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Filme

Solidarität mit Jafar Panahi

Er wird der große Abwesende der diesjährigen Berlinale sein. Der iranische Regisseur Jafar Panahi war in die Jury des Festivals berufen worden. Im Dezember wurde er in Teheran zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.

Jafar Panahi mit Berlinale-Bär (Foto: Montage Berlinale)

Sein Platz im Kino wird leer bleiben. Und auch der bei der Jury. Die Berlinale hatte Panahi in das Gremium, das den Goldenen und die Silbernen Bären verleiht, eingeladen. Die Jury wird nun nur aus sechs Mitgliedern bestehen. Panahi war am 18. Dezember 2010 zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden und zu zwanzigjährigem Berufsverbot. Auch einige seiner Mitarbeiter erhielten Gefängnisstrafen. So auch ein anderer bekannter Regisseur des Landes, Mohammad Rasoulof.

Der Name Panahi wird nun zum Symbol des Widerstandes gegen das unmenschliche System in Teheran. Und die Berlinale wird ihrem Ruf, ein politisches Filmfestival zu sein, wieder einmal gerecht. Panahis Juryberufung erfolgte in einer Phase, als der Regisseur in seiner Heimat große Schwierigkeiten hatte. Ein Zeichen der Solidarität. Während der Festspiele wird der iranische Regisseur zumindest zweimal im Zentrum der Diskussionen stehen. Für den 11. Februar hat sein inzwischen im Pariser Exil lebender Regiekollege Rafi Pitts zu einer Solidaritätsaktion aufgerufen. Rund um den Globus sollen dann Filmschaffende für zwei Stunden ihre Arbeit niederlegen.

Protest auf Zelluloid

Jafar Panahi mit Preis Leoparden des Festivals (Foto: Filmfestival Locarno)

1997 in Locarno ausgezeichnet

Am 17. Februar ist vom Festival eine öffentliche Diskussion angesetzt - mit Regisseuren und Schauspielern aus dem Iran, die freilich inzwischen meist im Exil leben. Außerdem zeigt die Berlinale fast alle Filme Jafar Panahis. In der deutschen Hauptstadt hatte der Filmemacher 2006 für seinen Film "Offside" einen Silbernen Bären bekommen. Auch seine anderen Arbeiten - Panahi hat bisher fünf Spielfilme gedreht - waren auf großen Festivals mit Preisen bedacht worden.

Panahi versteht sich nicht dezidiert als politischer Filmemacher. Aber was heißt das schon in einem Land wie dem Iran. Natürlich waren viele seiner Filme wie auch die seiner Kollegen in den letzten Jahren politische Statements. Die großen Arbeiten eines Abbas Kiarostami, dem bekanntesten Regisseur des Landes, enthielten immer auch versteckte Botschaften. Das iranische Kino, das ist seit Jahren - meist nur im Ausland und auf Festivals zu sehen - ein Kino gegen die Unterdrückung, das mit Symbolen und Metaphern arbeitet. Was bleibt engagierten Regisseuren auch als Alternative in einem diktatorischen System?

Filmszene aus Offside - Soldat unterhält sich durch Gitter mit weiblichem Fußballfan (Foto: Kinowelt)

Gespräche nur durch die Gitter - Szene aus Panahis Film "Offside"

Auch Jafar Panahi hat so gearbeitet. In seinen Filmen "Der weiße Ballon" (1995), "Der Kreis" (2000) und dann natürlich im Fußball-Film "Offside" - immer hat er es verstanden seine poetisch und still erzählten Filmdramen aufzuladen mit Botschaften. Das ging irgendwie immer gut, wenn auch seine Filme in der Heimat kaum im Kino zu sehen waren. Auf DVD beschafften sich die Menschen Panahis Werke - im Iran ist er eine bekannte Größe innerhalb der Kinoszene.

Barbarisches Urteil

Gerade wohl auch deshalb hat das Regime in Teheran jetzt zu so einer drastischen Strafe gegriffen. Als das Urteil am 18. Dezember gegen Panahi und seine Mitstreiter verhängt wurde, hatte der Regisseur bereits einiges hinter sich. Bespitzelung, Verhaftung, Hungerstreik, vorübergehende Freilassung. Der Film, den er und sein Team gerade drehten, war noch nicht einmal zur Hälfte fertig. Das Material wurde beschlagnahmt. Das barbarische Urteil gegen den Regisseur hat nun einen vorläufigen Schlusspunkt gesetzt. Seitdem haben sich Filmemacher in aller Welt, Politiker und Kulturschaffende in Teheran für den Regisseur eingesetzt, bisher ohne Erfolg. Auch die Berlinale wird in den kommenden Tagen an Jafar Panahi und die anderen inhaftierten Filmschaffenden erinnern.

Autor: Jochen Kürten
Redaktion: Conny Paul

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