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Wirtschaft

Sommer verliert Machtkampf

Das wochenlangen Tauziehen um einen Wechsel bei der Deutschen Telekom hat ein Ende. Ron Sommer trat zurück, und der Aufsichtsrat installierte eine neue Spitze, wenngleich auch nur für eine Übergangszeit.

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Vorgänger und Nachfolger:
Ron Sommer und Helmut Sihler (Archivbild)

Nach sieben Amtsjahren war es ein kurzer, schwerer Gang für Ron Sommer - und sein letzter als Chef des größten Telekommunikations-Unternehmens in Europa. Mit starrem Blick und verzerrten Gesichtszügen verkündete Sommer den wartenden Journalisten seinen Rücktritt.

Zu dem Zeitpunkt dauerte die Sondersitzung des Aufsichtsrates noch an. Den ganzen Tag über waren die Spekulationen ins Kraut geschossen. Bleibt Sommer, wird er gefeuert oder verabschiedet er sich mit einem "goldenen Handschlag", einer satten Abfindung also? Und kaum dass der Vorstandschef das Handtuch geworfen hatte, verkündete Aufsichtsratschef Winkhaus die Nachfolgelösung: Der frühere Aufsichtsratsvorsitzende Helmut Sihler übernimmt Sommers Posten für eine Übergangszeit von sechs Monaten.

Bei der Suche nach einer endgültigen Lösung und bei der Unterstützung des Konsolidierungskurses steht Sihler als Stellvertreter der Telekom-Technik-Vorstand Gerd Tenzer zur Seite. Ein bekennender Sozialdemokrat, der zuvor bereits als künftiger Telekom-Chef gehandelt worden war.

Bundesregierung zog Notbremse

Sommers Schritt zieht einen Schlussstrich unter die Personaldebatte der letzten Tage, die, so der Scheidende, dem börsennotierten Unternehmen sehr geschadet habe - und ihn selbst sichtlich verbittert. Analysten, Wirtschaftsvertreter und Oppositionspolitiker hatten zunehmend die Einmischung der Politik in das Unternehmen kritisiert. Aber wie es scheint, wollte die Bundesregierung rechtzeitig vor der Wahl die Notbremse beim Rosa Riesen ziehen. Der Bund ist mit 43 Prozent größter Anteilseigner der Telekom.

Der bodenlose Fall der T-Aktie, der sündhaft teure Kauf der UMTS-Lizenzen in Deutschland und Großbritannien, die gescheiterte Ehe mit "Telekom Italia", die kostspielige Übernahme des US-Mobilfunkbetreibers VoiceStream - all das war Telekom-Chef Ron Sommer angelastet worden. Die steile Karriere des einstigen Managers des Jahres fand an diesem Dienstag einen jähes Ende.