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Politik

Soldatenmütter verfolgen Bush

Nach der wochenlangen Belagerung seiner Ranch drohen US-Präsident Bush weitere Proteste von Soldatenmüttern, die ihre Kinder im Irak verloren haben. Ein republikanischer Senator verglich den Irak-Krieg mit Vietnam.

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Cindy Sheehans Sohn starb im vergangenen Jahr im Irak

Irak Soldaten Anschläge Aufstand Falludscha Bagdad mit Galeriebild

Ein brennender Lastwagen der US-Armee in Falludscha (2004)

Die wachsende Anti-Kriegsstimmung in den USA hat Präsident George W. Bush gezwungen, seinen Urlaub zu unterbrechen. Am Montag (23.8.2005) verließ er seine Ranch im texanischen Crawford, die seit Wochen von der Mutter eines im Irak getöteten Soldaten belagert wird, um bei einem Veteranentreffen in Salt Lake City für den Krieg zu werben. "Irak ist eine zentrale Front im Kampf gegen den Terror", sagte Bush. Die USA seien es den bisher 1864 getöteten Amerikanern schuldig, den Einsatz zu Ende zu bringen. Am Mittwoch will Bush in Idaho über den Krieg gegen den Terror reden, bevor er seinen Urlaub fortsetzt.

Den Soldatenmüttern entkam Bush mit der Abreise aus Crawford nicht: Unweit des Veteranentreffens hielt Celeste Zappala, die 58-jährige Mutter eines im Irak getöteten Soldaten, eine Rede vor zahlreichen Demonstranten. Ihr Sohn Sherwood Baker wurde in 2004 im Irak getötet, während er als Teil einer Untersuchungsgruppe nach - nie gefundenen - Massenvernichtungswaffen des Saddam-Regimes suchte. Die große Beteiligung lasse sie auf Frieden hoffen: "Ich bin erstaunt. Ich dachte immer, Salt Lake City sei ein verschlafener, konservativer und zugeknöpfter Ort", sagte Zappala, die Mitglied der Gruppe "Gold Star Families for Peace" von Cindy Sheehan ist.

"Peace Mom" will Bush sprechen

Bush mit Condoleeza Rice äußert sich vor Medien zum Iran

Präsident George W. Bush mit Außenministerin Condoleezza Rice bei einer Pressekonferenz in Crawford

Cindy Sheehan ist US-weit als "Peace Mom" bekannt. Seit Anfang August 2005 campiert sie bei Bushs Ranch und verlangt eine Audienz beim Präsidenten. Ihr ältester Sohn im vergangenen Jahr 2004 bei einem Bombenanschlag in Bagdad umgekommen.

Hatte ihre Aktion zunächst nur bescheidenen Zulauf erhalten, weitete sich der Protest in letzter Zeit aus: In Solidarität mit Sheenan beteiligten sich mehrere zehntausend Personen in 1600 Ortschaften beteiligten an Mahnwachen. Dann bekam Sheehan prominente Unterstützung von der Folk-Sängerin Joan Baez, die sich schon gegen den Vietnamkrieg engagiert hatte. Baez gab am vor wenigen Tagen vor 500 Menschen in Crawford ein kostenloses Konzert.

Landesweite Mahnwachen

Mütter gegen Irak-Krieg Demonstration in Crawford Joan Baez

Die Sängerin Joan Baez während ihres Besuchs bei der "Peace Mom" in Crawford

Zu den landesweiten Mahnwachen hatte die Organisation "MoveOn.org" aufgerufen. Sie spielte bereits bei den Massenkundgebungen im Vorfeld der Invasion eine führende Rolle. Sheehan fordert einen sofortigen Truppenrückzug und die Amtsenthebung des Präsidenten. Sie will ihr Zelt erst abbrechen, wenn sie eine persönliche Unterredung mit Bush erhalten hat.

Gruppen wie "MoveOn.org" hoffen, dass die trauernde Mutter zu einer Ikone der Antikriegsbewegung wird und ihr neuen Schwung verleiht. Anhänger ziehen bereits Vergleiche mit der schwarzen Näherin Rosa Parks, die vor 50 Jahren mit einem simplen Akt des zivilen Ungehorsams der Bürgerrechtsbewegung ungeahnte Energie eingeflößt hatte. Ob die 48-jährige Kalifornierin Sheehan einen ähnlichen Platz in der Geschichte erhalten wird, scheint allerdings zweifelhaft. Selbst Sympathisanten schütteln den Kopf über einige hitzige Worte, die der politisch unerfahrenen Frau entschlüpft sind und die nun von den Medien breitgewalzt werden.

Unmut in der eigenen Partei

Anti-Kriegsdemonstrationen in New York

Anti-Kriegsdemonstration in New York (2003)

Bush hat die Familie Sheehan im Juni 2004 zusammen mit anderen Angehörigen getöteter Soldaten getroffen und lehnt eine weitere Begegnung ab. "Wir wollen ihn treffen. Wir müssen ihm einige Fragen stellen", beharrt auch Sheehans Mitstreiterin Zappala. Bei Bushs Besuch in Salt Lake City will die Gruppe Fernsehspots zeigen, in denen Bush beschuldigt wird, die Bevölkerung in den Irak-Krieg gelogen zu haben. Ein Sender weigerte sich, die Spots auszustrahlen.

Unterdessen macht sich auch in Bushs eigener Partei Missmut über den Krieg breit. Der Republikaner Chuck Hagel aus Nebraska sagte dem Sender ABC, der Irak erscheine zunehmend wie ein zweites Vietnam. "Je länger wir bleiben, desto mehr Probleme werden wir bekommen", sagte der Vietnam-Veteran, der auch als Präsidentschaftskandidat für 2008 gilt. "Ich weiß nicht, wie viele Opfer wir noch hinnehmen werden." (stu)

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