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Amerika

Sondereinheit gegen Brasiliens Urwaldmafia

Immer stärker drängt das organisierte Verbrechen in den brasilianischen Regenwald vor, um sich am lukrativen Raubbau zu beteiligen. Die Regierung will nun mit einer neuen Sondereinheit Umweltverbrechen bekämpfen.

Die kriminellen Banden stützen sich beim Raubbau auf immer ausgeklügeltere Methoden: auf raffinierte Bestechungssysteme, organisierten Betrug und Hackerangriffe auf offizielle Internetseiten. "Wir sprechen von organisiertem Verbrechen", sagt Regina Miki entschieden. Sie ist Chefin des Sekretariats für Nationale Sicherheit (SENASP).

"Auf Anordnung der Präsidentin Dilma Rousseff müssen wir bis Ende 2014 die Rodung auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen bringen", sagt Miki im Gespräch mit der DW. "Ab diesem Zeitpunkt werden wir die fraglichen Gebiete kontinuierlich überwachen, massive Präsenz zeigen und unter keinen Umständen weitere illegale Rodungen zulassen."

Sondereinheit für die Umwelt

Ein Mann fällt einen Baum mit einer Motorsäge (Foto: dpa)

Die neue Behörde soll Rodungswerkzeug sicherstellen

Um der Lage endlich Herr zu werden, kündigten die Minister für Umwelt und Justiz gemeinsam mit dem Kommandanten der Streitkräfte jetzt die Bildung der "Nationalen Streitkraft für die Sicherheit der Umwelt" an. Sie soll aus 18.000 Polizisten bestehen und bei Bedarf Hilfe von Armee, Nationalgarde und Militärpolizei erhalten.

Die neuen Einsatzkräfte sollen das Institut für Umwelt und natürliche, erneuerbare Ressourcen (IBAMA) bei der Überwachung der Rodungen unterstützen, illegal verwendete Maschinen sicherstellen oder zerstören sowie deren Eigentümer identifizieren. Weitere Details über die finanzielle und personelle Ausstattung der neuen Behörde wollte Miki nicht bekannt geben. Aus gutem Grund: "Oft genug haben die kriminellen Waldzerstörer geheime Strategien zu früh gekannt."

International organisiertes Wald-Verbrechen

Dem Bericht "Green Carbon: Black Trade" zum Schwarzhandel, im September 2012 von Interpol und UN vorgelegt, ist zu entnehmen, dass das organisierte Verbrechen für bis zu 90 Prozent aller illegalen Rodungen verantwortlich ist. Die entsprechenden Organisationen agieren in Ländern wie Indonesien, der Demokratischen Republik Kongo, Malaysia und Papua-Neuguinea; am intensivsten aber sei deren Treiben in Amazonien. Bei dem Geschäft geht es um bis zu 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Lukrativer und weniger gefährlich

"Bei diesen Summen können wir nicht auf eine nachhaltige Entwicklung hoffen, ohne die Kartelle aktiv zu bekämpfen", sagt Christina Nellemann vom UN-Umweltprogramm PNUMA. "Je stärker das organisierte Verbrechen ist, desto wichtiger werden staatliche Organe wie die neue Umwelt-Streitkraft."

Polizisten bewachen ein Boot mit einer beschlagnahmten Holzladung (Foto: AP)

Bei der illegalen Abholzung geht es um wertvolles Tropenholz, aber auch um Bodenschätze und Anbauflächen

"Wir merken, wie sich die Kriminellen mehr und mehr dem Raubbau verschreiben, weil er rentabler und weniger gefährlich ist als andere Geschäfte", berichtet die Behördenleiterin Miki. "Diese Organisationen haben ihre eigenen Geheimdienste, deshalb müssen wir ihre Geldflüsse abwürgen, um sie zu ersticken."

Kriminelle Joint-Ventures

In Brasilien unterhalten internationale Unternehmen die illegale Milliardenindustrie durch lokale Beteiligungen. Die Aufgabe der Nationalen Umwelt-Streitkraft wird es sein, gegen diese Verstrickungen auf brasilianischem Territorium vorzugehen. Die internationalen Köpfe der Organisationen aufzuspüren, ist dagegen Sache von Interpol. "Wir zählen auf die Hilfe und Erfahrung der brasilianischen Behörden", sagt Davyth Stewart von Interpol im Interview mit der DW.

Der Agent sieht einen neuen Ansatz in der brasilianischen Initiative, mehrere staatliche Sicherheitsorgane zu vereinen, um Umweltverbrechen zu bekämpfen. Um diese kriminellen Netze zu identifizieren bedürfe es einer Kombination aus strengerer staatlicher Überwachung der Bilanzen einschlägiger Unternehmen, aus verschärfter Kontrolle von Grenzen und Handelsgütern und aus einer Überarbeitung der Gesetze.

Umdenken erkennbar

In der Vergangenheit kamen überführte Umweltstraftäter - besonders für Vergehen im Zusammenhang mit dem Regenwald - meist glimpflich davon. "Das geschah, weil Waldverbrechen als Straftaten ohne Opfer gesehen wurden, bei denen niemand 'verletzt' wurde. Mittlerweile erkennen die Autoritäten aber, dass die Entwaldung zahlreiche Opfer hat", analysiert Stewart. Einerseits leiden die indigenen Völker unmittelbar unter der Gewalt skrupelloser Organisationen, andererseits entstehen irreversible Umweltschäden, die auch das lokale und weltweite Klima aus dem Gleichgewicht bringen.