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Politik

Sommerferien auf der Ranch

Präsident Bush hat sich in den Sommerurlaub verabschiedet. Knappe fünf Wochen wird er nun auf seiner Ranch in Texas verbringen, Unterholz hacken, Kühe mit dem Mountainbike erschrecken - und andere Staatsmänner empfangen.

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Daniel Scheschkewitz

Im Weißen Haus war man sehr darauf bedacht, den ausgedehnten Ranch-Aufenthalt nicht zu sehr als Urlaub erscheinen zu lassen. So hat man Bushs Ferienkalender mit zahlreichen Arbeitsterminen gepflastert. Müßiggang gebührt auch dem mächtigsten Mann der Welt nicht. Gleich am zweiten Tag seiner Texasferien empfängt Bush den kolumbianischen Präsidenten Uribe auf der Crawford-Ranch – ein Ritt über die Farm, und sei es in Bushs Geländefahrzeug, wird auch diesem Besucher von Bushs Privatdomizil nicht erspart bleiben.

Heißer Urlaub

Mit seiner Sommerresidenz knüpft George W. durchaus an eine traditionelle Vorliebe vieler US-Präsidenten an. Ronald Reagan verbrachte immerhin 335 Tage seiner achtjährigen Präsidentschaft auf seiner Ranch im kalifornischen St.Barbara. Richard Nixon bevorzugte das subtropische Klima von Key Biscane, Florida, während es Bushs Vater ins kühlere Maine zog. Filius George W. tauscht die sommerliche Schwüle in Washington gegen noch heißere Temperaturen im heimatlichen Texas aus. Die mitreisende Presse heiterte er vor seiner Abreise mit dieser stimulierenden Botschaft auf. "Leute, ich habe gerade noch mal nachgefragt – es sind mindestens vierzig Grad."

Rekordbrecher

Bush selbst, dem seine Ärzte eine außerordentlich gute Gesundheit attestieren, scheinen die brutalen Temperaturen nichts auszumachen. Zu seinen Freizeitaktivitäten auf der Ranch gehören Mountainbike fahren, Bäume fällen, und das unvermeidliche Golfspiel. Kritiker weisen daraufhin, dass Bush seine Vorliebe für die Ranch etwas übertreibe. Sie haben ausgerechnet, dass der bekennende Texaner bereits zwanzig Prozent seiner bisherigen Amtszeit das Weiße Haus zugunsten von Crawford eingetauscht hat. Damit bricht Bush alle Rekorde, sogar den Ronald Reagans. Böse Zungen verwiesen auch gerne auf den Umstand, dass Bush ausgerechnet vor den Anschlägen des 11. Septembers 2001 Wochen auf seiner Ranch zubrachte, währen sich in den Zentralen von FBI und CIA in Washington die Hinweise auf einen bevorstehenden Terroranschlag häuften.

Viel Freizeit

Hinzu kommt, dass Bush auch wenn er im Weißen Hause residiert, nicht gerade durch Arbeitswut auffällt. Abendtermine gibt es bei ihm kaum und die Mittagspause, die Bush gerne zu sportlichen Aktivitäten ausnutzt, dauert nicht selten länger als zwei Stunden. Die texanische Sommerresidenz dient Bush aber durchaus auch als politisches Sprungbrett. Von hier aus lassen sich viel leichter als von Washington aus, die bei Wahlen so wichtigen Staaten im Süden und Südwesten der USA beackern. Tagesauflüge nach New Mexico und Arizona sind ebenfalls Teil seines Sommerprogramms. In Texas, fernab vom politischen Elfenbeinturm Washington, sagt Bush, könne er außerdem die echten Probleme Amerikas viel besser begreifen. Dass es auch in Texas Sommer für Sommer heißer wird, stört ihn dabei nicht. Die globale Klimaerwärmung schwitzt Bush locker an jedem Ort dieser Welt aus.