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Filme

"Sommer vorm Balkon" - Mitten im Winter

Der Filmemacher Andreas Dresen überrascht immer wieder. Nach dem völlig improvisierten "Halbe Treppe", dem Breitwandfilm "Willenbrock" folgt nun eine kleine Sommergeschichte um zwei Frauen in Berlin.

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Nike und Katrin verbindet nicht nur die Liebe zum selben Mann

Nike, gespielt von Nadja Uhl, lebt als Single im Prenzlauer Berg und hat oben im vierten Stock des Altberliner Mietshauses auf ihrem Balkon die beste Aussicht. Ihre Freundin Katrin, verkörpert von Inka Friedrich, ist allein erziehend. Abends sitzen die beiden Frauen oft auf Nikes Balkon trinken zusammen einen Wein und philosophieren über das Leben.

"Es ist so schön hier mit dir Nike, so schön drüber. Kannste dir vorstellen mit jemand für immer zu leben?"

"Ick glob da nich dran. Ick hab jelesen det jibt nen sexuellen Botenstoff im Gehirn. Det is wissenschaftlich erwiesen. Und nach ner Weile ist der einfach weg. Schlagartig."

"Die Richtigen sind meist die falschen. Weisste was ich meine?"

"Ick bin eigentlich janz normal."

Schnoddern is nich

Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase

Der Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase gehörte zu den produktivsten und wichtigsten Szenaristen der DEFA

Auch wenn Dresen nach eigenem Bekunden eine leichte Sommerkomödie gedreht hat, so ist "Sommer vorm Balkon" nicht frei von tragischen und traurigen Momenten. Die soziale Realität wird nie ausgeklammert. Optimal erscheint seine Zusammenarbeit mit Wolfgang Kohlhaase, der nach seinen DEFA-Filmen wie "Solo Sunny" und der Zusammenarbeit mit Volker Schlöndorff bei "Die Stille nach dem Schuss" erneut beweist, dass er wie kein anderer im deutschen Kino authentische Dialoge schreiben kann, die nie abgehoben wirken. Das ist gar nicht immer so leicht zu spielen, wie die beiden Darstellerinnen erklären.

"Das ist auch keine Alltagssprache, das ist schon eine sehr geformte Sprache", erzählt Inka Friedrich. "Die muss man beachten, die hat einen Rhythmus, die hat einen Satzbau, die hat etwas eigenwillige Worte. Und wenn man die wegschnoddert oder ersetzt durch was Anderes, wird’s flach."

Nadja Uhl erklärt an einem Beispiel: "'Sie sind eine zarte Erscheinung, darf ick sie mal ganz zart anfassen?'"Das ist was anderes, als wenn du sagst: 'Ick finde sie sind ne zarte Erscheinung, könnte ich sie mal zart anfassen.' Das ist ein anderer Rhythmus. Es ist Berliner Hinterhofmilieu in eine Kunstform gebracht - Zillesprache kultiviert.

Ernster Hintergrund

Mit Nike, der Altenpflegerin, und Katrin, einer arbeitslosen Schaufenster-Dekorateurin, verfolgen Dresen und Kohlhaase ganz alltägliche Schicksale. Ohne Larmoyanz wird beschrieben, wie mühsam und verletzend es sein kann, Arbeit zu finden. Zwischen den beiden Frauen entsteht aber bald eine Rivalität um den Fernfahrer Ronald, der Katrin mit seinem Truck fast umgefahren hätte. Nike wird nur kurze Zeit später mit ihm zunächst das Bett und dann die Wohnung teilen. Katrin fühlt sich vernachlässigt, ist ständig auf Jobsuche und beginnt zu trinken.

Optimal besetzt darf Nadja Uhl fast aufreizend sexy spielen und sie beweist einmal mehr, wie facettenreich und natürlich sie ihre Rollen ausfüllt. Inka Friedrichs Katrin ist etwas melancholischer angelegt, während Andreas Schmidt souverän wie immer den Berliner mit Schnauze verkörpert. Und Andreas Dresen, der sich auch diesmal überzeugend mit der Nachwendezeit auseinandersetzt, hat nach "Halbe Treppe" wieder einen anspruchsvollen, unterhaltsamen Autorenfilm gedreht. So kann es in diesem Jahr gerne mit dem deutschen Film weitergehen.

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