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Politik

Sondereinheiten beenden Geiselnahme im "Taj Mahal"-Hotel

Spezialeinheiten haben die Geiselnahme in dem Hotel "Taj Mahal" beendet, doch im "Trident Oberoi" dauern die Kämpfe mit den Extremisten an. Unter den mehr als 100 Toten ist auch ein Deutscher.

Sicherheitskräfte in der Nähe des Gebäudes Nariman Bhawan, wo jüdische Familien als Geiseln genommen wurden (Foto AP)

Sicherheitskräfte in der Nähe des Gebäudes "Nariman Bhawan", wo jüdische Familien als Geiseln genommen wurden

Mehr als hundert Tote und etwa 300 Verletzte - das ist am Donnerstag (27.11.2008) die vorläufige Bilanz der Anschlagsserie von Bombay. Unter den Opfern befinden sich auch einige Ausländer. Der Münchner Medienunternehmer Ralph Burkei starb während des Überfalls auf das Luxushotel "Taj Mahal". Sicherheitskräfte stürmten inzwischen das von Terroristen besetzte Hotel Taj Mahal. Es gebe keinerlei Zeichen einer Geiselnahme, teilten die örtlichen Behörden mit. Dagegen sei die Geiselnahme in dem zweiten von Terroristen besetzten Luxushotel, dem "Oberoi Trident" noch nicht beendet. Augenzeugen berichteten von Explosionen in dem Hotel. Aus dem Gebäude dringe Rauch, hieß es in lokalen Berichten. Die Polizei teilte mit, die Zahl der Toten bei der beispiellosen Terrorserie sei auf mindestens 101 gestiegen. Mehr als 300 Menschen seien verletzt worden. Ein Polizeisprecher sagte, unter den Toten seien sechs Ausländer, die aber noch nicht identifiziert seien.

EU-Delegation floh aus besetztem Hotel

Ein Opfer der Schießereien zeigt seine Wunde (Foto AP)

Ein Opfer der Schießereien zeigt seine Wunde

Eine Delegation von sieben Abgeordneten des Europaparlaments, die im Taj Mahal-Hotel in Bombay den Terrorüberfall erlebte, befindet sich in Sicherheit. Dies teilte der Karlsruher Europaabgeordnete Daniel Caspary (CDU) mehreren deutschen Medien mit. "Wir alle sind vom Ausmaß der Gewalt extrem überrascht", sagte Caspary. Er selbst habe sich zum Zeitpunkt des Anschlags außerhalb des Hotels befunden. Mehrere Abgeordnete seien jedoch "im Kugelhagel aus dem Hotel geflohen." Die Delegation war am Dienstag in Bombay angekommen und wollte an diesem Donnerstag wieder abreisen. "Derzeit gibt es aber keine Flüge aus Bombay heraus", sagte Caspary.

Terroristen fordern Freilassung von Islamisten

Zwei Geiseln nach ihrer Befreiung aus dem Hotel Taj Mahal (Foto AP)

Zwei Geiseln nach ihrer Befreiung aus dem Hotel Taj Mahal

Zu der Serie von Anschlägen in der Millionenstadt hat sich eine bislang unbekannte muslimische Gruppe namens "Deccan Mudschaheddin" bekannt. Einer der Terroristen sagte dem Fernsehsender India TV, man fordere die Freilassung von Gesinnungsgenossen aus indischen Gefängnissen. Die Terroristen hatten am späten Mittwochabend unter anderem zwei Luxushotels, den Hauptbahnhof und ein Café gestürmt, das Feuer eröffnet, Handgranaten geworfen und Geiseln genommen. Augenzeugen berichteten, die Angreifer im Taj-Hotel hätten gezielt nach Amerikanern und Briten gesucht. Nach Polizeiangaben wurden bislang mindestens fünf Terroristen getötet und neun weitere festgenommen, zwei konnten fliehen. Mindestens 14 Polizisten wurden getötet. In Bombay blieben am Tag nach der Anschlagserie zahlreiche Geschäfte und öffentliche Einrichtungen geschlossen.

Bundesregierung setzt Krisenstäbe ein

Polizisten patrouillieren in den Straßen (Foto AP)

Polizisten patrouillieren in den Straßen

Die französische EU-Ratspräsidentschaft verurteilte die Anschläge und betonte, Europa stehe an der Seite der indischen Nation. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Anschläge im Namen der deutschen Bundesregierung "auf das Schärfste". Das Auswärtige Amt habe zur Stunde noch keine Klarheit über mögliche deutsche Opfer, sagte Steinmeier in Berlin. "Es sind grausame Bilder, die uns aus Indien erreichen. Ich bin bestürzt über die Anschläge", sagte er. Beim Auswärtigen Amt in Berlin und beim Generalkonsulat in Bombay seien Krisenstäbe eingerichtet worden. Auch ein psychologisches Beratungsteam sei auf dem Weg nach Indien.

Indien ist immer wieder Ziel von Anschlägen

Feuer im historischen Taj-Mahal-Hotel (Foto AP)

Feuer im historischen Taj-Mahal-Hotel

Indien wurde in den vergangenen Monaten wiederholt von Anschlägen erschüttert. Im Oktober kamen bei einer Anschlagserie im nordöstlichen Bundesstaat Assam mehr als 70 Menschen ums Leben, Mitte September wurden bei Anschlägen in der Hauptstadt Neu Delhi 24 Menschen getötet. Im Juli 2006 waren bei einer schweren Anschlagsserie in Bombay etwa 190 Menschen getötet und hunderte verletzt worden.

Die Hafenstadt Bombay am Arabischen Meer ist das Finanzzentrum Indiens und zugleich dessen führender Handels- und Industrieplatz. Als Filmmetropole Indiens wird die Stadt auch als "Bollywood" bezeichnet. Die sowohl von Reichtum als auch bitterster Armut geprägte 13-Millionen-Einwohner-Stadt im Westen des Landes ist noch vor Kalkutta und der Hauptstadt Neu Delhi die größte Stadt Indiens. (mm)

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