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Wirtschaft

Sollen Europas Steuerzahler die Autoindustrie unterstützen?

Die EU-Kommission will ein europäisches Konjunkturprogramm vorstellen, das auch Kredite für die angeschlagene Automobilindustrie beinhalten soll. Mögliche Hilfen für die Branche sind aber umstritten.

Ein Dawoo Nexika bei der Montage in einem polnischen Werk (Quelle: dpa)

Die Automobilbranche hofft auf das EU-Konjunkturprogramm

Die europäischen Autobauer sind von der aktuellen Finanzkrise besonders betroffen. Allein im Oktober wurden 14,5 Prozent weniger neue Autos in Europa verkauft als noch vor einem Jahr. Der Absatz von Nutzfahrzeugen brach im Oktober sogar um 17 Prozent ein, teilte der europäische Automobilverband (ACEA) am Dienstag mit. Damit verringerten sich die Neuzulassungen in Europa den sechsten Monat in Folge. Der Nutzfahrzeug-Markt gilt als wichtiger Vorbote der wirtschaftlichen Entwicklung - mehr als zwei Drittel der Güter und Waren in Europa werden auf der Straße transportiert.

Abgase von fahrenden Autos im Stadtverkehr (Quelle: dpa)

Für Investitionen in umweltfreundliche Autos braucht die Industrie mehr Geld

Einem Arbeitspapier der Europäischen Kommission zufolge soll die Europäische Investitionsbank (EIB) zusätzliche zinsgünstige Kredite zur Entwicklung umweltfreundlicher Autos bereitstellen. Bisher sind dafür 16 Milliarden Euro für einen Zeitraum von vier Jahren vorgesehen. Die europäischen Autohersteller fordern über ihren Verband aber zusätzliche Kredite in Höhe von 40 Milliarden Euro. Denn: "Neben dem Einbruch der Nachfrage wird es für die Industrie auch schwieriger, Kredite zu bekommen", so die Pressesprecherin des ACEA, Sigrid de Vries zu DW-WORLD.DE.

Trotzdem müsse das hohe Niveau von Investitionen beibehalten werden, um Niedrigemissions-Autos auf den Markt zu bringen. "Da kann man nicht einfach sagen: Ich passe mich ein bisschen dem Wirtschaftszyklus an und dann sehen wir weiter, wenn es wieder mehr Nachfrage gibt. Nein, man muss dafür sorgen, dass man investiert und dran bleibt." Ein Teufelskreis, aus dem die Branche mit Hilfe des EU-Konjunkturprogramms herauszukommen hofft.

OECD gegen Hilfen für Autoindustrie

Logo der OECD (Quelle: OECD)

Die OECD ist gegen Hilfen für einzelne Branchen

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sprach sich am Dienstag ausdrücklich gegen Hilfen für einzelne Branchen wie die Autoindustrie aus. Die staatlichen Hilfen müssten auf den Finanzsektor beschränkt bleiben, sagte OECD-Chefvolkswirt Klaus Schmidt-Hebbel. Denn nur dort gebe es bei Pleiten - anders als im Industrie- und Dienstleistungssektor - das Risiko von einer Kettenreaktion in der Gesamtwirtschaft.

Mehr als 12 Millionen Arbeitsplätze hängen in den 27 EU-Mitgliedsländern nach Angaben des ACEA von der Autoindustrie ab: 2,3 Millionen direkt und 10 Millionen indirekt. Wäre eine EU-weite Maßnahme da nicht gerechtfertigt? "Ist es dann nicht auch gerechtfertigt, den Bausektor, die Dienstleistungsbranche oder den Einzelhandel zu unterstützen, die alle auch sehr große Einbrüche zu verzeichnen haben? Wenn wir erst mit einem Sektor anfangen, wo hören wir auf? Warum gerade die Automobilbranche?", hält OECD-Chefvolkswirt Schmidt-Hebbel im Gespräch mit DW-WORLD.DE dagegen.

Einspritztechnologie kann Leben retten

Sigrid de Vries hat eine Antwort auf diese Frage: "Die Autoindustrie macht so hoch qualitative und innovative Produkte, dass die Technologien und Neuerfindungen oft in ganz anderen Sektoren und Industrien aufgenommen und angepasst werden." So sei die sehr präzise, computergesteuerte Einspritztechnologie für Motoren weiterentwickelt worden und werde mittlerweile zum Beispiel für die Pflege von Neu- und Frühgeborenen auf Intensivstationen benutzt. "Und deswegen - oder auch deswegen - ist diese Industrie so wichtig für Europa. Sie ist wirklich der Motor der Wirtschaft."

Eine endgültige Entscheidung über das Konjunkturprogramm sollen die Staats- und Regierungschefs auf dem nächsten EU-Gipfel am 11. und 12. Dezember in Brüssel fällen.

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