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Welt

Solidaritätsmarsch: Zu Fuß von Berlin nach Aleppo

Sie wollen Aufmerksamkeit für die Opfer im syrischen Krieg schaffen und machen sich dafür von der deutschen Hauptstadt auf bis nach Syrien. Die DW hat sich mit der Initiatorin des "Civil March for Aleppo" getroffen.

Deutschland Protest in Berlin gegen die Eroberung Aleppos (Imago/C. Mang)

Proteste gegen die Eroberung Aleppos vor der russischen Botschaft in Berlin am 13. Dezember

Ein Marsch von Berlin nach Aleppo, über 3000 Kilometer Fußweg. Eine schier unglaubliche Idee - und doch setzt die 32-jährige Anna Alboth diese nun gemeinsam mit zahlreichen Helfern um. Los geht es am am 26. Dezember 2016 - "einem heiligen Tag", erklärt die March-Organisatorin. Ab dem zweiten Weihnachtsfeiertag will die Gruppe um Anna Aboth rund 20 Kilometer am Tag schaffen. Innerhalb von drei Monaten wollen sie ankommen. Ob sie aber jemals Aleppo erreichen werden, ist ungewiss. Doch darum gehe es auch nicht, schreiben die Organisatoren auf ihrer Webseite. "Syrien ist unser Reiseziel, aber anzukommen ist nicht der Zweck dieser Reise. Die Reise an sich und die Unterstützung sind genauso wichtig."

Weihnachten in Berlin - Marsz Berlin-Aleppo (DW/A. Hrecuk)

Initiatorin des Marsches Anna Alboth

Rund 3000 Menschen aus ganz Europa wollen den Marsch unterstützen, 1500 haben sich gemeldet, mindestens für mehrere Kilometer mitzulaufen. Von Berlin aus geht es durch Tschechien, Österreich, Slowenien, Kroatien und Serbien. "Wir wollen den gleichen Weg gehen wie die Flüchtlinge, die hierher gekommen sind", sagt Anna Alboth. "Mit Ausnahme von Ungarn und Bulgarien. Wir laufen stattdessen durch Mazedonien und Griechenland." Der Grund dafür sei schlicht, dass sich in diesen Ländern besonders viele Freiwillige gemeldet hätten, erklärt die Initiatorin.

Startpunkt ist der stillgelegte Flughafen Tempelhofer Feld in Berlin: "Tempelhof ist das größte Flüchtlingslager in Deutschland", erklärt Alboth die Wahl des Ausgangspunktes. 

Aleppo - Symbol eines blutigen Kriegs

Video ansehen 01:40

Ein Helfer aus Aleppo erzählt selbst

Allein im Kampf um die westsyrische Stadt Aleppo, einst finanzielles Zentrum des Landes, sollen Schätzungen zufolge über 300.000 Menschen gestorben sein. Seit wenigen Tagen ist die Stadt wieder unter Regierungskontrolle - es war der bisher größte Erfolg im Krieg für den von Russland unterstützten syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Die Wiedereroberung war gleichzeitig trauriger Höhepunkt einer langen und blutigen Schlacht, in der zahlreiche Zivilisten zu Opfer kamen.

"Ich habe Bilder gesehen von Frühchen, die aus ihren Brutkästen geholt werden mussten, da das Krankenhaus in Aleppo von einer Bombe getroffen worden war", erzählt die Marsch-Organisatorin Alboth. "Ich habe meine eigenen Kinder dort liegen gesehen. Nicht die von irgendjemand anderem, meine!"

Anna Alboth ist Mutter von zwei Kindern, beide kamen zu früh zur Welt: "Was wäre gewesen, wenn ihre Krankenhäuser damals unter Beschuss gestanden hätten? Ich konnte es gar nicht aushalten, darüber nachzudenken", schrieb Alboth damals auf ihrem Blog. "Vielleicht wird sich etwas ändern, wenn eine Gruppe Europäer sich auf den Weg nach Aleppo macht? Wirst Du mitkommen?"

50 Zusagen innerhalb einer Stunde

So begann die Reise, für die Anna Alboth und ihre Mitorganisatoren am 26. Dezember 2016 den ersten physischen Schritt tun werden. Alboth ist Bloggerin und Reisejournalistin, sie lebt mit ihrer Familie in Berlin. Vor rund einem Jahr hatte sie drei Syrer zu sich nach Hause eingeladen, ihnen eine Unterkunft geboten. Einer von ihnen lebt noch immer bei ihnen. Zudem sammelte sie für andere Flüchtlinge in Berlin Schlafsäcke in ihrem Heimatland Polen. Mehrere tausend wurden ihr zugesendet, erzählt sie.

"Ohne diese Kampagne hätte ich wahrscheinlich nicht daran geglaubt, dass wir diese Reise jetzt so organisiert bekommen. Und dass mich jemand ernst nimmt", sagt sie. Nachdem sie dazu aufgerufen hatte, mit ihr nach Aleppo zu gehen, erhielt sie unmittelbar zahlreiche Antworten: "Wir kommen", schrieb man ihr. "Wann geht es los?"

Innerhalb von einer Stunde meldeten sich über 50 Personen bei ihr. Und im Laufe der Tage kamen immer mehr Zusagen. Viele aus ihrer Heimat Polen, aber auch aus Portugal, Österreich, der Schweiz und Griechenland. Manche wollen den ganzen Weg mitgehen, andere nur einen Teil, manche bieten eine Unterkunft an, andere heiße Suppe. Unter ihnen sind viele ganz gewöhnliche Leute, teils ganze Familien, Flüchtlinge und auch prominente Personen, die helfen wollen.

"Wir erhalten sehr viel Unterstützung aus Österreich", erzählt Anna Alboth. Am zögerlichsten seien bisher die Deutschen: "Viele Fragen, warum sich eine Bloggerin um so etwas kümmert, warum wir es ausgerechnet jetzt machen, warum Syrien. Woanders gäbe es doch auch Kriege."

Anna Alboth, ihre 150 Mitorganisatoren und die vielen Teilnehmer wollen sich nicht weiter mit derartigen Fragen beschäftigen, sie wollen einfach handeln. "Wir haben genug davon, uns durch grausame Nachrichten auf Facebook zu klicken, zu schreiben wie schrecklich alles ist und wie machtlos wir doch seien", heißt es auf der Facebookseite der Aktion. Doch sie seien nicht machtlos, schreiben sie. "Dafür sind wir viel zu viele!"

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