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Kultur

Solidarität unter New Yorker Künstlern

Die Sturmflut nach Hurrikan Sandy setzte etliche Galerien unter Wasser. Auch deutsche Galeristen sind betroffen. Doch eines hat Sandy standgehalten: der Zusammenhalt der Kunstszene.

Durchnässte Gemälde in Lagerräumen, feuchte Bücher, die zum Trocknen an Feuerleitern hängen. Sandy hat New York erschüttert und dabei einen wichtigen Teil der Kunstwelt in Mitleidenschaft gezogen. Beinahe alle Galerien des Kunstviertels Chelsea in Manhattan sind von der Sturmflut des Hudson Rivers betroffen.

Sandy ist längst weitergezogen, doch die Galeristen versuchen immer noch, die beschädigten Räume und Kunstwerke zu restaurieren. Künstler und Freiwillige helfen mit. Die Ruhe nach dem Sturm ist noch nicht völlig eingekehrt. Dank der freiwilligen Helfer und der Solidarität unter den Galeristen fängt sich das Galerienviertel jedoch schneller als zunächst erwartet.

Chelsea: New Yorks Kunstmekka

Das Stadtviertel Chelsea im Herzen Manhattans ist für seine vielen Kunstgalerien und Lofts bekannt. In den vergangenen Jahren ist es zum Zentrum der New Yorker Kunstszene geworden. Zwischen der 10th und 11th Avenue und der 22th und 25th Street befinden sich die meisten Galerien, darunter namhafte wie die Gagosian Gallery, die Zach Feuer Gallery und die Fischbach Gallery.

Auch deutsche Galeristen wie David Zwirner, Leo Koenig oder Anton Kern haben sich in Chelsea einen Namen gemacht. In den vergangenen Jahren expandierte das Viertel, viele Galeristen zogen dorthin, weil die Mieten günstiger waren. Heute ist Chelsea das New Yorker Kunstmekka mit über hundert Galerien, die sich auf die zeitgenössische Kunstszene konzentrieren.

Menschen räumen auf (Foto: dapd)

Gemeinsam versuchen die Menschen in Chelsea, die Schäden zu beseitigen

Wasserschäden in Millionenhöhe

Nun erlebt das Viertel eine schwere Krise. Einige der Galerien liegen im Erdgeschoss, dort hat die Sturmflut große Schäden angerichtet: Das Wasser floss in die Kunst-Lagerräume im Keller - Schäden in Millionenhöhe waren die Folge. In den vergangenen Tagen haben Galeristen etliche Arbeiten und Dokumente aus den Lagerräumen auf die Straße geräumt, um sie auf Wasserschäden zu untersuchen.

Der deutsche Galerist Leo Koenig hatte vor dem Sturm die Kunstgegenstände höher gelagert. Hier ist alles gut gegangen, doch die Räume der Galerie sind sanierungsbedürftig. Ein Knochenjob für Koenig und seine Mitarbeiter: "Es ist ja kein Trinkwasser, das hier reingespült wurde. Das war ein Gemisch aus Salzwasser, Diesel, und New Yorker Abwasser. Dagegen kann man nur mit Chemikalien vorgehen und das haut nach einer Woche ganz schön rein", so Koenig.

Versicherungen gegen den "Supersturm"

Nun müssen die Galeristen bei ihren Versicherungen versuchen, die Schäden wieder auszugleichen. In den meisten Fällen haben sie eine spezielle Kunst-Versicherung abgeschlossen. Allerdings schützt diese nur die Kunstwerke und nicht die Räumlichkeiten der Galerien. Dafür benötigen Galeristen zusätzliche Versicherungen. Und das ist teuer. Manche Galeristen müssen nun um ihre Existenz bangen: Nicht nur komplette Ausstellungen wurden durch die Sturmflut zerstört, auch die Wände und Böden der Ausstellungsräume.

Zerstörte Gemälde und Kartons vor einem Gebäude (Foto: picture-alliance/dpa)

So sieht es vor vielen Galerien aus

Auch Leo Koenig muss um den Schadensersatz bangen: "Wie die meisten Galerien hatten auch wir keine Flutkatastrophenversicherung. Gouverneur Andrew Cuomo hat Sandy nun in einen 'Supersturm' umgetauft. Das macht die Vorgehensweise etwas leichter, aber trotzdem wird das ein Kampf." Doch Koenig macht sich viel mehr Sorgen um die kleinen Galerien in Chelsea: "Meine direkten Nachbarn können sich eine Generalsanierung kaum leisten. Wenn die nicht bald Hilfe bekommen, wird's knapp."  

Krisenmanagement der Kunstszene

Trotz der Verwüstungen und finanziellen Unsicherheiten sind einige Galeristen in Chelsea zuversichtlich. "Wir eröffnen am 20. November unsere nächste Ausstellung. Auch Zwirner hat wieder die erste Eröffnung. Ende des Monats ist Chelsea wieder im Sattel", so Koenig.

Dank der Hilfsbereitschaft unter Galeristen, Künstlern, Sammlern und Nachbarn restauriert Chelsea eine Galerie nach der anderen – das beschleunigt den Aufbau. Gemeinsam räumen sie die Kunstwerke und Möbel aus den Galerien, verputzen die Wände und legen neue Böden. Die Anwohner in Chelsea helfen, so viel sie können: "An Arbeitskräften fehlt es hier nicht", so Koenig. David Zwirner, der Galerist von Neo Rauch und Daniel Richter, bedankt sich auf seiner Website bei den vielen Helfern der Nachbarschaft: "Wir sind gerührt von der regen Teilnahme und Unterstützung nicht nur von unseren Künstlern, sondern auch von der Kunstszene im allgemeinen".

Auch Klaus Biesenbach, der deutsche Chefkurator des Museum of Modern Art, hat sich mit einer Reihe von Künstlern wie Marina Abramović, Doug Aitken und Francis Alÿs zusammengeschlossen und verschiedene Hilfsprojekte ins Leben gerufen. In einem offenen Brief an Bürgermeister Michael Bloomberg bietet Biesenbach in Kooperation mit der New Yorker Kunstszene seine Hilfe für die vom Sturm betroffenen Regionen an.

Zerstörte Häuserfront (Foto: Getty Images)

Sandy hat ganze Häuserfronten ausgerissen

Mehr als eine Woche nach dem Sturm kehrt in Chelsea wieder fast so etwas wie Normalität in den Kunstalltag ein. Zwar hat Sandy die Galerien in Chelsea  verwüstet. Die Solidarität des Viertels hält den Folgen des Hurrikans jedoch tapfer stand.

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