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DW-Sommerreise

Sommerreise Teil 1 - Ein Nachmittag im Dresdener Plattenbau

Bei Rechtsextremismus und Rassismus macht Sachsen oft Schlagzeilen - besonders die Landeshauptstadt Dresden. Wie ausländerfeindlich sind die Dresdner? Nina Haase und Sumi Somaskanda waren auf der DW-Sommerreise dort.

BTW Sommerreise Bürgerstimmen (DW)

Station vor Dresdner Kulisse: Nina Haase und Sumi Somaskanda

Vieles an Dresden ist konservativ. Die prachtvollen barocken Bauten der historischen Altstadt, einige davon wiederaufgebaute Kriegsruinen, prägen das Stadtbild und das Image. 

Den Ruf der Region hat auch der Rechtsextremismus in den vergangenen Jahren geprägt. Seit 2015 ist die Zahl der Angriffe auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte massiv gestiegen. In Freital, 20 Minuten entfernt von Dresden, steht eine Gruppe von acht Personen vor Gericht. Die Klage lautet auf Bildung einer Terrorzelle und fünf Anschläge auf Asylbewerberheime. Und auch die Anti-Islam-Bewegung Pegida ist weiterhin stark, die im Rest Deutschlands schon wieder an Bedeutung verloren hat. 

Am ersten Tag unserer Sommerreise gehen wir zum sogenannten Pegida-Spaziergang auf dem Dresdener Neumarkt. Die meisten Teilnehmer wollen nicht mit uns sprechen. Diejenigen aber, die uns nicht sofort als "Lügenpresse" abstempeln, betonen, dass sie dieses Jahr erst recht auf die Straße gehen - schließlich ist Wahljahr.

Dresden ist auch eine Stadt der Paradoxe. Es gibt hier auch eine starke linke Szene, die Initiativen gegen Rechts sind aktiv und gut vernetzt. Es sei wichtig, sich gegenseitig Mut zuzusprechen, sagen viele Mitstreiter. Diese Engagierten wollen das Image der Rechtspopulismus-Hochburg loswerden und für eine offene, multikulturelle Gesellschaft werben. Dafür organisieren sie zum Beispiel bei "Dresden isst bunt" gemeinsame Essen mit 5000 Menschen aus verschiedenen Kulturen. 

Video ansehen 01:55

#DeutschlandWaehlt: Die Dresdener

Nah und doch fern der Villen

Nur acht Minuten Autofahrt trennen eine Villensiedlung von der Koitschgraben-Siedlung in Dresden-Strehlen. Sechs- bis siebengeschossige Plattenbauten wurden hier zu DDR-Zeiten errichtet. Damals, in den 1970er und 1980er Jahren, galten die Gebäude als schick, die mehr als 3000 Wohnungen waren modern ausgestattet. Heute blättert der Putz von den Wänden und die Koitschgraben-Siedlung gilt als belastetes Umfeld. Immer mehr Menschen hier haben keine Arbeit, gelten als sozial benachteiligt.

BTW Sommerreise Bürgerstimmen Dresden Michael Honau (DW)

Disziplin bei der Bundeswehr gelernt: der 26-jährige Michael Honauer

Wir treffen Michel Honauer, als er gerade Bekannten hilft, neben dem zentralen Spielplatz eine neue Eisdiele einzurichten. Der 26-Jährige hatte hier im Koitschgraben das, was man eine schwierige Jugend nennt. So sagt er das selbst. Seine Mutter, eine Epileptikerin, fand keine ständige Anstellung. Sie brachte sich und ihre Familie eben so durch. Michel selbst brach immer wieder Schule und Ausbildung ab. Er schloss sich der Jugendgang in seinem Viertel an. Gewalt habe er aber nie angewendet, sagt er.

Mit 19 trat Michel Honauer in die Bundeswehr ein. Dort lernte er Disziplin. Zum ersten Mal hatte er keine Probleme mit Autorität, erzählt er. Später arbeitete er in der Gebäudesicherheit - zum Schluss auch in einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. Dort sei oft die Stimmung gekippt, es habe "Geplärre" gegeben. Er und seine Kollegen hätten öfter "eingreifen" müssen, "indem wir uns eine Stufe über die stellen mussten".

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