1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Sommer wird zur Belastung

In Europa werden Temperaturrekorde geknackt. Für viele wird die Hitze zur Lebensgefahr. In Frankreich hat das Mittelmeer an manchen Stränden 30 Grad.

default

Schiff auf dem Rhein bei niedrigem Wasserstand

In Frankreich sind vermutlich 20 Menschen an Folgen der jüngsten Hitzewelle gestorben. Das teilte das Nationale Gesundheitsinstitut am Freitag (21.7.2006) in Paris mit. Unter den mutmaßlichen Hitzeopfern seien ein 15 Monate altes Baby und ein 94-jähriger Mann. Vier Personen seien bei der Arbeit an Hitzefolgen gestorben und zwei beim Sport. Zehn ältere Menschen hätten an anderen Krankheiten gelitten, ihr Tod sei aber vermutlich auf die Hitze zurückzuführen. Bei der Hitzewelle im Sommer 2003 starben 15.000 Menschen in Frankreich, meist während der Ferien allein gelassene Senioren. Im Großraum Paris gingen die Temperauren nach heftigen Regenschauern am Donnerstag zurück.

Frankreichs Sommerhitze ist bis ins Mittelmeer hinein zu spüren: Wie die für die Überwachung der örtlichen Strände zuständige Polizei am Freitag mitteilte, kletterten die Wassertemperaturen in Marseille auf Spitzenwerte von 28 bis 30 Grad. Mit den Badewannen-ähnlichen Werten bot das Meer kaum noch Abkühlung.

Hoffen auf Gewitter

Tote Fische im ausgetrockneten Flußbett, Hitzewelle

Tote Fische liegen in einem ausgetrockneten Flussbett in Brandenburg

Auch Deutschland bleibt im Schwitzkasten: Ein Ende der drückenden Hitze ist nicht in Sicht. Auch am Freitag erreichten die Temperaturen schon mittags vor allem im Rhein-Main-Gebiet mehr als 30 Grad. Besonders heiß war es außerdem wieder im Osten, vor allem in der Lausitz und der Leipziger Tieflandsbucht. "Die hohe Luftfeuchtigkeit ist mancherorts unerträglich, es ist örtlich sehr schwül", sagte der Meteorologe Martin Pucheggel. In der nächsten Woche seien Gewitter möglich. "Aber das bringt nur punktuell Regen. Die Trockenheit ist ein zunehmendes Problem, zumal uns die sommerliche Hitze vorerst erhalten bleibt."

In Spanien wurden für Freitag und das kommende Wochenende wieder Hitzegrade bis zu 40 Grad erwartet. Besonders heiß sollte es auf der Balearen-Insel Malllorca werden, wo das spanische Königspaar Urlaub macht. In Spanien sind bisher drei Männer an Hitzschlag gestorben. Das letzte Opfer war ein 32 Jahre alter Mann, der am Mittwoch bei Arbeiten auf einem Landgut bei Mérida zusammenbrach. Nach den heftigen Gewittern der vergangenen Tage sagten die Meteorologen auch für Freitag teils starke Unwetter in den Regionen Aragòn, Rioja und Navarra voraus.

Auch Italien leidet unter der Hitze: Am Freitag stiegen die
Temperaturen in den meisten Landesteilen auf mehr als 35 Grad, nachts sinkt die Quecksilbersäule fast nirgendwo unter 25 Grad. Am Wochenende sollten die Temperaturen Meteorologen zufolge noch weiter ansteigen. Am schlimmsten sei bisher die ligurische Metropole Genua betroffen, wo zahlreiche Menschen mit Schwächeanfällen ins
Krankenhaus gebracht wurden, berichtete die Zeitung "La Repubblica" am Freitag. In Usellus auf Sardinien starb am Donnerstag ein Arbeiter unter der sengenden Sonne: Er sei bei Temperaturen von 35 Grad tot zusammengebrochen.

"Der Weizen brennt weg"

Waldbrand in Kalifornien, Hitzewelle

Die Waldbrandgefahr nimmt zu

Das heiße Wetter bringt vielerorts auch die Gefahr von Waldbränden und Dürre mit sich. In Portugal kämpften 700 Feuerwehrleute gegen mindestens neun Waldbrände. Die Temperatur im Land am westlichen Ende Europas lag bei bis zu 41 Grad. In Frankreich und Kroatien wüteten ebenfalls die Flammen; dort wurde unter anderem Ackerland zerstört. Auch in Deutschland ist die Getreideernte gefährdet. "Die Hitze brennt den Weizen regelrecht weg", sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner. In einzelnen Betrieben in den neuen Bundesländern sei ein Totalschaden bei der Ernte zu erwarten.

Nord-Europa freut sich

Währenddessen genossen viele Nordeuropäer die ungewohnt sommerlichen Temperaturen. Die Hitzewelle brachte der dänischen Wirtschaft einen Verkaufsboom bei Eiscreme und Sonnenbrillen. London konnte bei Temperaturen, die mehr als zehn Grad über dem durchschnittlichen Juli-Wert lagen, locker mit traditionellen Sommermetropolen wie Rom oder Athen mithalten. (kas)

Die Redaktion empfiehlt