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Wirtschaft

Sommermärchen als Wirtschaftsmärchen?

Wie war das schön: Fahne schwenken, Bier trinken, die Welt zu Gast. Und nach dem Sommermärchen kam auch gleich der Aufschwung. Und was hat der mit der WM zu tun? Nichts, sagen Forscher.

Goleo war kein Midas: Abtransport eines Maskottchens. Quelle: dpa

Goleo war kein Geldbringer: Abtransport eines Maskottchens

Die Ökonomen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) bewerten in ihrer am Mittwoch (18.4.) veröffentlichten Analyse "Volkswirtschaftliche Bedeutung von Fußball-Weltmeisterschaften" die gesamtwirtschaftliche Dimension der WM 2006 - und da spielte das so enthusiastisch gefeierte Turnier keine Rolle. Von der WM gingen "keinerlei nennenswerten positiven gesamtwirtschaftliche Effekte aus", heißt es in der Studie. Die deutsche Wirtschaft habe erst in der zweiten Jahreshälfte durch steigende Inlandsnachfrage angezogen - durch vorgezogene Anschaffungen wegen der Mehrwertsteuererhöhung zum Jahreswechsel.

"Ein schöner Spaß"

Die DIW-Ökonomen Karl Brenke und Gert Wagner zeigen anhand von Statistiken, dass die im Vorfeld geäußerten Hoffnungen auf einen Konjunktur-Impuls durch die WM völlig überzogen waren. "Um nennenswerte Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum zu haben, ist eine Fußball-WM schlicht zu klein", sagt Gert Wagner, Forschungsdirektor für Soziales Risikomanagement. "Die WM war ein schöner Spaß. Nicht mehr und nicht weniger."

Bierkastentragender Fan aus England. Quelle: AP

Bier lief gut

Grundsätzlich stünden ökonomische Bewertungen von sportlichen Großereignissen vor enormen statistischen Problemen, sagt der Sportökonom Markus Kurscheidt von der Universität Bochum. "Man muss es schaffen, die Zahlen aus allen anderen Trends herauszufiltern". So ist es schwer zu bewerten, in welchem Maße Investitionen aufgrund der WM getätigt wurden - und welche anderen Investitionen dadurch verdrängt worden sein könnten. Beim DIW ist man sich allerdings sicher: Der Anteil der WM-Investitionen in den Jahren von 2002 bis 2005 entsprach gerade einmal 0,2 bis allerhöchstens 0,7 Promille der Wirtschaftsleistung.

Gewinne - für die FIFA

Naturgemäß spülte die WM beachtliche Gewinne in die Kassen der FIFA (187 Millionen Euro) und des Deutschen Fußballbunds (21 Millionen). Auch die Gastronomie verdiente gut an Fußball und Hitze, doch waren etwa im Einzelhandel überhaupt keine Effekte zu erkennen. Es kamen zur WM zwar mehr Gäste aus dem Ausland nach Deutschland, doch blieb deren Zahl hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Es floss jedoch weit weniger Geld als vorhergesagt - zudem kommen ohnehin seit Jahren mehr Touristen nach Deutschland. Die WM-Gäste aus dem Ausland dürften allenfalls 500 Millionen Euro ausgegeben haben - eine volkswirtschaftlich vernachlässigbare Größe. Zusätzliche Beschäftigung hat die WM nur temporär geschaffen - etwa im Gastgewerbe.

Deutschlandfahnen und Danke-Schilder auf der Fan-meile in Berlin. Quelle: dpa

Standortpolitik: Konnte gar nicht besser laufen.

Das hatte vor der WM bei einigen Prognosen noch ganz anders geklungen. Bis zu zehn Milliarden Euro an wirtschaftlichen Effekten und 10.000 dauerhafte Stellen hatten etwa die Ökonomen der Postbank prognostiziert - einer der nationalen WM-Sponsoren. "Wer sich einen Gewinn verspricht, wird natürlich die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Ereignisses betonen wollen", sagt Wagner. Kurscheidts Erfahrungen zufolge waren aber selbst diese Schätzungen sogar noch moderat. "In Japan und Südkorea wurden vor der WM wahre Mondzahlen ausgerufen. Ganze Länder sollten durch die WM saniert werden."

"Konnte nicht besser laufen"

Sowohl das DIW als auch Sportökonom Kurscheidt hatten vor dem Turnier deutlich niedrigere Werte vorhergesagt. "Der direkte Impuls kann ja gar nicht so groß sein. Ein Monat Party kann keinen Geldregen für ein ganzes Jahr bedeuten. Das heißt aber nicht, dass es keine Effekte hatte", meint Kurscheidt. Der wichtigste eines großen Sportereignisses ist für ihn ohnehin Standortmarketing. "Und da hatten wir ja unheimlich Glück: Wetter wie in Spanien, Stimmung wie in Brasilien und dann das Konzept mit den Fan-Festen - die WM konnte gar nicht besser laufen."

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