Stadt kommt, sind die Düsseldorfer nach Oslo gereist und haben vom Erfahrungsschatz der Veranstalter des vergangenen Jahres profitiert. "Dort sind die Tourismuszahlen durch das Event im zweistelligen Bereich gestiegen", weiß Boschem, "das war für uns eine sehr markante Größe."

Thyssen-Hochhaus in Düsseldorf (Foto: Stadt Düsseldorf)

Die Fassade des Thyssenhochhauses soll beim Eurovision Song Contest zum größten Fernseher der Welt werden

Hinzu käme der gewaltige Werbeeffekt durch die Berichterstattung in nationalen und internationalen Medien. Hätte man alle Zeitungsartikel und Meldungen bezahlen müssen, so wurde in Oslo errechnet, hätte das rund 200 Millionen Euro gekostet.

Und auch wenn diese beachtliche Summe letztendlich nur auf Schätzungen beruht, ist sich Boschem sicher: "Wir werden durch die Berichterstattung über den ESC auf Düsseldorf als prosperierenden Wirtschaftsstandort und im Tourismusbereich nachhaltig aufmerksam machen."

Federführung beim NDR

Veranstaltet wird der ESC von der European Broadcasting Union (EBU) jeweils im Land des Vorjahressiegers. Zuständig ist damit die öffentlich-rechtliche Senderfamilie ARD unter Federführung des Norddeutschen Rundfunks (NDR) als eigentlichem Ausrichter des ESC.

Das bringt große Herausforderungen: 43 Nationen sind im Wettbewerb vertreten. Die Anreise und Unterbringung von mehr als 1000 Delegationsmitgliedern mussten organisiert werden, ebenso der Umbau einer Leichtathletikhalle in ein Pressezentrum für die rund 2500 Journalisten aus aller Welt. Die beiden Halbfinals, eine öffentliche Generalprobe und schließlich das Finale am 14. Mai werden vor jeweils 36.000 Live-Besuchern in Szene gesetzt.

Ereignis von Weltrang

Thomas Schreiber (Foto: NDR)

TV-Mann Thomas Schreiber

"Der Eurovision Song Contest ist sicherlich nach den Olympischen Spielen und der Fußballweltmeisterschaft das drittgrößte Fernsehereignis weltweit", sagt der verantwortliche ARD-Unterhaltungs-Chef Thomas Schreiber im Gespräch mit DW-WORLD.DE. "Wir übertragen in mehr als 50 Länder bis hin nach Australien, Neuseeland und in die USA." Gerechnet werde mit bis zu 125 Millionen Zuschauern.

Das alles kostet natürlich eine Menge Geld. Über die genaue Höhe der Kosten schweigt sich die gebühren-finanzierte ARD aus. Die NDR-Pressestelle teilt auf Anfrage lediglich mit, "dass der ARD-Anteil an den Gesamtkosten circa ein Viertel unter dem liegt, was die norwegischen Kollegen in Oslo aufgewendet haben." Medienexperten beziffern die Gesamtkosten für den ESC im vergangenen Jahr in Oslo auf rund 25 Millionen Euro. Der norwegische Fernsehsender NRK habe davon etwas mehr als 16 Millionen aufgebracht.

Geld steht nicht im Vordergrund

Folgt man dem NDR, so wird das deutsche Fernsehen in diesem Jahr also mit elf bis zwölf Millionen Euro beteiligt sein. Hinzu kämen, so heißt es in der offiziellen Verlautbarung der ARD, rund 3,8 Millionen Euro von der European Broadcasting Union (EBU): "Diesen Beitrag finanzieren die den ESC übertragenden EBU-Mitglieder anteilig per Umlage. Außerdem haben wir Einnahmen durch Ticketverkauf und durch Sponsorenverträge."

Alles in allem dürften die gesamten Aufwendungen also auch in diesem Jahr irgendwo zwischen 23 und 25 Millionen Euro liegen – eine vergleichsweise überschaubare Summe. Denn die Stadt Düsseldorf steuert ihren Anteil ja dazu bei. Und mit Jahreseinnahmen von insgesamt etwa acht Milliarden Euro sind ARD und ZDF das reichste öffentlich-rechtliche Fernsehsystem der Welt.

Für die deutschen TV-Macher geht es in diesem Jahr beim ESC in erster Linie darum, mit einer perfekten Veranstaltung zu glänzen. ARD-Unterhaltungs-Chef Thomas Schreiber bringt die Frage nach den Finanzen so auf den Punkt: "Der Eurovison Song Contest ist keine Veranstaltung, die man ausrichtet, wenn man Geld verdienen möchte."

Autor: Klaus Ulrich

Redaktion: Henrik Böhme

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