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Musik

Soname, die Stimme Tibets

Sie gilt als Stimme Tibets und tritt neben Stars wie Elton John oder Björk auf. Dabei hätte die 36-jährige Soname Yangchen sich vor ein paar Jahren noch nicht träumen lassen, je öffentlich zu singen.

CD-Cover Soname (Foto: World Vill)

Singen hat für Soname eine spirituelle Bedeutung

Im Jahr 2005 schrieb Soname in dem Buch "Wolkenkind" die bewegende und turbulente Geschichte ihres Lebens auf, das sie von Tibet über Indien und Frankreich bis nach England führte. Hier lebt sie heute mit Tochter und Ehemann und ist sehr dankbar für ihr neues Leben. Noch heute sei sie jedes Mal wieder beeindruckt, sagt sie, dass warmes Wasser einfach so aus dem Hahn fließe und dass man in diesem seltsamen Land sogar Tiere mit Fleisch füttere. "Ich habe gelernt, was es bedeutet, bitterarm zu sein und ich habe sehr oft Hunger gelitten", erzählt Soname. "Jetzt geht es mir gut. Aber ich kann mich doch jetzt nicht einfach zurücklehnen und sagen, meine Taschen sind voll. Nein, ich möchte anderen etwas zurückgeben."

Knechtschaft statt Freiheit

Soname kam 1973 als Kind einer alten Adelsfamilie zur Welt und hätte eine glückliche Kindheit unter Tibets weitem Himmel verbringen können. Aber die chinesischen Besatzer terrorisierten ihre Familie, und um ihre Tochter in Sicherheit zu bringen, schickten Sonames Eltern sie zu einer Tante in die tibetische Hauptstadt Lhasa. Doch die schob das Kind ab, und so landete sie als Haussklavin bei fremden Leuten. Zehn Jahre lang dauerte ihr Martyrium, bis sie als 16-jährige nach Indien floh und schließlich in England landete.

Porträt Soname (Foto: dpa)

Soname berichtet im Buch "Wolkenkind" über ihr Leben in Tibet

Dort arbeitete Soname als Küchenhilfe und als Putzfrau und manchmal sang sie dabei. Allerdings hätte sie sich nie vorstellen können, in der Öffentlichkeit zu singen. "Ich habe auch gar nicht gewusst, dass das möglich ist", erklärt sie. "Ich wurde ja wie eine Gefangene gehalten und hatte jahrelang gar keinen Kontakt zur Außenwelt." Soname war acht Jahre alt, als sie zum ersten Mal Michael Jackson im Fernsehen sah. "Er sprang wie wild herum und die Zuschauer waren ganz aus dem Häuschen und jubelten. Ich dachte, sie amüsieren sich über seinen Tanzstil und habe gar nicht verstanden, dass er berühmt war und Geld mit seiner Musik verdiente."

Der Körper ist die Hülle der Seele

Wie sollte die kleine Soname das auch ahnen, denn öffentliche Musikerauftritte gab es in Tibet nicht. Erst die Chinesen gründeten in den 80er Jahren Chöre, deren Sänger wie ganz normale Staatsbedienstete und nicht wie Superstars bezahlt wurden. Trotzdem, erzählt Soname, gehörte Gesang schon immer zur tibetischen Kultur wie die Luft zum Atem. In den Dörfern singen die Männer und Frauen bei der Feldarbeit, beim Kochen und in ihrer Freizeit. Soname selbst hat nie Gesang studiert, aber Singen hat für sie eine spirituelle Bedeutung. "Wir Menschen leben in tiefster Unwissenheit und klammern uns an materielle Dinge", sagt die Buddhistin. Dabei sei der Körper doch nur die Hülle der Seele. Wer sich zu sehr an weltliche Dinge oder an nahe stehende Menschen klammere, dessen Seele könne nicht weiterreisen. "Sonst bleiben wir nach dem Tod als Geist gefangen. Man muss sich von den irdischen Fesseln lösen."

Manchmal werden Märchen wahr

Mönche in Lhasa (Foto: AP)

Soname: Lobgesang an das Dach der Welt

Ihre Karriere als Sängerin begann, als Soname bei einer Hochzeitsfeier dem Brautpaar anbot, ein Lied aus ihrer Heimat zu singen. Die Gäste waren tief bewegt, und weil das Leben manchmal Märchen wahr werden lässt, befand sich unter ihnen ein Musikproduzent. Er entdeckte Soname als Stimme Tibets. Nach ihrem Debüt "Unforgettable Land" hat Soname jetzt ihr zweites Album "Plateau", einen Lobgesang an das Dach der Welt veröffentlicht. Die tibetische Dranyen-Laute und das Saiteninstrument Gumang treffen auf westliche Klarinetten und Harfenklänge und symbolisieren Sonames Reise zwischen den Welten.

Ein Flügel des Dalai Lamas

Soname ist sehr glücklich in England, das betont sie immer wieder, doch tief in ihrem Herzen ist die Erinnerung an das Dorf ihrer Kindheit und an ihr Volk verankert. Als Botschafterin Tibets sieht Soname sich nicht, aber sie nimmt regelmäßig an Benefizveranstaltungen zugunsten des Landes teil. "Ich möchte wie ein Flügel des Dalai Lamas sein", lächelt sie bescheiden. "Er ist so freundlich und großzügig, und er hat mir beigebracht, dass man nicht als große Gruppe die Welt verbessern kann." Wie solle das auch gehen, führt sie aus, wenn schon liebenden Eheleute sich bis aufs Blut streiten? Daher lautet Sonames Credo: "Jeder Mensch muss bei sich selbst anfangen, die Welt zu verschönern, indem er sein Umfeld zum Lächeln bringt. Das ist die Botschaft meines Albums."

Autor: Suzanne Cords

Redaktion: Matthias Klaus

CD-Tipp:. Soname "Plateau", Label Wrasse Records